Aktuell
Home | Nachrichten | Politik | Vorbild Schweden? Virologe Drosten sieht Ramelow-Pläne skeptisch
Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Charité in Berlin, sieht Bodo Ramelows Pläne zur Beendigung der landesweiten Corona-Beschränkungen skeptisch. Er verweist darauf, dass sich der lockere Schweden-Weg noch rächen wird. Quelle: dpa/RND Montage Behrens

Vorbild Schweden? Virologe Drosten sieht Ramelow-Pläne skeptisch

Bodo Ramelow will die landesweiten Corona-Beschränkungen beenden. Der Berliner Virologe steht dem skeptisch gegenüber. Das Vertrauen auf die Eigenverantwortung der Bürger habe in Schweden zu einer hohen Übersterblichkeit geführt, sagte Christian Drosten.

Berlin. Der Virologe Christian Drosten steht dem Ansatz von Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow, in der Corona-Pandemie künftig mehr auf Eigenverantwortung der Menschen zu setzen, skeptisch gegenüber. „Die Eigenverantwortung ist ja so das schwedische Modell und wir sehen in diesen Tagen und werden es in den nächsten Monaten noch stärker sehen, dass dort eine sehr hohe Übersterblichkeit entstanden ist“, sagte der Charité-Wissenschaftler am Montag im Deutschlandfunk. „Also ich bin mir nicht ganz sicher, ob das alles über Eigenverantwortung laufen kann.“ Drosten sprach sich für bessere Richtlinien für bestimmte gesellschaftliche Bereiche wie Schulen und Kindergärten aus.

Ramelow hatte angekündigt, künftig auf „lokale Ermächtigungen“ sowie die Eigenverantwortung der Menschen zu setzen. Es mache keinen Sinn, dass sieben Tage rund um die Uhr Krisenstäbe arbeiteten, wenn es in der Hälfte der Landkreise seit drei Wochen keine neuen Infektionen gebe, erklärte er. „Wir wollen das Management umstellen.“ Statt bei den Krisenstäben solle die Verantwortung nun lokal bei den Gesundheitsämtern liegen. Sollten sich neue Infektionsherde bilden, solle lokal reagiert werden.

Diverse Politiker hatten die Pläne Ramelows kritisiert, darunter Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach.

RND/dpa