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Markus Söder (CSU), Parteivorsitzender und Ministerpräsident von Bayern. Quelle: Peter Kneffel/dpa

Die große K-Frage: Welches Spiel spielt Markus Söder?

CSU-Chef Markus Söder will den Unions-Kanzlerkandidaten erst Ende des Jahres bestimmen. Der müsse sich klar von der AfD abgrenzen und dürfe kein “Programm von gestern” vertreten – eine Spitze gegen Friedrich Merz? Eine Furcht treibt Söder besonders an.

Berlin. Seine Panik versteckt Markus Söder in einem seiner letzten Sätze. Das CSU-Präsidium kommt in München zusammen, auf der Tagesordnung stehen die offenen Führungsfragen der Union. Der CSU-Chef mahnt seine Parteikollegen drinnen zur Zurückhaltung. Draußen vor den Mikrofonen sagt er davor, die CSU werde auf jeden Fall den Kanzlerkandidaten der Union mitbestimmen.

Eine Viertelstunde nimmt er sich Zeit für diese Positionierung, er drängt, erklärt und mahnt. Und es dauert einige Fragen, bis er zur Begründung kommt – und die hat es in sich. “Es wird nicht nur um Schwarz-Grün gehen, sondern um Schwarz oder Grün”, sagt Söder. Es gehe um die Frage: “Wer ist die Nummer 1? Wer stellt den Kanzler?”

Cool und sexy

So offen hat in der Union selten einer die Befürchtung formuliert, dass die Grünen die eigene Partei nicht nur bedrängen, sondern sogar überflügeln könnten. Baden-Württemberg mit seinem grün-schwarzen Bündnis unter Ministerpräsident Winfried Kretschmann würde dann vom Sonderfall zur Normalität.

Söder sagt, die Union müsse Faszination ausüben. In einem FAZ-Interview hat er formuliert, man müsse “cool und sexy statt altbacken und müde” wirken. In der ARD-Talkshow “Anne Will” sagt er, die Union müsse “Lebensfreude und Optimismus” ausstrahlen. “Man braucht nicht das Triste, das Negative, das Maulende, das Kaputtmachende.” Er sieht das als Abgrenzung zur AfD. Es ist gleichzeitig eine Distanzierung von der eigenen Giftigkeit im Unions-Flüchtlingsstreit.

Das hat auch diesen Grund: Den Erfolg der Grünen führen sie in der Union auch auf die positive Ausstrahlung von deren Vorsitzenden zurück, auch bei der bayerischen Landtagswahl verbreiteten die Grünen-Kandidaten Frohsinn – trotz Klimakrise.

Entscheidung am Rosenmontag

Söder ist gut unterwegs, um seine Botschaft zu verbreiten. Die CDU hat ja auch die politische Bühne frei gemacht, die möglichen Kandidaten drängen sich vor allem hinter dem Vorhang. Mehrere führende CDU-Leute haben sie zur Zurückhaltung gemahnt.

Am Dienstag will die scheidende CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer erstmal mit Unions-Fraktionschef Friedrich Merz sprechen. Auch Gesundheitsminister Jens Spahn und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet bekommen wohl einen Termin.

Das weitere Vorgehen soll das CDU-Präsidium am kommenden Rosenmontag beschließen, dem Tag nach der Hamburg-Wahl.

Söder bremst. Die CDU könne natürlich über ihren Parteivorsitzenden bestimmen, aber eben nicht über den Kanzlerkandidaten. “Sollte ein Plan ohne die CDU versucht werden, wird es konzeptionell schwierig”, sagt er. Selten hat Söder eine Drohung so diplomatisch formuliert.

Er drängt auf eine gemeinsame Präsidiumssitzung von CDU und CSU.

Kein Tricksen, kein Stolpern

Zu der gehört ein Zeitplan. Die Union soll sich nach Söders Vorstellungen darauf verständigen, den Kanzlerkandidaten erst Ende des Jahres zu bestimmen. Oder gar Anfang 2021. Man müsse schließlich “den Spannungsbogen halten”, bis zur Bundestagswahl im Herbst 2021. Eine frühere Wahl lehnt er ab: “Es wäre nicht gut, aus taktischen Erwägungen die Regierungszeit der Bundeskanzlerin zu verkürzen.” Angela Merkel sei die “mit Abstand angesehenste Politikerin” in Deutschland. “Es wäre ein Fehler, da zu tricksen.” Und außerdem sollte man ohnehin nicht “in eine Wahl stolpern”.

Dem Kanzlerkandidat empfiehlt Söder ein Zukunftsprogramm, “kein Programm von gestern”. Und er müsse sich von der AfD abgrenzen. Da dürfe es “kein Wackeln, kein Zaudern, kein Zögern” geben. “Wir können nur jemanden zum Kandidaten machen, der klar den Trennstrich zieht.”

Was ein Parteivorsitzender wissen muss

Es klingt zumindest nicht, als empfehle Söder da Friedrich Merz, den Kandidaten, der sein Renommee zu einem guten Teil aus seiner Politikzeit vor 20 Jahren zieht, als Merkel-inkompatibel gilt und als Förderprogramm für die Grünen. Söder sagt, er halte alle Kandidaten für gut.

Aber es gehe nun erst einmal um den CDU-Vorsitz – ohne weitere Automatismen. “Wer führt, muss sich darüber klar sein, dass am Ende ein anderer Kanzlerkandidat werden könnte”, sagt er. “Vielleicht lichtet das schon das Kandidatenfeld.” Für Söder bliebe Zeit, sich die Kanzlerkandidatur doch nochmal zu überlegen.

Von Daniela Vates/RND