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Das Segelschulschiff Gorch Fock im Jahr 2014. Bei der Bundeswehr hat sie den Spitznamen „Weiße Lady“.

Der Gorch-Fock-Krimi – Das Schiff kann einem fast schon leid tun

Die Gorch-Fock-Werft beantragt Insolvenz, die Sanierung stürzt das Verteidigungsministerium in finanzielle Erklärungsnöte. Der Fall des Marine-Segelschulschiffs gleicht einem Krimi, sollte aber nicht vom Wesentlichen ablenken, kommentiert Daniela Vates.

Die Geschichte des Segelschulschiffs Gorch Fock mit all ihrem Pathos und all ihren Dramen ist um ein weiteres schillerndes Kapitel reicher. Jetzt ist noch ein Wirtschaftskrimi dazu gekommen, den sich ein Drehbuchautor kaum holzschnittartiger ausdenken könnte.

Die Werft, die verantwortlich ist für die Instandsetzung der Gorch Fock, ist in solch schweren finanziellen Nöten, dass nun Insolvenz beantragt wird.

Als Stichworte fallen dabei: eine verstorbene Firmenerbin, eine Goldmine in der Mongolei, ein von der Werft mit Geld versorgter Beamter, der zufällig gerade ein Altersheim bauen lässt.

Da kann einem das Schiff schon fast leid tun, das in eine solche Gemengelage gerät, ausgerechnet dann auch noch, wo es so wehrlos herumliegt auf einem Trockendock, ohne Mast, Segel, Motor und ziemlich durchgerostet.

Insolvenz wird die Sanierung wohl verzögern

Das Durcheinander bei der Werft aber ändert nichts daran: Ob die Gorch Fock weiter saniert oder abgewrackt wird, muss sich an der Wirtschaftlichkeit orientieren. Ein bisschen Matrosensehnsucht darf mit eingerechnet werden, bestimmen sollte sie eine Entscheidung nicht.

Die Insolvenz wird die Instandsetzung wohl erstmal nicht stoppen, wohl aber verzögern. Dadurch könnten die Kosten steigen. Wenn die Kosten etwas sinken, weil alle beteiligten Firmen sich lieber im Preis drücken lassen, als überhaupt kein Geld mehr zu bekommen, darf das von einem nicht ablenken: Es geht immer noch um viele Millionen.

Offene Fragen gibt es noch genug

Und die Frage, warum die Bundeswehr und das Verteidigungsministerium nicht auf die massiven Kostensteigerungen bei der Gorch-Fock-Sanierung reagierte, warum Mängel offenbar nicht gesehen oder sie verschwiegen wurden, ist nicht geklärt.

Schlamperei oder systematische Schummelei stehen zur Auswahl. Das ist der politische Krimi, den das Verteidigungsministerium klären muss – und zwar ganz unabhängig von der Zukunft der Gorch Fock.

Von Daniela Vates/RND