Dienstag , 25. September 2018
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Andreas W. Tilp (M), Rechtsanwalt der Klägerseite mit seinen Kollegen beim Auftakt zum VW-Prozess in Braunschweig.

Prozess der VW-Anleger hat begonnen – Richter warnt vor Verjährung

Dieser Prozess könnte Volkswagen viel Geld kosten: Investoren fordern wegen des Diesel-Skandals milliardenschwere Entschädigungen. Am Montagmorgen begann das Musterverfahren in Braunschweig.

Im milliardenschweren Musterverfahren von VW-Anlegern im Zuge der Dieselmanipulationen hat am Montag am Oberlandesgericht Braunschweig die mit Spannung erwartete mündliche Verhandlung begonnen. Aktionäre von Volkswagen fordern Schadenersatz in Milliardenhöhe für erlittene Kursverluste im Abgasskandal.

Schon der Auftakt führte zu Diskussionen zwischen dem Vorsitzenden Richter und der Klägerseite. Die Ansprüche der Kläger bis zum Zeitpunkt Mitte 2012 könnten verjährt sein, sagte der Vorsitzende Richter Christian Jäde am Montag in Braunschweig.

Andreas Tilp, Anwalt der Musterklägerin Deka Investment, geht dagegen davon aus, dass Volkswagen schon im Juni 2008 hätte zugeben müssen, die Technologie zur Diesel-Abgasreinigung nicht zu beherrschen.

Kläger machen Forderungen von neun Milliarden Euro geltend

Nach Bekanntwerden des Abgasskandals hatten die Vorzugsaktien des Unternehmens zwischenzeitlich fast die Hälfte ihres Werts verloren, die Anleger erlitten teils massive Verluste. Insgesamt machen Kläger Forderungen von fast neun Milliarden Euro geltend. Im Musterverfahren selbst liegt der Streitwert bisher bei knapp vier Milliarden Euro.

Nach den Worten von Andreas Tilp, Anwalt der Musterklägerin Deka Investment, fordert allein die Sparkassen-Fondstochter Deka Investment als Musterklägerin mehr als 200 Millionen Euro. Die weiteren Verfahren – rund 1670 Klagen liegen vor – ruhen bis zum Ergebnis in dem Prozess, der nach dem Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz geführt wird.

Die entscheidende Frage ist: Hat VW die Märkte rechtzeitig über die Affäre rund um millionenfachen Betrug mit manipulierten Dieselmotoren informiert?

Musterbeklagte sind VW und Porsche SE

Bisher hat das Gericht 13 Verhandlungstage bis Ende des Jahres angesetzt – aus Platzgründen in der Braunschweiger Stadthalle. Musterbeklagte sind Volkswagen und der VW-Hauptaktionär Porsche SE, Musterklägerin ist die Deka Investment.

Nach Einschätzung von VW-Rechtsanwalt Pfüller wird es in dem Verfahren zunächst um den weiteren Fahrplan gehen, dazu werde das Gericht seine Vorstellungen mitteilen. Geklärt werden müsse vor allem, welche inhaltlichen Schwerpunkte das Gericht setzen wolle, daraus ergebe sich dann, zu welchen Sachverhalten möglicherweise auch Zeugen gehört würden.

Von RND/dpa