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In Sachsen kam es zu einem fragwürdigen Vorfall zwischen einem Polizisten und einem Mann, der offensichtlich Adolf Hitler imitierte. Quelle: Monika Skolimowska/ZB/dpa/Twitter/SpekulatiusC/Montage RND

War es Volksverhetzung? Kripo prüft Verdacht gegen Hitler-Imitator

Ein Polizist, der einen Hitler-Imitator bei einem Biker-Treffen gefilmt hat, muss weiterhin mit Konsequenzen rechnen. Er soll sein Fehlverhalten jedoch eingesehen haben, teilt die Polizei mit. Der Staatsschutz prüft bei dem Imitator selbst den Verdacht der Volksverhetzung.

Augustusburg. Ein Polizist, der einen Hitler-Imitator bei einem Biker-Treffen gefilmt hat, muss weiterhin mit möglichen Konsequenzen rechnen. In einem „konstruktiven Gespräch“ mit der Leitung der Polizeidirektion Chemnitz am Montagnachmittag habe er sein Fehlverhalten eingesehen, sagte ein Sprecher der Polizei am Dienstag.

Dienstrechtliche Konsequenzen würden dennoch geprüft. Denn die Szenerie stelle durchaus eine Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung dar, so die Polizei. Der Beamte hätte demnach die Situation unterbinden müssen.

Ein Motorradfahrer war am Samstag mit einem als Adolf Hitler verkleideten Mitfahrer im Beiwagen auf der Augustusburg beim 49. Wintertreffen vorgefahren. Auf einem Video ist zu sehen, wie die Maschine unmittelbar neben einem Polizeifahrzeug rückwärts eingeparkt wird und der Polizist am Lenkrad des Autos die Aktion amüsiert mit dem Handy aufnimmt.

Es werde geprüft, ob der Auftritt des Hitler-Imitators strafrechtlich relevant ist, sagte der Polizeisprecher. Bei dem als Hitler-Abbild aufgetretenen Mann stehen der Verdacht des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen oder auch Volksverhetzung im Raum.

Laut Polizei prüft das Dezernat Staatsschutz der Chemnitzer Kriminalpolizei den Fall. Noch in dieser Woche soll der Fall an die Staatsanwaltschaft Chemnitz übergeben werden.

Die Polizei hatte noch Montag getwittert, dass das Verhalten des Kollegen nicht zu akzeptieren sei. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) bezeichnete den Vorgang als geschmacklos.

Der Bürgermeister von Augustusburg, Dirk Neubauer, äußerte sich entsetzt in einer Videobotschaft bei Youtube. „Traurig, dass ein Treffen, das so sehr für die Freude am Motorrad und der damit verbundenen Kultur steht, von Ewiggestrigen geentert wird. Und nein, wir wollen solche Bilder nicht. Wir wollen diese Leute, diesen Geist hier nicht. Ein Ort, der Gauführerschule und Schutzhaftlager für 120 NS-Gegner war, verdient diese Bilder nicht. Und diese Bilder gehören auf den Müllhaufen der Geschichte.“

Neubauer warnte jedoch davor, allein der Polizei Vorwürfe zu machen. „Dass hier ein Polizist beim Filmen lacht, ist sicher nicht glücklich. Dennoch aber sollten wir nicht vergessen: Die Verursacher sind die Täter, nicht umgedreht. Und wir alle, die wir dort waren. Wo war der Aufschrei? Nicht zu hören.“

Zum 49. Wintertreffen waren 1800 Motorradfahrer und rund 7500 Besucher auf das Schloss Augustusburg gekommen.

mit dpa

Von Thoralf Cleven/RND