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Immer noch klafft bei der Pünktlichkeit der Bahn eine Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit.

Bahn verfehlt Pünktlichkeits-Ziel

Die Pünktlichkeit bleibt das große Problem bei der Deutschen Bahn. Noch im März hatte Konzernchef Richard Lutz für dieses Jahr ankündigt, dass 82 Prozent der Züge ihr Ziel pünktlich erreichen. Jetzt wird deutlich: Es gibt weiter eine Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit.

Verspätungen sind bei der Deutschen Bahn nicht Neues. Die Grünen-Fraktion hat mit einer kleinen Anfrage beim Bundesverkehrsministerium nachgehakt, woran es hapert. Das Ergebnis: Fehlende oder kaputte Züge stören den Ablauf. Im vergangenen Jahr waren vor allem schlechte Witterungsbedingungen der Grund für Verspätungen.

Knapp zwölf Prozent aller Verspätungen in den ersten vier Monaten 2018 führt die Bahn auf Störungen an den Fahrzeugen zurück. Die Verspätungen werden immer mehr – im vergangenen Jahr waren es nur knapp elf und im Jahr 2015 sogar nur neun Prozent. Die Antwort des Bundesverkehrsministeriums lag dem RedaktionsNetzwerk Deutschland am Mittwoch vor. Zuerst hatte die „Rheinische Post“ darüber berichtet.

Materialermüdung und fehlende Züge

Knapp drei Prozent aller Verspätungen in den ersten Monaten dieses Jahres erklärt die Bahn damit, dass Züge nicht rechtzeitig bereitgestellt werden konnten – Materialermüdung oder schlicht fehlende Züge waren der Grund. Auch diese Zahl steigt: Im Vorjahr waren es erst 2,3 Prozent und 2012 lag dieser Anteil sogar bei nur 0,8 Prozent aller Verspätungen.

Verspätungen aufgrund von Baustellen und Störungen im Bahnnetz konnte die Bahn deutlich senken, wie aus der Antwort des Verkehrsministeriums hervorgeht. Baustellen verursachten in den ersten vier Monaten 2018 nur noch vier Prozent aller Verspätungen, im Vorjahr waren es noch 5,2 Prozent. Auch das Warten auf Anschlusszüge löste zuletzt weniger Verspätungen aus.

Pünktlichkeitsquote bei mehr als 78 Prozent

Zwischen Januar und April hatte die Bahn in diesem Jahr bereits 1,1 Millionen Minuten Verspätung. Die Pünktlichkeitsquote lag im ersten Quartal bei 78,6 Prozent. Trotz schlechterer Zahlen hat sie sich damit gegenüber 2017 verbessert: Im vergangenen Jahr lag die Quote bei 78,5 Prozent. Insgesamt hatte die Bahn 3,3 Millionen Minuten Verspätung 2017, während 2016 mehr als 100.000 weniger anfielen.

Unpünktliche Züge sind für die Bahnreisenden ein Ärgernis. Bei der letzten Jahrespressekonferenz Ende März hatte Bahnchef Lutz eingeräumt, dass die im vergangenen Jahr mit 78,5 Prozent deutlich unterhalb der selbst gesteckten Ziele gelegen habe. „Da sind wir mit unserer Leistung für die Kunden nicht zufrieden“, erklärte er. Im laufenden Jahr, kündigt Lutz an, wolle man trotz steigenden Verkehrs auf der Schiene und mehr Baustellen 82 Prozent schaffen. Das Ziel dürfte kaum mehr zu erreichen sein.

„Pendler müssen sich auf pünktliche Züge verlassen“

Der Grünen-Verkehrsexperte Matthias Gastel, der die Anfrage beim Bundesverkehrsministerium gestellt hatte, warf der Bundesregierung Planlosigkeit vor. „Die Große Koalition schreibt sich die Verdoppelung der Fahrgäste bei der Bahn in den Koalitionsvertrag, hat aber überhaupt keinen Plan, wie sie mehr Menschen für die Bahn begeistern will“, sagte Gastel dem RND.

„Die Pendler in unserem Land müssen sich auf pünktliche Züge verlassen können. Deshalb auch der Bund als Eigentümer gefordert, hier endlich ein Konzept vorzulegen, wie die Pünktlichkeitsziele nach Jahren wieder erreicht werden. Ich sehe nicht, wie ohne neue Züge mehr Pünktlichkeit erreicht werden soll.“

Von Rasmus Buchsteiner und Frida Kammerer/RND

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