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Im Cockpit der 737 Max 8

Ist die 737 Max 8 Boeings Problemflugzeug?

Zwei Mal ist in den vergangenen fünf Monaten eine Boeing 737 Max 8 abgestürzt. Beide Abstürze weisen ein ähnliches Muster auf – was Zweifel an einem Flugzeug weckt, dass zuletzt ein absoluter Kassenschlager war.

Die 737 Max war ein Hoffnungsträger für Boeing. Doch der zweite Absturz einer Maschine dieses Typs innerhalb kurzer Zeit lässt Zweifel aufkommen.

  Was ist die 737 Max für ein Flugzeug?  

Die neueste Version des meistverkauften Verkehrsflugzeugs der Welt – Boeing 737 – wird in vier verschiedenen Längen angeboten. Sie reichen von 35,56 Metern bei der Max 7 bis zu 43,8 Metern bei der Max 10. Die Flieger bieten Platz für 172 bis 230 Passagiere und haben eine Reichweite von etwa 6500 Kilometern. Dutzende Fluggesellschaften weltweit haben das Flugzeug für seinen geringen Treibstoffverbrauch und die gute Einsetzbarkeit auf Kurz- und Mittelstrecken gepriesen.

  Wie wichtig ist die 737 Max 8 für Boeing?  

Die Investmentbank Morgan Stanley spricht angesichts der Flugverbote von einem „Worst-Case-Szenario“ für Boeing. Die 737 macht 70 Prozent der Produktion von Boeing für den gewerblichen Einsatz aus. Auf die Max-Flotte sollte der Großteil der 737-Lieferungen in diesem Jahr entfallen, und alle Lieferungen der kommenden drei Jahre, geht aus einem Analystenbericht von Morgan Stanley hervor.

 

Seit der Markteinführung 2017 hat Boeing mehr als 350 Max-Jets verkauft. Die Boeing-Aktie verlor Anfang der Woche vorübergehend mehr als elf Prozent. Im Jahresverlauf ist die Aktie aber immer noch um 17 Prozent gestiegen.

  Trifft Boeing eine Schuld?  

Das ist unklar: Lion-Air-Vertreter sagten, Sensoren an ihrem Flugzeug hätten fehlerhafte Informationen während der letzten vier Flüge der Maschine angezeigt. Dies habe ein Kommando ausgelöst, durch das die Nase des Flugzeugs automatisch absenkte. Die Piloten seien nicht in der Lage gewesen, gegen das System anzuarbeiten. Am Mittwoch erließ nach den Behörden in Europa auch die US-Luftfahrtbehörde FAA die Anordnung, die Flugzeuge auf dem Asphalt zu halten.

In den Tagen zuvor hatte sie sich noch geweigert. Den Unterschied machten laut Daniel Elwell, dem Leiter der Behörde, verbesserte Satellitendaten und physische Beweise am Boden. Sie zeigten, dass der Flug der Ethiopian-Airlines-Maschine dem der indonesischen Lion-Air-Maschine sehr ähnlich war. Diese war im Oktober mit 189 Menschen an Bord in die Java-See gestürzt, niemand überlebte.

 

Boeing teilte mit, man unterstütze die FAA-Entscheidung, glaube aber weiterhin an die Sicherheit des Flugzeugs. Nach Rücksprache mit der Regierung habe das Unternehmen die vorübergehenden Startverbote auch empfohlen. Die USA untersagten auch den Start der größeren Version, der Max 9.

  Wie hart trifft die Krise Boeing?  

Die Startverbote hätten weitreichende finanzielle Auswirkungen auf Boeing, zumindest kurzfristig, sagt John Cox, ein ehemaliger Pilot und Chef der auf den Flugverkehr spezialisierten Beratungsfirma Safety Operating Systems. Zusätzlich zu den mit Flugverboten belegten Maschinen hat Boeing Aufträge für 4600 weitere des Typs Boeing 737 Max 8 in den Büchern, die noch nicht an die Fluggesellschaften ausgeliefert wurden – aber derzeit produziert werden.

 

„Es gibt Lieferdaten, die nicht eingehalten werden, Flugzeuge, die nicht genutzt werden und die ganzen Lieferketten, die Boeing so sorgfältig geknüpft hat“, sagte Cox. „Wenn sie die Flugzeuge nicht ausliefern können, wo packen sie die zusätzlichen Motoren hin, und die zusätzlichen Rümpfe und die zusätzlichen elektronischen Teile?“

 

Betroffene Fluggesellschaften könnten auch an die Tür von Boeing klopfen und Schadenersatz fordern. Norwegian Airlines hat diesen Schritt angekündigt. Wenn andere folgen, kann es teuer werden. Die Erfolge hängen von den Details der Verträge mit Boeing ab, sagt Dan Rose, Teilhaber der Anwaltskanzlei für Luftverkehr Kreindler & Kreindler. Er geht fest von Forderungen gegen Boeing aus.

  Wie geht es jetzt weiter?  

Am Donnerstag trafen der Stimmrekorder und der Flugdatenschreiber zur Analyse in Frankreich ein, wie die dortige zuständige Behörde BEA mitteilte. Einige Experten gehen davon, dass es Monate dauert, bis Antworten gefunden werden. Bis dahin könnten Airlines auf die die Idee kommen, Schadensersatz zu fordern.

 

Norwegian Airlines hat diesen Schritt angekündigt. Wenn andere folgen, kann es teuer werden. Die Erfolge hängen von den Details der Verträge mit Boeing ab, sagt Dan Rose, Teilhaber der Anwaltskanzlei für Luftverkehr Kreindler & Kreindler. Er geht fest von Forderungen gegen Boeing aus.

Von RND/hö