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Eine Kundin mit Mundschutz verlässt einen Supermarkt in Wien. Quelle: Ronald Zak/AP/dpa

Corona: Einführung der Maskenpflicht in Österreich hat begonnen

Die österreichische Regierung hatte angekündigt, wegen der Corona-Krise eine Maskenpflicht beim Einkauf einzuführen. Ab heute sollen Kunden am Eingang von Supermärkten, Discountern und Drogerien einen Mund-Nasen-Schutz erhalten. Spätestens ab 6. April soll es dann Pflicht in allen großen Lebensmittelgeschäften sein.

Wien. In Österreich wird im Kampf gegen das Coronavirus Stück für Stück eine Maskenpflicht beim Einkaufen eingeführt. In zahlreichen Supermärkten, Discountern und Drogerien sollen die Kunden ab Mittwoch am Eingang einen Mund-Nasen-Schutz erhalten, der im Verkaufsraum getragen werden muss.

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Am Eingang vieler Supermärkte und Discounter standen am Mittwochmorgen bereits Sicherheitsleute oder Mitarbeiter der Filialen und teilten den Mund-Nasen-Schutz aus. Größere Probleme oder verärgerte Kunden waren dabei nicht zu beobachten, die meisten kamen gut informiert und teils mit eigenen Masken oder Abdeckungen für Mund und Nase zum Einkauf.

Offen ist allerdings, wie lange die ersten Vorräte an Masken ausreichen werden. „Von 7 bis 9 Uhr habe ich jetzt etwas mehr als 50 Masken verteilt. Allzu viele haben wir nicht. Und ich weiß nicht, wann wir wieder welche bekommen“, sagte etwa ein Mitarbeiter der Handelskette Spar, der in einer Wiener Filiale die Masken verteilte. Die Rewe Group hatte am Dienstag bereits angedeutet, dass wohl erst ab kommender Woche ausreichend Masken vorrätig sein dürften.

Spätestens ab 6. April gilt die Pflicht dann aber in sämtlichen Lebensmittelläden und Drogerien mit einer Verkaufsfläche von mehr als 400 Quadratmetern, was für die meisten Geschäfte zutrifft.

Auch selbstgenähte Masken dürfen getragen werden

Die österreichische Regierung will mit der Mundschutz-Pflicht die Weitergabe des Coronavirus eindämmen. Der Mundschutz soll dabei die Zahl der Tröpfchen, die beim Husten, Niesen oder Sprechen in die Verkaufsräume ausgestoßen wird, verringern – und so die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung senken. Auch selbstgenähte Masken oder andere Stoffe, die Mund und Nase verdecken, dürfen zum Einkaufen getragen werden.

„Es ist eine zusätzliche, verschärfte Maßnahme, um sicherzustellen, dass wir die Ausbreitung stärker noch reduzieren können“, sagte Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz am Montag. Er sei sich vollkommen bewusst, dass Masken „für unsere Kultur etwas Fremdes sind“. „Es wird eine große Umstellung sein.“ Er deutete aber bereits mehrfach an, dass Schutzmasken in der künftigen Anti-Corona-Strategie der österreichischen Regierung eine bedeutende Rolle spielen könnten – vor allem, wenn wieder mehr Geschäfte öffnen dürfen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezweifelt den Nutzen der allgemeinen Maskenpflicht. Es gebe keinerlei Anzeichen dafür, dass damit etwas gewonnen wäre, sagte der WHO-Nothilfedirektor Michael Ryan am Montag in Genf. Am Dienstag erklärte er zudem, dass in den meisten Teilen der Welt die Ansteckungen inzwischen eher im Wohnumfeld statt auf der Straße vorkommen. Ich glaube, dass sich die Leute sicherer fühlen und deshalb weniger Abstand halten“, vermutet ein Mann in Wien.

So will die österreichische Regierung die neue Maßnahme freilich nicht verstanden wissen. Der Aufruf, grundsätzlich genug Abstand zu anderen zu halten, gilt auch weiterhin. Die Handelsketten müssen für ihre Filialen daher künftig auch ein Limit festlegen, damit nicht zu viele Menschen gleichzeitig im Geschäft sind.

Österreich setzt 3500 außerordentliche Zivildienstleistende ein

Derweil helfen in Österreich ab Mittwoch 3500 außerordentliche Zivildienstleistende beim Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus. 2000 von ihnen seien ehemalige Zivildiener, die sich freiwillig gemeldet hätten, teilte das zuständige Ministerium in Wien mit. Bei den übrigen 1500 handele es sich um Aktive, deren Dienstzeit aufgrund der Pandemie verlängert wurde. Die Zivildienstleistenden sollen unter anderem bei der Versorgung und Betreuung älterer Menschen sowie bei Kranken- und Rettungstransporten helfen.

„Vor allem Pflegekräfte sollen sich auf ihre Kernaufgabe konzentrieren können, unsere Zivildiener leisten in der Struktur Unterstützung, bei Transporten, in der Organisation, der Logistik, überall dort, wo helfende Hände gebraucht werden“, sagte die zuständige Ministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) laut einer Mitteilung und bedankte sich bei den Zivildienstleistenden, „die sich in dieser schwierigen Lage unseres Landes noch einmal in den Dienst der Gesellschaft stellen“. „Es ist die Ruhe vor dem Sturm derzeit. Unsere Betreuungssysteme werden sehr schnell extrem beansprucht werden, da brauchen wir jede Unterstützung, die wir bekommen können.“

RND/dpa