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Sanna Marin könnte die jüngste Regierungschefin der Welt werden. Quelle: imago images/Xinhua

Sanna Marin könnte jüngste amtierende Regierungschefin werden

Gerade erst war Finnlands Ministerpräsident Antti Rinne überraschend zurückgetreten. Nun soll ihm die erst 34-jährige Sozialdemokratin Sanna Marin nachfolgen. Sie könnte die jüngste amtierende und demokratisch legitimierte Regierungschefin der Welt werden – in einer Koalition, die von jungen Frauen angeführt wird.

Kopenhagen. Finnlands wohl künftige Ministerpräsidentin Sanna Marin sprengt in vielerlei Hinsicht den Rahmen. Falls das Parlament sie am Dienstag tatsächlich wählt, wäre die Sozialdemokratin mit 34 Jahren die jüngste amtierende und demokratisch legitimierte Regierungschefin der Welt. Derzeit ist der ukrainische Ministerpräsident Olexij Hontscharuk mit 35 Jahren der jüngste amtierende Ministerpräsident. Der frühere Bundeskanzler Österreichs, Sebastian Kurz, könnte sie allerdings demnächst ablösen. Er ist 33 Jahre alt und war bei seinem ersten Amtsantritt 2017 sogar erst 31. Noch jünger könnte Kim Jong-un bei seinem Amtsantritt gewesen sein. Die Angaben über sein Geburtsdatum sind jedoch nicht gesichert.

Wenn Marin gewählt würde, würde sie zudem in einer Koalition mit vier weiteren Parteien regieren, deren Vorsitzende allesamt Frauen sind – die meisten von ihnen wie sie Anfang 30.

Die Zustimmung des Parlaments gilt als wahrscheinlich, denn die Koalition verfügt über 117 der 200 Sitze. Damit wird Marin beim EU-Gipfel Ende der Woche die Präsidentschaft führen, die Finnland noch bis Jahresende innehat. Marin sitzt erst seit vier Jahren im finnischen Parlament. Bislang war die 34-Jährige Ministerin für Verkehr und Kommunikation und stellvertretende Parteivorsitzende.

Marin wuchs bei ihrer alleinstehenden Mutter auf. Einem finnischen Sender berichtete sie, wie benachteiligt sie sich gefühlt habe, als ihre Mutter mit einer anderen Frau zusammenlebte. Inzwischen ist die designierte Regierungschefin selbst Mutter. Im vergangenen Jahr wurde Tochter Emma geboren. Darin ähnelt Marin der neuseeländischen Regierungschefin Jacinda Ardern, die 2018 ebenfalls eine Tochter bekam. Allerdings war die heute 39-jährige Ardern damals sogar schon Ministerpräsidentin.

Rinnes Rücktritt nach Post-Eklat

Finnlands bisheriger Regierungschef Antti Rinne war vergangene Woche nach Kritik an seinem Umgang mit der Post zurückgetreten. Der Koalitionspartner Zentrumspartei entzog ihm die Unterstützung, will das Regierungsbündnis jedoch fortsetzen, ebenso wie die anderen Parteien.

Nachdem die Sozialdemokraten Marin nominiert haben, kommt es jetzt zu einer Koalition, deren wichtigste Posten von Frauen gehalten werden. Und unter ihnen ist Marin noch nicht einmal die Jüngste. Zentrumschefin und Wirtschaftsministerin Katri Kulmuni ist 32 Jahre alt ebenso wie Bildungsministerin Li Andersson von der Linksallianz. Innenministerin Maria Ohisalo von den Grünen ist 34. Justizministerin Anna-Maja Henriksson ist mit 55 deutlich älter. Sie ist Vorsitzende der Schwedischen Volkspartei, die die Belange der schwedischen Minderheit in Finnland vertritt.

Parteichefin wird Marin zumindest noch nicht. Rinne hat angekündigt, bis zum Parteitag der Sozialdemokraten im kommenden Sommer Vorsitzender zu bleiben.

RND/AP