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Schweine in einem Stall (Symbolfoto).

Veganer fordern Fleischverbote für saubere Luft

Bislang konzentrieren sich alle Bemühungen um die Verbesserung der Luftqualität in Deutschland auf den Straßenverkehr. Da aber fast die Hälfte der Feinstaub-Belastung durch die Landwirtschaft entsteht, fordern Ernährungslobbyisten den nächsten Schritt: ein Fleischverbot.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat ein erfolgreiches Jahr hinter sich. Mit jedem von ihr erstrittenen Urteil zu Fahrverboten in deutschen Städten flammen heftige Debatten über Sinn und Unsinn dieser Maßnahmen zur Luftreinhaltung auf. Die Politik ist heftig in Bewegung geraten: Es gibt Krisentreffen zu Umweltbelastungen, Autohersteller sind unter Druck und Verkehrsteilnehmer sind verärgert.

Im Bundestag versucht die Regierung gerade ein Gesetz durchzusetzen, das die Verhältnismäßigkeit von Fahrverboten bei geringfügigen Überschreitungen der Grenzwerte im Sinne der Autofahrer regeln soll. Doch nun droht von anderer Seite Ungemach: Die Vegane Gesellschaft Deutschland fordert von der Umwelthilfe, für die Luftreinhaltung nach Fahrverboten auch Fleischverbote gerichtlich durchzusetzen. „Wer A sagt und gerichtliche Fahrverbote durchsetzt, muss auch B sagen und Fleischverbote durchsetzen“, sagte Christian Vagedes, Gründer und Vorsitzender des Vereins, der „Welt“.

So viele Tote wie durch das Rauchen

Was zunächst merkwürdig klingt, hat einen simplen Hintergrund – die extrem gestiegene Feinstaub-Belastung der Luft in Deutschland. Einer bislang unveröffentlichten Studie des Mainzer Max-Planck-Instituts für Chemie zufolge werden rund 120.000 Todesfälle pro Jahr der Luftverschmutzung mit Feinstaub zugerechnet. Das sind doppelt so viele als von Wissenschaftlern bisher angenommen, berichtete das ARD-Magazin „Monitor“. Unter dem Strich sei Feinstaub für genauso viele Opfer verantwortlich wie das Rauchen. Die Studie basiert auf rund 40 internationalen Studien aus 16 Ländern.

Massentierhaltung im Visier

Zu den Hauptverursachern von Feinstaub zählen die Unternehmen der Landwirtschaft, vor allem aber Betriebe mit Massentierhaltung. Die Studie taxiert ihren Anteil an der Gesamtbelastung mit 45 Prozent. Das hängt mit der anfallenden Gülle zusammen, deren Ammoniak-Ausgasungen sich in der Atmosphäre mit anderen Gasen verbinden und zu Feinstaub werden, erklärte Studienleiter Jos Lelieveld bei „Monitor“. Regelmäßig zeigen deshalb Messstationen in Städten mit großen Ställen in der ländlichen Nachbarschaft höhere Feinstaub-Werte als in Großstädten mit viel Verkehr.

Die Veganer fordern nun, diese Ergebnisse endlich ernst zu nehmen. „Da der meiste Feinstaub aus der Massentierhaltung stammt, begrüßen wir Musterklagen, die die Verursacher-Betriebe dicht machen und den Beginn von Fleischverboten“, ist in einer aktuellen Mitteilung des Vereins zu lesen. „Alles andere wäre angesichts der Dieselfahrverbote unehrlich und inkonsequent.“

Veganer erwarten Antwort von Umwelthilfe

Verbandschef Vagedes kündigt an, auf die Deutsche Umwelthilfe zuzugehen, die in den vergangenen Monaten in etlichen deutschen Großstädten Fahrverbote für Dieselfahrzeuge gerichtlich durchgesetzt hat. „Wir erwarten von der DUH eine Antwort, ob sie jetzt auch gegen die Fleischindustrie klagt“, sagte Vagedes der „Welt“. Falls nicht, sei die Glaubwürdigkeit der Umwelthilfe aus seiner Sicht komplett zerstört. „Dann zeigt sich, dass es der DUH nicht um die Umwelt geht.“ Vagedes wies auch darauf hin, dass die Massentierhaltung ohnehin als der weltweit größte Verursacher von klimaschädlichem Kohlendioxid gelte.

Der Verein fordert aus diesen Gründen nichts weniger als eine „vegane Wende“. Vereinschef Vagedes: „Wer ehrliche Politik verantwortet, schwenkt jetzt auf einen Kurs ein, der pflanzenbasierte Ernährung massiv fördert und nichtvegane Produkte schrittweise vom Markt nimmt.“

Von Thoralf Cleven/RND