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Auch in Atlanta wurde am Sonntag gegen Rassismus protestiert. Quelle: imago images/The Photo Access

Atlanta: Polizisten wegen “exzessiver Gewalt” bei Festnahme gefeuert

In zahlreichen US-Städten gibt es am Wochenende in Demonstrationen. In Atlanta umstellen Polizisten ein Auto und setzen Elektroschocker gegen die beiden Insassen ein. Die Bürgermeisterin entschuldigt sich für das Vorgehen – und entlässt zwei der Beamten.

Atlanta. Im Zusammenhang mit einer rabiaten Festnahme bei Protesten gegen Polizeigewalt sind in der US-Metropole Atlanta zwei Polizisten entlassen und drei weitere in den Innendienst versetzt worden. Bei der Festnahme von zwei Studenten sei übermäßig Gewalt ausgeübt worden, sagte die Bürgermeisterin von Atlanta, Keisha Lance Bottoms, am Sonntag. Sie und Polizeichefin Erika Shields hätten die Entscheidung getroffen, nachdem sie von Body-Cameras gemachte Aufnahmen des Zwischenfalls vom Samstagabend eingehend geprüft hätten.

Die Aufnahmen seien „wirklich schockierend anzusehen“, sagte Bottoms. „Exzessive Gewalt ist niemals akzeptabel.“ Das Video war zuerst online zu sehen und wurde später im örtlichen Fernsehen von Reportern veröffentlicht. Es zeigt, wie eine Gruppe Polizisten in Schutzausrüstung und Gasmasken ein Auto umstellt, in dem ein Fahrer und eine Beifahrerin sitzen.

Die Beamten scheinen mit einem Elektroschocker auf die Frau zu feuern und ziehen sie dann aus dem Auto. Dann setzen sie bei dem Mann einen Elektroschocker ein. Der am Boden liegenden Frau werden Handschellen angelegt. Allem Anschein nach leistet das Paar keinen Widerstand. Nach Aussage von Reportern hatten die Polizisten zuvor Scheiben des Autos eingeschlagen und für platte Reifen gesorgt.

Polizeichefin entschuldigte sich für das Vorgehen der Beamten

Bürgermeisterin Bottoms sagte, die Beifahrerin sei später freigelassen worden, gegen sie liege nichts vor. Der Mann sei ebenfalls freigelassen worden. Sie werde anordnen, dass die Vorwürfe gegen ihn fallengelassen werden, sagte Bottoms. Laut einem Polizeibericht wird ihm vorgeworfen, ohne gültigen Führerschein gefahren zu sein und versucht zu haben, sich der Polizei zu entziehen.

Polizeichefin Shields entschuldigte sich für das Vorgehen ihrer Beamten und erklärte, es sei inakzeptabel und habe weitere Angst geschürt. In solchen Fällen müsse sie als Polizeichefin eingreifen und aufräumen, sagte Shields.

In Atlanta galt am Samstag und Sonntag ab 21 Uhr eine Ausgangssperre. Nach Polizeiangaben vom Sonntag wurden mehr als 150 Menschen festgenommen, nachdem Protestierende Steine auf Beamte geworfen und Fensterscheiben in der Innenstadt eingeschlagen hatten.

In den USA kommt es seit Tagen landesweit zu teils gewaltsamen Protesten. Sie wurden vom Tod des Schwarzen George Floyd in Polizeigewalt in Minneapolis am Montag vergangener Woche ausgelöst. Er starb, nachdem ein weißer Polizist minutenlang mit seinem Knie auf den Hals des gefesselten und am Boden liegenden Floyd gedrückt hatte.

RND/AP