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Zu nah an der Politik? Der frühere VW-Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piech (links) und der frühere Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn, mit Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD).

Die Winterkorn-Anklage muss auch für die Politik ein Weckruf sein

Der ehemalige VW-Chef Martin Winterkorn wird wegen des Dieselskandals angeklagt. Das sollte ein Weckruf auch für die Politik sein, meint RND-Redakteur Frank-Thomas Wenzel angesichts der bisherigen Kumpanei von Autobauern und Politikern.

Staatsanwälte werfen Ex-Volkswagen-Chef Martin Winterkorn schweren Betrug und Untreue vor. Bei Daimler geht das Kraftfahrtbundesamt von Software aus, die Motoren nur bei Tests auf dem Prüfstand stark kühlt, um den Ausstoß von Stickoxid nach unten zu manipulieren.

Volkswagen hat längst ein Schuldeingeständnis abgeliefert. Das Unternehmen räumt ein, systematisch bei der Abgasreinigung betrogen zu haben. Die Anklage der Braunschweiger Staatsanwaltschaft gegen Winterkorn ist nur die logische Folge. Inwieweit Daimler gegen Recht und Gesetz verstoßen hat, ist noch nicht klar – manches spricht dafür, dass juristische Grauzonen geschickt genutzt wurden.

Gemeinsam ist indes beiden Fällen, dass getrickst und getäuscht wurde. Manager und Ingenieure waren damit überfordert, zwei Anforderungen gleichzeitig zu erfüllen. Auf der einen Seite mussten sie die Reinigung von Dieselabgasen deutlich verbessern. Auf der anderen Seite sollten sie strikte Kostenvorgaben erfüllen.

Beides ging nicht unter einen Hut. Sie manipulierten in der Überzeugung, dass es den Behörden nicht auffällt. Und falls das doch der Fall sein sollte, dass die zuständigen Politiker ihnen dann notfalls zur Seite springen. Dahinter stecken nicht nur Ignoranz und Größenwahn, sondern auch Erfahrungswerte. Alle Bundesregierungen haben in der Vergangenheit angestrengt weggeschaut.

Die Anklage gegen Winterkorn muss nun ein Weckruf sein. Die Politik muss endlich entschiedener gegen Tricks und Betrügereien vorgehen. Und Automanager müssen sich ehrlich machen. Dieselmotoren müssen sauberer werden. Wo das nicht mit Software geht, muss mit zusätzlichen Katalysatoren nachgerüstet werden. Ansonsten droht ein Reputationsschaden mit unabsehbaren Folgen.

Von RND/Frank-Thomas Wenzel