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Eine Hand hält eine Zigarette. Quelle: Jens Kalaene/zb/dpa

Kampf gegen das Rauchen: Deutschland im Länder-Ranking ganz hinten

Deutschland ist das einzige EU-Land, das noch uneingeschränkt Außenwerbung für Tabakprodukte erlaubt. Das ist einer der Gründe dafür, warum Deutschland im Länder-Vergleich auf dem letzten Platz liegt. Das Aktionsbündnis Nichtrauchen fordert Konsequenzen.

Bonn. Deutschland tut nach Erkenntnissen des Aktionsbündnisses Nichtrauchen zu wenig zur Eindämmung des Tabakkonsums. Auf der „Europäischen Tabakkontrollskala 2019“ belege die Bundesrepublik unter 36 untersuchten Ländern den letzten Platz, teilte die Stiftung Deutsche Krebshilfe am Donnerstag in Bonn im Namen des Aktionsbündnisses mit. „Der letzte Platz ist ein Armutszeugnis für uns“, sagte die Vorsitzende des Aktionsbündnisses, Martina Pötschke-Langer, bei der Vorstellung der „Tabakkontrollskala“ anlässlich der European Conference on Tobacco or Health. Die Konferenz findet in diesem Jahr parallel zum Deutschen Krebskongress in Berlin statt.

Steuererhöhungen und Werbeverbot gefordert

Der schlechte Platzierung sei das „Resultat jahrelanger politischer Untätigkeit“, kritisierte Pötschke-Langer. Das Aktionsbündnis fordert unter anderem eine Vereinheitlichung des Nichtraucherschutzes in allen öffentlichen Räumen und Arbeitsstätten sowie Steuererhöhungen auf herkömmliche Tabakprodukte, Tabakerhitzer und E-Zigaretten. Überdies dringt das Bündnis auf ein umfassendes Werbeverbot für Tabakprodukte und E-Zigaretten.

„Deutschland ist das einzige Land in der EU, das immer noch uneingeschränkt Außenwerbung für Tabakprodukte erlaubt“, kritisierte Pötschke-Langer. Die CDU/CSU-Fraktion im Bundestag habe zwar Ende 2019 nach jahrelanger Blockade ein Eckpunktepapier verabschiedet, das eine Ausweitung der Werbeverbote für Tabakprodukte und E-Zigaretten vorsieht. Einen entsprechenden mit dem Koalitionspartner abgestimmten Gesetzentwurf gebe es jedoch immer noch nicht, hieß es. Das Aktionsbündnis fordert nun eine schnelle Einbringung und parlamentarische Beratung sowie kürzere Übergangsfristen und weniger Ausnahmen als im Gesetzentwurf der Union vorgesehen.

Konsum von E-Zigaretten gestiegen

Laut der Deutschen Krebshilfe konsumieren derzeit immer noch fast ein Viertel der Erwachsenen und sieben Prozent der Minderjährigen Tabakprodukte. Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist zudem der E-Zigarettenkonsum in den letzten Jahren stark gestiegen. Pro Jahr sterben in Deutschland den Angaben zufolge etwa 121.000 Menschen an Erkrankungen, die durch das Rauchen verursacht werden. Dazu zählen insbesondere Lungen- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie zahlreiche Krebsarten. Rund ein Drittel aller Krebserkrankungen gehen auf das Konto von Tabakrauch.

Die Krebshilfe, die eine von 15 Organisationen in dem Aktionsbündnis ist, engagiert sich seit Jahren im Kampf gegen das Rauchen. „Die Politik muss die Voraussetzungen für einen gesunden Lebensstil schaffen. Nur dann können wir unsere Vision von einem rauchfreien Deutschland bis 2040 erreichen“, sagte Ulrike Helbig von der Deutschen Krebshilfe.

epd/RND