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Mit dem „Umweltsau“-Lied hat der WDR hitzige Debatten ausgelöst. Quelle: imago images / Future Image

Kontroverse um „Umweltsau“-Lied: Kritik an Reaktion des WDR

Die Debatten um das „Umweltsau“-Lied des WDR reißen nicht ab: Während die einen den Song als beleidigend empfinden und deshalb sogar demonstrieren, werden auch die Stimmen stärker, die diese Reaktionen nicht verstehen. So kritisiert das Kinderhilfswerk das fehlende Rückgrat des WDR.

Die Auseinandersetzung um das Satirelied über eine fiktive Oma als „Umweltsau“ reißt nicht ab. Das Deutsche Kinderhilfswerk warf dem WDR, der das Lied mit seinem Kinderchor produziert und im Internet ein Video dazu veröffentlicht hatte, eine überzogene Reaktion auf die Kritik daran vor. „Ich hätte mir vom WDR da mehr Rückgrat gewünscht“, sagte Pressesprecher Uwe Kamp. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki (FDP) indes sprach von einem Missbrauch des Chores, „um zu denunzieren und Umerziehung zu betreiben“.

Die satirische Umdichtung des Kinderlieds „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ durch den Radiosender WDR 2 hatte am Wochenende zu scharfen öffentlichen Auseinandersetzungen geführt. In dem Lied sang ein Kinderchor über eine fiktive Oma, die unter anderem mit dem SUV zum Arzt fährt, Kreuzfahrten macht und sich täglich billiges Discounterfleisch brät. Das Video hatte der Sender bei Facebook veröffentlicht, später dort aber wieder gelöscht. Intendant Tom Buhrow entschuldigte sich und räumte einen Fehler ein.

Leiter des Kinderchores von Reaktionen überrascht

Der Leiter des WDR-Kinderchores Dortmund, Zeljo Davutovic, wurde nach eigener Aussage vom Wirbel um das Satirelied völlig überrascht. „Ich habe geglaubt, dass das Lied in der WDR-Satirerecke bleiben und auch in diesem Kontext diskutiert werden würde“, erklärte Davutovic in einem am Sonntagabend bei „sueddeutsche.de“ veröffentlichten Interview. Auch einige kritische Kommentare habe er erwartet, das Ausmaß der Auseinandersetzung aber nicht im Ansatz.

„Nachdem ich den parodierten Text gelesen hatte, war für mich ohne jeden Zweifel, dass mit der Textfigur ‚Oma‘ wir alle gemeint sind“, schilderte der Chorleiter: „Selbst die Jüngeren werden in einigen Jahren oder Jahrzehnten Großeltern sein und sich von Nachfolgegenerationen Fragen gefallen lassen müssen, die unbequemer sind.“ Der Text bringe die jüngere Generation genauso zum Nachdenken.

Vielleicht sei es zu kompliziert, ein „um die Ecke denken“ von allen zu erwarten. „Ich kann mich an dieser Stelle auch nur bei allen entschuldigen, die den Text nicht als Satire anerkennen möchten. Eine Beleidigung ist weder von mir noch von den Kindern mit diesem Lied beabsichtigt“, erläuterte Davutovic in dem per E-Mail geführten Interview.

Kinderhilfswerk-Sprecher verweist auf Satire

Kinderhilfswerk-Sprecher Kamp sagte dem Internetportal „watson.de“: „Das war ein satirischer Text, und Satire darf vieles. Der Text war nicht so unter der Gürtellinie, dass man das Video hätte vom Netz nehmen müssen.“ Auch der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch, sieht das ähnlich: „Es gibt mal gute und mal schlechte Witze und Satire. Ich würde einfach davor warnen, solche Aktionen überzuinterpretieren. Das ist blöd gelaufen“, sagte Resch der „Passauer Neuen Presse“. Derzeit werde versucht, die Kinder und Jugendlichen von Fridays for Future zu diskreditieren. „Dieser Versuch wird aber scheitern. Die Kids haben mit ihrer Forderung nach einem Ende des Laberns und sofort wirksamen Maßnahmen einfach recht“, sagte Resch.

Der FDP-Politiker Kubicki sagte der „Bild“-Zeitung (Montag): „Dass ein Kinderchor missbraucht wird, um zu denunzieren und Umerziehung zu betreiben, spricht gegen die Fernsehmacher und erinnert fatal an die untergegangene DDR.“ Chorleiter Davutovic indes hatte bereits am Wochenende erläutert, dass Kinder und Eltern freiwillig entschieden hätten, an dem Projekt teilzunehmen.

„Manche Familien haben sich sogar mit ihren Großeltern beraten“, berichtete der Chorleiter „sueddeutsche.de“: „Einige Familien haben sich entschieden, dabei nicht mitzuwirken.“

Satirelied war auch Anlass für Demonstration vor dem WDR

Das Satirelied war am Sonntag Anlass für eine Demonstration mit dem Titel „Unsere Oma ist keine Umweltsau“ in der Nähe des WDR-Funkhauses in Köln. Am Appellhofplatz sei es dabei zu verbalen Provokationen zwischen mutmaßlichen Rechtsextremen und Gegendemonstranten gekommen, erklärte die Polizei.

RND/epd/hsc