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Die Schufa ist sammelt jährlich Daten von über 67 Millionen Bundesbürgern.

Schufa bezahlt Gutachten der eigenen Algorithmen

Auskunfteien sammeln Daten von Millionen Menschen. Zwar werden die Algorithmen von Schufa und Co. durch Datenschützer kontrolliert, allerdings verlassen diese sich dabei meist auf Gutachten, die von den Auskunfteien selbst gezahlt werden, wie der Bayerische Rundfunk berichtet.

Abermillionen Menschen nutzen die Schufa-Auskunft, um ihre Schuldenfreiheit zu bestätigen. Wer negative Vermerke in der Schufa hat, der bekommt schwerer eine Wohnung, einen Kredit oder einen Handyvertrag. Auskunfteien wie die Schufa sammeln folglich Daten von zahlreichen Bundesbürgern, das Verfahren wird von Datenschutzbeauftragten überwacht. Diese verlassen sich laut Recherchen des Bayerischen Rundfunks (BR) allerdings oft auf Gutachten, die von den Auskunfteien selbst in Auftrag gegeben und bezahlt werden.

Viele Auskunfteien zahlen die Gutachten der eigenen Arbeit

Demnach handele es sich bei der Schufa nicht um einen Einzelfall: Eigens beauftragte Gutachten gehörten vielmehr zum guten Ton in der Branche. So habe der BR bei seinen Recherchen auch das Vorgehen bei anderen Auskunfteien wie Crif Bürgel, Creditreform oder Infoscore unter die Lupe genommen und ein immer gleiches Muster vorgefunden: Die Unternehmen zahlen für Gutachten, die schließlich ihre eigene Arbeit beurteilen sollen.

Kritik an Verfahren

Der ehemalige Datenschutzbeauftragte Schleswig-Holsteins, Thilo Weichert, kritisiert das schwammige Verfahren im Gespräch mit dem BR: „Diese Gutachten sollen unabhängig sein, werden aber von den Auskunfteien bezahlt. Natürlich sehe ich da einen Interessenskonflikt.“ Auch der einstige Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar fordert demnach eine unabhängige und einheitliche Prüfung der Algorithmen.

Im Zweifel auf unabhängiges zweites Gutachten zurückgreifen

Auf Nachfrage des BR gab die Behörde des Hessischen Datenschutzbeauftragten, die neben der Schufa auch andere Auskunfteien beaufsichtigt, hingegen an, hinter dem aktuellen Verfahren zu stehen – man könne im Zweifel ja ein weiteres unabhängiges Gutachten beauftragen. Das sei allerdings noch in keinem Fall nötig gewesen.

Für externe Bearbeitung fehlen finanzielle Mittel

Fehlende Fachkenntnis nannte wiederum die Datenschutzbehörde in Nordrhein-Westfalen als Ursache für die bezahlten Gutachten: „Wir können die Gutachten damit nur auf Plausibilität prüfen“, sagte ein Sprecher dem BR. Für eine externe Bearbeitung fehlten zudem die finanziellen Mittel. Es sei deshalb noch wichtiger, die Scoring-Verfahren bundesweit von unabhängigen Stellen prüfen zu lassen.

Diskriminierung kann nicht bundesweit ausgeschlossen werden

Zudem gibt es ein weiteres Problem bei der Prüfung von Auskunfteien: Die Scoring-Verfahren, nach denen die Kreditwürdigkeit eingestuft wird, seien nicht einheitlich auf Faktoren wie Diskriminierung analysierbar. Unklar sei laut Datenexperte Weichert, wie die einzelnen Behörden mit Alter, Geschlecht und Wohnort der Dateneigner umgehen. „Wir in Schleswig-Holstein haben den Diskriminierungsschutz als Teil des Datenschutzes gesehen. Andere Behörden sehen das anders“, sagt Weichert.

Grundlage für Kreditwürdigkeit unklar

Die Schufa ist die wohl bekannteste und eine der größten Auskunfteien in Deutschland. Sie erhält jährlich Daten von rund 67 Millionen Bürgern und gibt diese an etwa 9000 Unternehmen weiter. Wie das Unternehmen letztlich aber die Kreditwürdigkeit eines Menschen zusammenstellt, ist nicht nachvollziehbar.

Von RND/lf

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