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Der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein.

Antisemitismus-Beauftragter: Auschwitz verpflichtet dauerhaft

75 Jahre nach der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz wird in vielen Veranstaltungen an die deutschen Gräueltaten und die Millionen Ermordeten erinnert. Der Antisemitismus-Beauftragte Felix Klein betont, die Verpflichtung genau dies zu tun, höre nie auf. Zugleich zeigt eine Umfrage, wie die Deutschen den Umgang mit dem Thema beurteilen.

Berlin. Der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, hat angesichts des 75. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz die fortdauernde historische Verantwortung Deutschlands betont. „Auschwitz ist die Verpflichtung jeder Bundesregierung, aber auch der Zivilgesellschaft, an die nationalsozialistischen Verbrechen zu erinnern“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Diese Verpflichtung hört nie auf. Daran müssen wir arbeiten, auch abseits von Gedenktagen, im Alltag.“ Klein fügte hinzu: „Wenn wir Ausgrenzung, wenn wir Benachteiligung wahrnehmen, dann müssen wir die Erinnerung an Auschwitz vor Augen haben, um handlungsleitend das zu tun, was richtig ist – nämlich wachsam zu sein, Antisemitismus, Rassismus und jede Form von Menschenfeindlichkeit abzulehnen und zu bekämpfen.“

Gleichzeitig zeigt eine Umfrage: Mehr als jeder Fünfte in Deutschland findet, der Holocaust spiele in der deutschen Erinnerungskultur eine zu große Rolle. In einer repräsentativen Befragung des Meinungsforschungsinstituts YouGov für die Deutsche Presse-Agentur stimmten 22 Prozent der Aussage zu, das Holocaust-Gedenken nehme im Vergleich zu anderen Themen zu viel Raum ein. Auf der anderen Seite sind allerdings auch 24 Prozent der Meinung, das Gedenken sollte noch ausgebaut werden. 45 Prozent vertreten die Ansicht, so, wie es gehandhabt wird, ist es genau richtig.

Das Verhältnis der AfD zur Geschichte

Bei den AfD-Wählern ist der Anteil derjenigen, die ein Zuviel an Gedenken und Erinnerung sehen, besonders groß. Mehr als jeder Zweite (56 Prozent) ist dieser Meinung. Die meisten Anhänger der anderen im Bundestag vertretenen Parteien stimmen der Aussage zu, dass Gedenken beziehungsweise das Erinnern an den Holocaust sei in Deutschland genau richtig.

Der damalige AfD-Chef Alexander Gauland hatte im Juni 2018 mit einer Äußerung zur Nazi-Zeit für Empörung gesorgt: „Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte“, sagte er. Später bezeichnete Gauland seine Äußerung als „missdeutbar und damit politisch unklug“.

Der Präsident des Zentralrates der Juden, Josef Schuster, hatte vor wenigen Tagen gewarnt, immer mehr Menschen wollten einen Schlussstrich ziehen, um in ihrer Komfortzone zu bleiben. Um die Erinnerung wach zu halten, seien Bildung und Erziehung unverzichtbar. Nur so könne die „monströse Aufgabe“ gelingen, jungen Menschen das Geschehene – den nationalsozialistischen Völkermord an Millionen Menschen – zu vermitteln.

75 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz durch die Rote Armee gibt es immer weniger direkt Betroffene, die über die Geschehnisse berichten können. 67 Prozent der Deutschen glauben der YouGov-Umfrage zufolge, dass die Erinnerung an den Holocaust und die Verbrechen des Zweiten Weltkrieges stärker in Vergessenheit geraten werden, wenn die Generation der Zeitzeugen nicht mehr leben wird. 24 Prozent sind nicht dieser Ansicht.

Woher haben die Menschen ihr Wissen?

Ihr Wissen über den Holocaust – also den Völkermord an Millionen europäischen Juden – haben die meisten Menschen aus Filmen, Büchern und anderen Medien (43 Prozent). 37 Prozent nennen die Schule als Hauptwissensquelle, 9 Prozent die Familie und den Bekanntenkreis. Mehr als jeder zweite Befragte (55 Prozent) hat nach eigenen Angaben schon mit älteren Familienmitgliedern über deren Erinnerungen an die Zeit während des Zweiten Weltkrieges gesprochen.

Am Montag, dem 27. Januar, jährt sich zum 75. Mal die Befreiung des deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz im von Hitler-Deutschland besetzten Polen durch die Rote Armee. Allein dort brachten die Nationalsozialisten mehr als eine Million Menschen um. Der Holocaust kostete insgesamt rund sechs Millionen Juden das Leben. Sie wurden von den Deutschen erschossen und in Gaskammern ermordet oder starben an den Folgen von Hunger, Krankheit und Erschöpfung.

RND/mdc/dpa