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Joe Biden, voraussichtlicher Herausforderer Donald Trumps bei der Präsidentenwahl im November. Quelle: imago images/ZUMA Wire

Biden verspricht im Falle seiner Wahl Kampf gegen strukturellen Rassismus

Die USA kommen nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Einsatz weißer Polizisten nicht zur Ruhe. Der wahrscheinliche Präsidentschaftskandidat der Demokraten, Joe Biden, schlägt dabei ganz andere Töne an als US-Präsident Donald Trump. Biden will gegen strukturellen Rassismus vorgehen und auch die Polizei besser kontrollieren.

Wilmington. Der voraussichtliche demokratische US-Präsidentschaftskandidat Joe Biden hat angekündigt, im Fall seiner Wahl vordringlich strukturellen Rassismus im Land anzugehen. Damit werde er sich gleich in den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit befassen, versprach Biden am Montag vor Afroamerikanern in einer Kirche in Wilmington. Er wolle ein Aufsichtsgremium für die Polizei einrichten, sagte Biden und versprach einen Wirtschaftsplan bis Ende des Monats, der sich auf Bildung, Wohnen, den Zugang zu Kapital und Investitionen fokussiere, insbesondere für Minderheiten in den USA.

Nach dem Tod des Schwarzen George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz vor rund einer Woche haben Proteste und Unruhen das gesamte Land erfasst. Zehntausende marschierten jeden Tag friedlich durch Metropolen und Kleinstädte, um gegen rassistische Polizeigewalt zu demonstrieren. In den Nächten kam es aber immer wieder zu Krawallen, Plünderungen, Gewalt und wiederholt sogar zu Schüssen auf Polizisten. Am Montagabend erklärte sich Amtsinhaber Donald Trump zum Präsidenten von “Recht und Ordnung” und drohte mit dem Einsatz des Militärs.

Biden: “Wir müssen etwas Großes tun”

Biden ging darauf nicht direkt ein, sagte aber: „Hass versteckt sich bloß. Er geht nicht weg, und wenn jemand an der Macht ist, der Sauerstoff in den Hass unter den Steinen atmet, kommt er unter den Steinen hervor.“

Biden redete mit den Bürgermeistern von Atlanta, Chicago, Los Angeles und St. Paul in Minnesota und sagte: „Wir müssen etwas Großes tun, wir können das schaffen, und jeder wird davon profitieren.“

Drei der Stadtrüberhäupter, mit denen Biden sprach, sind Schwarze. Sie sind von Trump frustriert, der ihnen militärische Hilfe angesichts gewaltsamer Proteste angeboten, Unterstützung des Bundes wegen des Coronavirus aber verweigert und sie wiederholt in den sozialen Medien angegriffen hat.

„Zu sehen, wie der Präsident der Vereinigten Staaten sagt, er schicke das Militär in unsere Gemeinden, dabei aber nicht erwähnt auch nur einen einzigen Groschen Unterstützung in unsere Gemeinden zu senden, spricht Bände darüber wo wir heute in Amerika stehen“, sagte die Bürgermeisterin von Atlanta, Keisha Lance Bottoms.

Biden will sich deutlich von Trump absetzen

Ein Großteil der Strategie Biden beruht derzeit offenbar darauf, einen Kontrast zu Trumps Temperament und Werten herauszustreichen. Bei einer Wahl wie dieser ist es nach Ansicht einiger Biden-Mitarbeitern möglicherweise am besten, Trump das Ganze selbst erledigen zu lassen. Doch gibt es auch die Einsicht, dass Biden mehr tun muss, als auf die Wähler zu warten, die sich von Trump abwenden.

Einige Demokraten, die Biden dafür kritisiert haben, sich während der Coronavirus-Pandemie zurückgenommen zu haben, halten seine derzeitige Haltung für genau die richtige. „Es mag eine Zeit für Eloquenz geben, aber ich denke, dass Einfachheit derzeit Eloquenz ist“, sagt der demokratische Stratege James Carville.

RND/AP