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Eine Frau steht in der Arbeitsagentur am Empfangsschalter, um sich über die Beantragung von Hartz IV bzw. Arbeitslosengeld II zu informieren.

Studie zeigt abschreckende Wirkung von Hartz IV auf

Der Rückgang der Arbeitslosenzahl seit Einführung von Hartz IV im Jahr 2005 ist einer Untersuchung zufolge nicht auf mehr Jobvermittlungen zurückzuführen. Entscheidend für die Entwicklung sind Menschen, die kaum von Arbeitslosigkeit betroffen sind.

Hartz IV wirkt einer neuen Studie zufolge abschreckend auf Arbeitnehmer. Besonders gut verdienende und langfristig Beschäftigte seien seit der Reform bereit, auf einen höheren Lohn zu verzichten, um im Gegenzug Beschäftigungsgarantien zu erhalten, erklärte der Wirtschaftswissenschaftler Philip Jung von der TU Dortmund am Montag. Der Rückgang der Arbeitslosenzahl seit Einführung von Hartz IV im Jahr 2005 ist der Untersuchung zufolge in drei von vier Fällen auf weniger neue Arbeitslose zurückzuführen – und nicht auf mehr Jobvermittlungen.

Ein Forscherteam der Universitäten Dortmund und Bonn untersuchte den Angaben nach die Erwerbsverläufe von Millionen von Beschäftigten und wertete dafür Daten der Bundesagentur für Arbeit zwischen 1993 und 2014 aus. Seit Einführung von Hartz IV habe sich die Zahl der Arbeitslosen von knapp elf Prozent auf unter sechs Prozent verringert, erklärten die Studienautoren.

Die Wahrscheinlichkeit, arbeitslos zu werden, ist in dem Zeitraum um fast ein Drittel gefallen, wie es in der Untersuchung heißt. Zugleich sei die Wahrscheinlichkeit, als Arbeitsloser eine neue Stelle zu finden, um rund zehn Prozent gestiegen. Der Anteil der Langzeitarbeitslosen habe sich dagegen durch Hartz IV kaum verändert.

Furcht vor finanziellen Einschnitten der Arbeitslosigkeit

Den Hauptbeitrag zum Rückgang der Arbeitslosenzahlen leisteten den Daten zufolge Menschen, die kaum von Arbeitslosigkeit betroffen sind, aber sich vor den großen finanziellen Einschnitten der Arbeitslosigkeit besonders fürchten. Sie verdienten lieber weniger, hätten dafür aber einen sicheren Arbeitsplatz. „Um von einer Reform der Arbeitslosenversicherung betroffen zu sein, muss man nicht arbeitslos sein“, erklärte der Bonner Wissenschaftler Moritz Kuhn.

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In einem Simulationsmodell prüften die Ökonomen zudem den Verlauf der Arbeitslosigkeit in Deutschland ohne die Hartz-IV-Reform. In diesem Fall hätte die Arbeitslosenrate einen ähnlichen Verlauf genommen wie in Österreich, wo keine Reform stattfand, erklärten die Wissenschaftler. Die Arbeitslosenzahl würde demnach ohne die Hartz-IV-Reform in Deutschland zehn Jahre später rund 50 Prozent höher liegen.

Von RND/epd/ngo