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US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus in Washington. Quelle: imago images/UPI Photo

Vom Leugnen bis zum Horrorszenario: Donald Trumps Aussagen in der Corona-Krise

US-Präsident Donald Trump hat die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf sein Land lange kleingeredet. Doch nun die Kehrtwende: Denn möglicherweise könnten in den Vereinigten Staaten 100.000 Menschen an der Krankheit sterben. Trumps Aussagen in der Corona-Krise.

Berlin. Lange hat US-Präsident Donald Trump die Gefahr der Corona-Pandemie für sein Land geleugnet. Er sprach von einem “chinesischen Virus” und spielte die drastischen Folgen der Krise herunter. Am Sonntag dann die Kehrtwende: Möglicherweise könnten in den Vereinigten Staaten 100.000 Menschen an Sars-CoV-2 sterben. Ein Überblick über den verbalen Zick-Zack-Kurs Trumps und seine markantesten Aussagen.

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15. Januar: Erster Corona-Infizierter in den USA

Ein Mann, der am 15. Januar nach einer Reise aus der chinesischen Stadt Wuhan nach Seattle in die amerikanische Westküstenmetropole zurückkehrt, trägt das Coronavirus in sich. Wenige Tage später wird er positiv getestet – der erste bestätigte Fall in den USA. Es bestehe aber nur ein sehr geringes Risiko, dass er weitere Menschen angesteckt haben könnte, hieß es damals aus offiziellen Kreisen.

22. Januar: “Wir haben es völlig unter Kontrolle”

In einem Interview mit dem TV-Sender CNBC sagt Präsident Trump über das Coronavirus: “Wir haben es völlig unter Kontrolle. Es ist eine Person, die aus China kommt. Es wird alles gut werden.”

10. Februar: “Normalerweise verschwindet das Virus im April”

Auch ein paar Wochen später streitet Trump die Bedrohung durch das Virus weiterhin vehement ab. Er glaubt, wärmere Temperaturen würden dem Erreger schon den Garaus machen.

“Nun, das Virus, von dem wir sprechen – viele Leute denken, dass es im April mit der Hitze verschwindet, wenn die Hitze eintritt”, sagt Trump am 10. Februar im Weißen Haus. “Normalerweise verschwindet das Virus im April. Aber wir sind in guter Verfassung. Wir haben zwölf Fälle – elf Fälle, und viele von ihnen sind jetzt in guter Verfassung.”

26. Februar: Amerika ist “sehr, sehr vorbereitet”

In Washington versichert der US-Präsident am 26. Februar, Amerika sei “sehr, sehr vorbereitet” – was auch immer die neuartige Krankheit bringen möge. Eine Ausbreitung sei in den Vereinigten Staaten nicht unvermeidlich, daher gebe es keinen Grund zur Panik.

Im Rahmen derselben Pressekonferenz widerspricht eine Expertin vom Seuchenschutzzentrum CDC dem Präsidenten aber vehement. Sie warnt die US-Bürger vor weiteren Infektionsfällen.

5. März: “Es wird alles gut werden”

Trump wiederholt seine Worte vom 22. Januar und sieht das Coronavirus weiter gelassen. “Es wird alles gut werden. Jeder muss Ruhe bewahren. Wir haben einen Plan für jedes denkbare Szenario”, betont er in einem Interview mit dem US-Sender Fox News.

11. März: “Das Virus wird keine Chance gegen uns haben”

Der US-Präsident spricht von einem “ausländischen Virus”, das “aus China kommt und sich nun in der ganzen Welt verbreitet”. Zu diesem Zeitpunkt sind bereits deutlich mehr als 1000 Corona-Fälle in den USA bestätigt. Doch Trump bleibt bei seiner Linie: “Das Virus wird keine Chance gegen uns haben. Keine Nation ist besser vorbereitet und widerstandsfähiger als die der Vereinigten Staaten.”

Zum Schutz der US-Bevölkerung verkündet Trump an diesem Tag ein 30-tägiges Einreiseverbot für Personen, die sich in den vergangenen zwei Wochen in der Europäischen Union aufgehalten haben – ausgenommen sind davon zunächst Briten und Iren sowie amerikanische Staatsbürger und Personen mit unbefristetem Aufenthalt.

13. März: Trump ruft Notstand aus

Donald Trump ruft in den USA einen nationalen Notstand aus. Dadurch werden Bundesmittel in Höhe von bis zu 50 Milliarden Dollar zur Bekämpfung des Coronavirus freigesetzt. Grundrechte dürfen durch den nationalen Notstand aber nicht außer Kraft gesetzt werden.

16. März: “Ich habe immer gewusst, das ist eine Pandemie”

Pressekonferenz im Weißen Haus, plötzlich schlägt Trump neue Töne an. “Ich habe immer gewusst, das ist eine echte, das ist eine Pandemie”, sagt er. “Ich hatte das Gefühl, dass es eine Pandemie war, lange bevor es Pandemie genannt wurde. Man brauchte sich nur andere Länder anzusehen.” Er habe die Lage immer als sehr ernst angesehen.

24. März: “Land bis Ostern wieder öffnen”

Die inzwischen auch in den USA ergriffenen, drastischen Maßnahmen will Präsident Trump schnellstmöglich wieder lockern. “Ich würde es lieben, das Land bis Ostern wieder geöffnet und in den Startlöchern zu haben”, sagt Trump dem Sender Fox News. “Unser Land will zurück an die Arbeit.” Durch eine “massive Rezession oder Depression” würden mehr Leute sterben als durch das Coronavirus.

29. März: Möglicherweise 100.000 Corona-Tote in den USA

Nun malt Trump ein düsteres Bild für die Zukunft und bereitet sein Land auf dramatische Opferzahlen vor. Wenn es gelinge, die Todeszahl durch Eindämmungsmaßnahmen auf 100.000 zu begrenzen, “dann haben wir alle zusammen einen guten Job gemacht”, sagt der US-Präsident im Weißen Haus. “Das ist eine furchtbare Zahl.” Die Regeln zur sozialen Distanzierung werden um einen Monat bis Ende April ausgeweitet.

Außerdem sagt Trump: “Nichts wäre schlimmer, als den Sieg zu verkünden, bevor der Sieg eingefahren ist. Das wäre der größte Verlust von allem.” Und: “Wir werden diesen unsichtbaren Fluch, diesen unsichtbaren Feind besiegen.”

Von Tobias Dinkelborg/RND