Aktuell
Home | Nachrichten | Sport | Erst Erdogan-Liebling, jetzt Staatsfeind: Geflüchteter Ex-Profi Hakan Sükür hat einen Rat für Mesut Özil
Ex-Fußballprofi Hakan Sükür lebt in den USA im Exil. Der Türke hat einen Rat an Mesut Özil. Quelle: dpa

Erst Erdogan-Liebling, jetzt Staatsfeind: Geflüchteter Ex-Profi Hakan Sükür hat einen Rat für Mesut Özil

Einst war er einer der größten Fußballstars in der Türkei. Dann überwarf sich Hakan Sükür mit Staatspräsident Erdogan und wurde zum Staatsfeind erklärt. Heute lebt der Ex-Fußballer im Exil in den USA und verdient sein Geld als Uber-Fahrer.

Berlin. Hakan Sükür war einst einer der größten Fußballstars der Türkei. Heute lebt er im US-amerikanischen Exil. In der Türkei ist er zur Verhaftung ausgeschrieben, der Regierung Erdogan gilt er als Staatsfeind. In einem Interview mit der „Welt am Sonntag“ sprach Sükür nun über sein neues Leben. Die Türkei, so der 48-jährige ehemalige Fußballprofi, habe sein gesamtes Vermögen eingefroren. Deshalb arbeite er heute als Fahrer für den Taxi-ähnlichen Fahrtendienst Uber.

Sükür floh 2015 in die US-Hauptstadt Washington, zwei Jahre nachdem er sich von Erdogan losgesagt hatte. Nach seiner Karriere bei Galatasaray Istanbul war Hakan Sükür ab 2011 Abgeordneter der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP, die Erdogan mit gegründet hat. Kurz vor dem Bekanntwerden eines Korruptionsskandals Ende 2013 trat Sükür aus der Partei aus. Erdogan überwarf sich damals mit seinem langjährigen Weggefährten, dem in den USA lebenden islamischen Prediger Fethullah Gülen. Die Gülen-Bewegung gilt in der Türkei inzwischen als Terrororganisation und Sükür gilt als Anhänger dieser Bewegung.

In der Türkei soll Sükür verhaftet werden

Schon vor dem Putschversuch, für den die türkische Regierung die Gülen-Bewegung verantwortlich macht, wurde in der Türkei gegen Hakan Sükür ermittelt. Anfang 2016 wurde er wegen Beleidigung des Staatspräsidenten angeklagt. Die Istanbuler Staatsanwaltschaft warf Sükür vor, im Februar 2015 Twitter-Nachrichten abgesendet zu haben, die sowohl Erdogan als auch dessen Sohn Bilal beleidigt haben sollen. Nach dem Putschversuch im Juni des Jahres ordnete die Staatsanwaltschaft die Festnahme Sükürs an. Der Vorwurf: Er sei Gülen-Anhänger und damit „Mitglied einer bewaffneten Terrororganisation“.

Sükür sagte der „Welt am Sonntag“ nun, er sei kein „Gülenist“. „Ich habe nur Dinge getan, die in meinem Land legal sind, und zwar in aller Öffentlichkeit. Aber weil ich Hakan Sükür heiße, wurde ich benutzt, um die Gesellschaft einzuschüchtern.“ Aus der AKP sei er wegen Berichten über Korruption ausgetreten. Anschließend hätten die Feindseligkeiten gegen ihn begonnen.

Empfehlung an Özil und Gündogan

„Erdogan nahm mir alles“, sagte Sükür. „Mein Recht auf Freiheit, das Recht, mich zu erklären, mich zu äußern, das Recht auf Arbeit. Ich habe in der Türkei Besitz im Wert von Dutzenden Millionen Dollar. Aber es wurde alles konfisziert.“ Sogar der Vater des Ex-Fußballers wurde im August 2016 festgenommen. Auch er war im Zusammenhang mit dem Putschversuch zur Fahndung ausgeschrieben worden. 2017 wurde Sükür nach politischem Druck auch aus seinem langjährigen Fußballverein Galatasaray Istanbul ausgeschlossen. Die Anfeindungen reichen laut Sükür bis in die USA. Ein Café, das er zeitweise betrieb, habe eine Zeit lang von der US-Bundespolizei FBI geschützt werden müssen.

Den Fußballern Mesut Özil und Ilkay Gündogan, die sich 2018 mit Recep Tayyip Erdogan trafen und damit in Deutschland für Aufsehen sorgten, empfahl Sükür, „auch in die AKP einzutreten. Dann werden sie erkennen, was diese Partei wirklich ist. Einfach nur hingehen und ein Foto schießen – dadurch erkennen sie nichts.“

RND/fh/dpa