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Am Smartphone bestellen, statt in der Nobelboutique shoppen: Chinesen bestellen Luxus-Taschen und teure Uhren zunehmend im Internet.

Luxusweltmeister China

In China hat der Onlinehandel längst auch das Luxussegment erreicht. Wer etwas auf sich hält, lässt sich seine neue Luxusuhr von einer schwarzen Limousine bringen. Westliche Anbieter ziehen nach.

Die Chinesen haben zwar nur knapp 20 Prozent Anteil an der Weltwirtschaft, kaufen jedoch 30 Prozent der weltweiten Luxusgüter. Zunehmend erwerben sie Edelprodukte auch auf den Plattformen der großen Onlinehändler Alibaba und JD.com. Ein Tastenklick auf der Couch statt Small Talk und Prosecco in der Luxusboutique. Die junge Generation der Chinesen interessiert sich nicht mehr für den Service von Luxusboutiquen, sie will ihre Patek-Philippe-Uhr wie Elektronik oder Gemüse mit einem Wisch übers Smartphone kaufen.

Aber die Lieferung soll sich dann doch von der schnöden Arbeit der Paketdienste unterscheiden. Darauf setzt jedenfalls der chinesische Onlinehändler JD.com. Mit der App Toplife hat er nun eigens ein Angebot für die chinesische Premiumkundschaft geschaffen. Anders als im JD-Großlager nebenan findet sich im Toplife-Lager kein Staubkorn. Temperatur und Luftfeuchtigkeit können je nach gelagertem Produkt individuell angepasst werden. Und statt in der bequemen Jogginghose und auf einer klapprigen Motor-Rikscha fahren die Toplife-Lieferanten in Anzug, Krawatte und weißen Handschuhen in schwarzen Limousinen vor. Westlichen Markenproduzenten, die lange darüber klagten, dass Chinas Onlinehändler zu lasch gegen gefälschte Luxusartikel auf ihren Plattformen vorgehen, scheint der neue Ansatz zu gefallen. Inzwischen sind knapp 80 internationale Hersteller bei Toplife am Start. Konkurrent Alibaba hat mit dem „Luxury Pavilion“ ein ähnliches Angebot für die Edelshopper.

Bestsellerautor und Chinaexperte Frank Sieren lebt seit fast 25 Jahren in Peking. Jüngst ist sein neues Buch „Zukunft? China!“ erschienen.

Von Frank Sieren