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Menschen mit improvisierten Mundschutzmasken sitzen während der aufgrund der Corona-Krise verhängten Ausgangssperre vor ihrer Baracke in Dharavi, einem der größten Slums Asiens. In Indien herrscht eine dreiwöchige Ausgangssperre. Quelle: Rajanish Kakade/AP/dpa

Coronavirus: In Indien wächst die Sorge

Auf dem Subkontinent herrscht seit vergangenem Mittwoch eine dreiwöchige Ausgangssperre. Die trifft Millionen Menschen, die nun ohne Arbeit und Essen sind. Es gibt zwar ein Hilfsprogramm, aber das erreicht viele Menschen nicht.

“Dies mag eine gute Entscheidung für die Reichen gewesen sein, aber nicht für uns, die wir kein Geld haben”, sagt der 28-jährige Deepak Kumar der “Times of India”. Zu Fuß ist der Lastwagenfahrer mit zwölf anderen Männern aus Indiens Hauptstadt Neu-Delhi­ aufgebrochen, um sein Dorf im Nachbarbundesstaat Uttar Pradesh zu erreichen. Die Männer, die an der Schnellstraße entlang laufen, haben seit zwei Tagen nichts mehr gegessen. Sie sind in ständiger Angst vor der Polizei, die sie stoppen und verhaften könnte, weil sie die nationale Ausgangssperre missachten. Doch genau diese hat ihnen und Millionen anderen Indern keine andere Chance gelassen. Mit Wolldecken, Rucksäcken, Taschen und Töpfen sind ganze Familien und Gruppen aufgebrochen, um Hunderte Kilometer auf den Nationalstraßen des Landes in ihre Heimat zu laufen. Busse und Züge fahren nicht mehr.

Ausgangsverbot kam überraschend

Um die Gefahr der Ausbreitung des Coronavirus zu stoppen, hatte Premierminister Narendra Modi am vergangenen Dienstag den größten Lockdown in der Geschichte angeordnet – und mehr als 1,3 Milliarden Menschen und damit fast einem Fünftel der Weltbevölkerung befohlen, für drei Wochen daheimzubleiben. “Um Indien und jeden Inder zu retten, wird es ein absolutes Ausgangsverbot geben”, begründete Modi den Schritt. Es blieben nur vier Stunden, bis das Verbot am Mittwoch früh in Kraft trat. Ohne einen zeitlichen Vorlauf traf die Sperre Millionen Inder, die sich als Tagelöhner, Wanderarbeiter, Straßenhändler, Taxifahrer, Fabrikarbeiter, Bauarbeiter und Handwerker durchschlagen müssen. Weil fast alle von ihnen von der Hand in den Mund leben, droht ihnen ohne Arbeit Hunger.

Zwar hat Indiens Regierung ein Hilfsprogramm gestartet, um besonders die Armen in der Krise zu unterstützen, doch die angekündigten Nahrungsmittelhilfen und Bargeldzahlungen kommen vor allem denjenigen zugute, die bereits von der Regierung unterstützt werden. Diejenigen, die in den Metropolen des Landes im informellen Sektor arbeiten, haben meist gar nicht die erforderlichen Papiere, um an solche Hilfen zu kommen.

Indien hat bislang 1071 bestätigte Covid-19-Fälle. 29 Menschen sind an der Virus-Infektion gestorben. Weil das Land dicht besiedelt ist und über ein unzureichendes Gesundheitssystem verfügt, wächst die Sorge, dass sich das Virus sehr schnell ausbreiten könnte.

 

Von Agnes Tandler/RND