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Armin Laschet (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, schaut in eine aufgeschlagene Zeitung mit den Fotos von Annegret Kramp-Karrenbauer und Friedrich Merz. Quelle: Thomas Reisener/dpa

Pressestimmen zum CDU-Machtkampf: “Die Fronten sind klar”

Das Dreier-Rennen um den Vorsitz der CDU beschäftigt nahezu alle deutschen Medien. Viele waren überrascht vom Coup Armin Laschets, Jens Spahn in seine Kandidatur einzubinden. Alle erkennen, dass der CDU eine echte Richtungsentscheidung bevorsteht – die Presseschau.

Berlin. Die krisengeschüttelte CDU bestimmt ihren neuen Vorsitzenden auf einem Sonderparteitag am 25. April. Am Dienstag hatten Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet ihre konkurrierenden Kandidaturen bekanntgemacht.

Laschet, der eher dem liberalen Flügel der CDU zugerechnet wird, hat sich dabei die Unterstützung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn gesichert, der eher als konservativ gilt und bei einer Wahl Laschets Parteivize werden soll.

Schon vergangene Woche hatte der frühere Bundesumweltminister Norbert Röttgen seine Kandidatur angekündigt. Und das meint die Presse dazu:

“Könnte Norbert Röttgen am Ende der lachende Dritte sein?”, fragt die “Stuttgarter Zeitung”. “Auszuschließen ist das nicht, weil die 1001 CDU-Delegierten am 25. April in geheimer Wahl den neuen Parteivorsitzenden bestimmen. Stand jetzt aber läuft es auf ein Duell zwischen Friedrich Merz und Armin Laschet hinaus, für den sich nun auch Jens Spahn mit seinem bemerkenswert selbstlosen Verzicht in die Bresche wirft. Ihre Auftritte am Dienstag zeigen vor allem eines: Der CDU, die turbulente Wochen hinter und existenzielle Herausforderungen vor sich hat, steht eine Richtungsentscheidung ins Haus: Setzt sich ein eher integrativer oder ein mehr konfrontativer Ansatz durch?”

Die “Neue Osnabrücker Zeitung” meint: “Das Rennen um den Parteivorsitz wird für die CDU zu einer Richtungsentscheidung. Nach der jahrelangen Kritik an Angela Merkels pragmatischem Politikstil ist das nur konsequent. Der mächtige NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sind Merkel inhaltlich näher als Friedrich Merz. Laschet schätzt das Risiko, die in Merkels Ära neu gewonnenen Wähler aus dem sozialdemokratischen und grünen Milieu wieder zu verlieren, größer ein als die Chance, AfD-Wähler in großer Zahl zurückzugewinnen. Friedrich Merz würde die CDU ein Stück nach rechts rücken. Er steht für klare Kante, klare Ansagen, mehr Ein-Mann-Show als Team. Und Norbert Röttgen wird es schwer haben, zwischen diesen beiden Richtungen Profil zu zeigen.”

Auch die “Süddeutsche Zeitung” sieht klare Fronten: “Die Fronten sind klar, zumal da Merz mit einer Attitüde auftritt, die an jene Unternehmensberater erinnert, welche die Firma notfalls zerschlagen wollen, um sie zu retten. Zu dieser Art passen schmallippige Sätze wie “Ich spiele hier auf Sieg”, die man sonst von Fußballtrainern oder Dieter-Bohlen-Männern hört. Friedrich Merz jedenfalls ist der Kandidat derer, die schon immer gesagt haben, dass es so nicht weitergehen kann. Merz selbst glaubt das, seitdem ihn 2002 Angela Merkel vom Fraktionsvorsitz verdrängt hat. Armin Laschet ist anders. Er ist nicht der Typ des angejahrten Business-Punk, sondern eher der gewitzte Onkel. Am Dienstag gelang es ihm mit Jens Spahn, eine Teamlösung zu präsentieren, die sich vom Lonely-Wolf-Auftritt Merz’ deutlich unterschied.”

