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Mike Pence (r), Vizepräsident der USA, spricht auf einer Pressekonferenz über die Entwicklung des Coronavirus, in Anwesenheit von Donald Trump, Präsident der USA. Quelle: Michael Brochstein/ZUMA Wire/dpa

Corona: Trump warnt vor Panik und macht Pence zum Virus-Beauftragten

US-Experten bereiten die Amerikaner auf weitere Infektionen vor. Amerika sei «sehr, sehr vorbereitet» auf jedes Szenario eines Ausbruchs, versichert Präsident Donald Trump. des neuen Coronavirus, versichert der US-Präsident. Er beauftragte Vizepräsidenten Mike Pence mit der Koordinierung der Maßnahmen gegen das Virus.

Washington. US-Präsident Donald Trump sieht sein Land gegen den Ausbruch des neuartigen Coronavirus gut gewappnet. Amerika sei „sehr, sehr vorbereitet“ – was auch immer die Lungenkrankheit Covid-19 bringen möge, versicherte Trump am Mittwoch in Washington (Ortszeit). In den USA sei eine Ausbreitung nicht unvermeidlich, es gebe keinen Grund zur Panik.

Bei der Pressekonferenz im Weißen Haus wurde Trump allerdings von einer Expertin vom Seuchenschutzzentrum CDC flankiert, die die US-Bürger vor weiteren Infektionsfällen warnte.

Und kurz nach Trumps Auftritt gab die Behörde zudem beunruhigende Neuigkeiten bekannt: Eine infizierte Person in Kalifornien sei offenbar weder im Ausland gewesen noch habe sie Kontakt zu anderen Patienten gehabt.

Falls das CDC bestätigt, dass diese beiden Risikofaktoren für eine Ansteckung mit dem Sars-CoV-2 genannten Erreger bei diesem Fall nicht vorliegen, wäre das ein in den USA noch unbekanntes Phänomen.

Weltweit gibt es mittlerweile mehr als 81 000 Virusfälle. Die Krankheit Covid-19 geht mit Fieber, Husten und im Ernstfall mit Kurzatmigkeit oder einer Lungenentzündung einher und trat im Dezember erstmals in der zentralchinesischen Stadt Wuhan auf.

Mit dem jüngsten Fall in Kalifornien liegt die Zahl der Virusfälle in den USA bei aktuell 60 – die meisten Betroffenen sind Amerikaner, die aus Ausbruchsgebieten in China und Japan ausgeflogen wurden.

Die bislang geringe Fallzahl führte Trump auf Einreisebeschränkungen für Ausländer zurück, die sich zuletzt in China aufgehalten haben. Doch inzwischen melden Länder auf der ganzen Welt – von Südkorea und Japan bis Italien und zum Iran – steigende Coronavirusfälle.

Auf die Frage, ob es an der Zeit für eine Aufhebung der Reisebeschränkung für China oder eher eine Ausweitung der Maßnahmen für Reisende aus anderen Weltregionen geboten wäre, antwortete der Präsident: “Zur richtigen Zeit machen wir das vielleicht. Jetzt ist nicht die Zeit.”

Die Sorge vor einer Ausbreitung von Covid-19 hat diese Woche an den Aktienmärkten für massive Verluste gesorgt. In der US-Regierung macht sich auch die Sorge breit, dass der Ausbruch die Wiederwahlchancen von Trump schmälern könnte.

Hintergrund ist die wachsende Kritik an seiner Präventionsstrategie. Erst am Dienstag hatte Trump bei einem Staatsbesuch in Indien erklärt, das Virus sei in seinem Land völlig unter Kontrolle. Dies brachte ihm den Vorwurf aus den Reihen der Demokraten ein, die Krise einfach kleinzureden.

In einer Reaktion gab Trump nun bekannt, seinen Vizepräsidenten Mike Pence mit der Koordinierung der Maßnahmen gegen das Virus beauftragt zu haben. „Das wird enden“, ergänzte er mit Blick auf den Ausbruch. CDC-Vizedirektorin Anne Schuchat erklärte auf der Pressekonferenz im Weißen Haus: „Wir erwarten weitere Fälle“.

Schulen, Unternehmen und Einzelpersonen müssten sich entsprechend rüsten. Da es noch kein Impfmittel gegen das neue Coronavirus gebe, rate sie fürs erste zu “bewährten und echten, aber nicht sehr aufregenden” Vorkehrungen: Hände waschen, beim Husten wegdrehen und bei Krankheit zu Hause bleiben.

Erst am Dienstag hatte die Medizinerin Nancy Messonnier, Direktorin des nationalen Zentrums für Immunisierung und Atemwegskrankheiten, dieselben Maßnahmen wie bei der Grippe-Pandemie 2009 empfohlen. Dazu gehöre die Schließung von Schulen. Die Frage sei nicht, ob sich das Virus in den USA ausbreite, sondern eher, wann genau dies geschehen werde – „und wie viele Menschen in diesem Land schwer erkranken werden“, warnte Messonnier.

Der renommierte Immunologe Anthony Fauci sagte, bis ein Impfmittel in großem Stil einsatzbereit sei, könne es ein Jahr oder länger dauern. Selbst wenn das Virus bald eingedämmt sein sollte, sei es „ziemlich vorstellbar“, dass es „zurückkommt und sich nächstes Jahr recycelt“, fügte er hinzu. Bis dahin „haben wir hoffentlich ein Impfmittel“.

Die US-Gesundheitsbehörden haben einen mit 105 Millionen Dollar gefüllten Notfalltopf für Maßnahmen gegen das Virus ausgeschöpft und benötigen weitere Gelder. In dieser Woche beantragte Trump zu diesem Zweck 2,5 Milliarden Dollar beim Kongress. Doch der Minderheitsführer der Demokraten im Senat, Chuck Schumer, hielt die Summe nicht für ausreichend und konterte mit einem Budgetvorschlag von 8,5 Milliarden Dollar.

Vor Reportern zeigte sich der US-Präsident offen für den Vorstoß. Man werde ausgeben, “was auch immer angemessen” sei.

RND/cle/AP