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Eine Fußgruppe zieht 2016 beim nachgeholten Rosenmontagszug in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) durch die Straßen. (Symbolbild)

Nach Kritik an Karnevals-Verein: Anwalt aus rechter Szene tritt aus

Einstimmig nahm ein Düsseldorfer Karnevalsverein laut einem Bericht 2017 einen bekannten Anwalt aus der rechtsextremen Szene auf. Politik sei im Karneval außen vor, rechtfertigte ein Vorstandsmitglied die Entscheidung. Nun sieht sich der Karnevalsverein Kritik ausgesetzt, und der Mann zieht Konsequenzen.

Düsseldorf. Der Anwalt Björn Clemens, der der rechtsextremen Szene nahesteht, tritt aus dem Düsseldorfer Karnevalsverein „Narrencollegium“ aus. Wie der Verein am Dienstag mitteilte, kommt Clemens damit einer Entscheidung des Vorstandes zuvor und folgt dem Rat des Präsidenten Dennis Vobis.

Zuvor hatte die in Düsseldorf erscheinende „Rheinische Post“ über die Mitgliedschaft Clemens‘ im „Narrencollegium“ berichtet. 2019 sei der Jurist im Rosenmontagszug auf einem Wagen des Vereins mitgefahren. Das Bekanntwerden der Mitgliedschaft Clemens‘ hatte scharfe Kritik unter anderen von Religionsvertretern, aber auch bei der Dachorganisation Comitee Düsseldorfer Carneval (CC) hervorgerufen.

Clemens ist laut „Rheinischer Post“ Vorstandsmitglied der vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuften Gesellschaft für freie Publizistik (GfP). Zudem sei er Bundesvize der Partei „Die Republikaner“ gewesen. Als Anwalt vertritt er derzeit einen der beiden Tatverdächtigen im Mordfall Lübcke, Markus H.

Die Beurteilung des „Narrencollegium“-Vorstandes, Clemens habe sich an alle Regeln des Vereins gehalten, bleibe bestehen, erklärte der Karnevalsverein. Clemens habe auf keiner Veranstaltung des „Narrencollegiums“ je über Politik gesprochen, weder in kleineren Runden noch auf der Bühne. „Von dem Gedankengut, dass Björn Clemens allerdings auf privaten Veranstaltungen und Kundgebungen hat verlauten lassen, distanzieren wir uns deutlich“, erklärte der Verein.

Clemens selbst hatte gesagt, er halte es für ungerechtfertigt, die GfP als rechtsextremistisch zu bezeichnen: „Ich weise alle Behauptungen als haltlos zurück.“

„Ich bin entsetzt und verspüre leichtes Gefühl von Ekel“

Der Brauchtumsmanager der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, Walter Schuhen, kritisierte Clemens‘ Mitgliedschaft im „Narrencollegium“: „Ich bin entsetzt und verspüre ein leichtes Gefühl von Ekel“, sagte Schuhen der Zeitung.

Der ehemalige katholische Stadtdechant Ulrich Hennes sei vor einem Jahr mit Clemens gemeinsam auf dem Rosenmontagswagen gefahren, er sei seit 2018 Ehrensenator des Karnevalsvereins, berichtet die „Rheinische Post“. Auf Anfrage der Zeitung teilte er mit, dass er sich nun überlegen werde, ob er Mitglied in einem Verein bleiben wolle, in dem auch Clemens sei.

RND/epd