Die “Badische Zeitung” sieht noch viele offene Fragen. “Stand jetzt (…) läuft es auf ein Duell zwischen Friedrich Merz und Armin Laschet hinaus. Damit steht der CDU eine Richtungsentscheidung ins Haus. Setzt sich ein eher integrativer oder ein mehr konfrontativer Ansatz durch? Will die Partei stärker ‘grüne’ Themen aufgreifen und die Abwanderung von Wählern zur Umweltpartei umkehren? Oder adressiert sie deutlicher das, was zum Unmut auf der konservativ-liberalen Seite und dem Aufstieg der AfD geführt hat, um deren Wähler wieder an eine eindeutig demokratische Kraft zu binden? (…) Von Stil und Inhalt könnten die Kandidaten kaum unterschiedlicher sein. Es wird ein Duell der Denkschulen.”

Der Bremer “Weser-Kurier” lobt den Coup Laschets: „Dass Armin Laschet und Jens Spahn jetzt als Team auftreten, ist ein Coup. Die beiden sind nicht nur bestens in ihrer Partei verdrahtet. Sie ergänzen sich auch mit ihren Profilen. Der rheinisch-katholische Laschet steht für den integrativen Anspruch einer Volkspartei, Spahn eher für Reformorientierung und konservativen Gestaltungswillen. Gemeinsam deckt das Duo sehr viel dessen ab, was die Identität der CDU ausmacht.“

“Die Welt” sieht die Gefahr einer Spaltung in der CDU: “Es wäre aus Sicht der Unionsparteien gut, die Konkurrenten würden sich nicht zu sehr entzweien. Bereits die zweite Umfrage dieses Monats sieht auf Bundesebene eine grün-rot-rote Mehrheit. Je lauter die Union sich fetzt – und der Richtungskampf wird noch sehr laut werden –, desto eher sind Wähler bereit, dann eben mal etwas ganz anderes auszuprobieren. Ein in Aussicht stehender Lagerwahlkampf gegen eine tendenziell linke Gruppierung begünstigt wiederum Merz. Man kann in einem solchen Fall damit rechnen, dass etliche AfD-Anhänger die Merz-CDU wählen, um einen Kanzler Robert Habeck zu verhindern. Laschet würde derzeit lieber die Entstehung eines grün-rot-roten Lagers im Ansatz hintertreiben, indem er die CDU von vornherein auch für eine schwarz-grüne Option bereithält.”

Die “Schwäbische Zeitung” meint, dass Merz einen Dämpfer ahnt: “Der von Friedrich Merz als großer Startschuss der Kampagne geplante Auftritt vor der Bundespressekonferenz war ein laues Lüftchen, hatte doch eineinhalb Stunden zuvor an gleicher Stelle das neue Duo Laschet/Spahn überraschend die Teamlösung gegen die Spaltung der Partei propagiert – und so für großmöglichste Aufmerksamkeit gesorgt. Damit stellt sich für die Delegierten auf dem Sonderparteitag Ende April die Frage: Wer soll denn nun die CDU retten? Denn es stimmt ja, was Merz von sich und seinen Rivalen – Norbert Röttgen erwähnte er nicht – sagt: Sie verkörpern unterschiedliche Richtungen in einer Volkspartei, die von der politischen Mitte wie von Rechtsaußen gleichermaßen in die Zange genommen wird. Merz ahnt, dass seine Erfolgsaussichten einen herben Dämpfer erhalten haben.”

Die “Frankfurter Allgemeine Zeitung” erinnert ans erste Scheitern von Friedrich Merz: “Der Verzicht Jens Spahns auf das höchste Parteiamt zugunsten von Armin Laschet sollte nicht als Verzicht für alle Zeiten fehlgedeutet werden. Er kann warten. Das unterscheidet Spahn von Friedrich Merz und Norbert Röttgen (…) Für beide ist es die letzte Chance, ganz nach oben zu kommen (…) Spahn zieht nur die Konsequenzen daraus, dass er gegen drei Kandidaten keine Aussicht auf Erfolg, an der Seite des stärksten Kandidaten aber die beste Zukunft hat (…) Beide begründeten ihr Bündnis mit den Stichworten Zusammenhalt, Volkspartei, Integration. Merz dagegen setzt auf die Botschaft, die CDU müsse eine Richtungsentscheidung ausfechten. Kommt das auf dem Sonderparteitag am 25. April gut an, zumal er damit schon einmal gescheitert ist? Dem Entweder-Oder ein Sowohl-Als-Auch entgegenzusetzen, auch das spricht für Laschet (…)”