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Endstation Zoll: Auf dem supergünstigen Handy fehlt die CE-Kennzeichnung – das Gerät darf nicht auf den deutschen Markt.

Onlineshopping: Riskante Schnäppchen aus Fernost

Funkkopfhörer für 7 Euro, Tablet-PCs für 33 Euro oder Beamer für 50 Euro: Onlinehändler, die ihre Waren direkt aus den Herstellungsländern in Fernost verschicken, werben mit solchen Angeboten. Das klingt verlockend, aber es gibt Risiken.

Seiten und Portale für den Direktvertrieb von Waren aus Asien boomen. „Viele Interessierte locken die oft fast unglaubwürdig niedrigen Preise für Handys, Technikzubehör oder sonstigen Schnickschnack“, erklärt Thomas Moßburger vom Technikmagazin „Chip“. Das kann sich zwar lohnen. „Doch sollten Verbraucher auch bei vermeintlichen Schnäppchenpreisen ihr Gehirn angeschaltet lassen“, rät der Experte.

Denn es komme immer wieder vor, dass Produkte nicht die in der EU geltenden Sicherheits- oder Umweltbestimmungen erfüllen, erläutert Ralf Diekmann vom TÜV Rheinland. „Ein Großteil der Beanstandungen ist auf unklare Aufschriften, fehlende Sicherheitshinweise oder schlecht übersetzte und unvollständige Bedienungsanleitungen zurückzuführen.“ Bei Stichproben stellten die Sachverständigen auch schlechte Verarbeitungsqualität, Fehler in mechanischen, elektrischen und elektronischen Bauteilen oder erhöhte Schadstoffwerte fest.

Achten sollten Verbraucher in jedem Fall auf die CE-Kennzeichnung. Sie zeigt an, dass ein Produkt auf den europäischen Markt gebracht werden darf. Fehlt das Zeichen oder ergibt sich ein Verdacht auf Marken- oder Produktfälschung, kann etwa der Zoll das Paket untersuchen und lässt es nach Rücksprache mit den zuständigen Marktaufsichtsbehörden vernichten oder sendet es zurück.

Bei elektronischen Geräten ist meist die Bundesnetzagentur zuständig. Die berichtet, 2018 bei rund 240 000 Produkten eingeschaltet worden zu sein; man habe in 87 Prozent der Fälle eine Nutzung in Deutschland untersagt. Insgesamt habe die Behörde im vergangenen Jahr den Verkauf von mehr als zehn Millionen Geräten hierzulande verboten, betroffen waren vor allem Bluetoothlautsprecher, Smartwatches und Funkkopfhörer.

Damit eine CE-Kennzeichnung gerechtfertigt ist, muss unter anderem eine Bedienungsanleitung auf Deutsch beigepackt sein, und das Gerät muss für hiesige Steckdosen geeignete Anschlüsse haben. Das Problem: Die Hersteller selbst drucken das CE-Zeichen auf ihre Produkte, um damit die Konformität ihres Produktes mit den europäischen Richtlinien zu bestätigen.

Akkus könnten explodieren

Böse Zungen behaupten, dass CE für China Export stehe. CE ist jedoch kein Qualitätssiegel und auch kein Prüfzeichen. Die Marktaufsichtsbehörden kontrollieren stichprobenartig, ob die CE-Kennzeichnung zu Recht auf den Produkten steht und gehen Hinweisen auf eine missbräuchliche Verwendung nach. Doch kann nur ein Bruchteil der problematischen Sendungen identifiziert und gestoppt werden.

Käufer von Fernostprodukten tun also gut daran, beim Betrieb von Geräten mit Vorsicht heranzugehen, betont TÜV-Sprecher Diekmann: „Bei Geräten mit Akkus sollte man den ersten Ladevorgang nach wenigen Minuten unterbrechen und prüfen, ob der Akku übermäßig heiß wird.“ Sollte das der Fall sein, darf man nicht weiter laden und sollte den Verkäufer kontaktieren, denn es drohe Brandgefahr.„Auch sollte man auf scharfe Kanten, schlechte Verarbeitungsqualität sowie untypische Gerüche oder Geräusche achten“, rät Diekmann. Unsichere Produkte gelte es dann den Behörden zu melden, etwa der Gewerbeaufsicht.

Bei den verlockenden Schnäppchen bleibt es aber. Wie sollten Käufer vorgehen? Moßburger rät zur Netzrecherche: Bewertungen im Internet könnten Hinweise darauf liefern, ob die jeweilige Seite bei Warenqualität, Versand und Support gut abschneide. Vorsicht: Bewertungen können aber auch gefälscht sein, etwa zu erkennen an ähnlichen Formulierungen oder durchweg exzellenten Benotungen.

Von RND/dpa