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Die Zentralen von Deutsche Bank (l) und Commerzbank: Konzepte aus der industriepolitischen Mottenkiste.

Aus der Finanzkrise nichts gelernt

Banken, die so groß sind, dass sie den Staat erpressen können, sollte es nicht mehr geben. Nun treibt ausgerechnet die Bundesregierung eine Mega-Fusion in der Kreditbranche voran. Ein schwerer Fehler, kommentiert Andreas Niesmann.

Wie sich die Debatte gedreht hat: Noch vor zehn Jahren gab es praktisch keinen Politiker, der nicht vor zu großen Banken gewarnt hätte. Ein neuer Begriff fand Einzug in die Debatte: „systemrelevant“. Die Pleite der US-Bank Lehman Brothers hatten das Problem offensichtlich werden lassen: Zu große Geldhäuser können bei einer Insolvenz die gesamte Finanzarchitektur zum Einsturz, weshalb sie nicht mehr pleitegehen dürfen. Im Zweifel rettet der Staat eine schlingernde Bank mit Steuermilliarden, weil deren Bankrott für die Gesellschaft noch viel teurer würde.

Wenn es eine Lehre aus der Finanzkrise gab, dann diese: Der Staat sollte sich nie wieder durch Banken erpressen lassen.

Und heute? Scheinen diese Stimmen wie weggeblasen. Senden ein sozialdemokratischer Finanzminister und seine Beamten seit Monaten Signale aus, dass die Bundesregierung eine Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank begrüßen würde. Lassen sich deren Vorstände von der Politik zu etwas drängen, dass sie selbst bereits mehrfach verworfen hatten. Und bejubeln die Aktienmärkte auch noch das Einknicken zweier ehemals stolzer Institute vor der staatlichen Kuppelei.

Ja haben wir denn gar nichts aus der Finanzkrise gelernt? Offenbar nicht.

Hinzu kommt: Das wichtigste Argument der Fusionsbefürworter ist kaum mehr als die vage Hoffnung, eine Deutsche Commerzbank könne den Finanzriesen aus den USA und Asien die Stirn bieten. Diese Hoffnung ist trügerisch. Selbst wenn die Fusion gelingt, selbst wenn nach vielen Jahren der Integration und immensen Restrukturierungskosten ein konsolidiertes Institut entstehen sollte, gehört dieses ja noch lange nicht zur Weltspitze. Viel wahrscheinlicher ist, dass die Wettbewerber bis dahin noch weiter davongezogen sind.

Die Fusionspläne von Deutscher und Commerzbank sollten deshalb schnell dorthin zurück, von wo sie gekommen sind: in die industriepolitische Mottenkiste.

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Von Andreas Niesmann/RND