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Darf auf der IAA nicht sprechen: Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD).

Autokritische Rede: Frankfurts Oberbürgermeister darf nicht auf IAA sprechen

Lob für Klima-Aktivisten, Kritik an der Autobranche: Bei der Eröffnung der IAA wollte der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann der Industrie ins Gewissen reden. Doch daraus wird nichts: Der Verband der Automobilindustrie änderte kurzfristig das Protokoll.

Heute eröffnet die Internationale Automobilausstellung IAA – und eigentlich war eine Eröffnungsrede des Frankfurter Oberbürgermeisters Peter Feldmann (SPD) geplant. Doch anders als in den vergangenen Jahren wird der OB nicht als Redner auftreten. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hat dem Kommunalpolitiker mitgeteilt, dass sich das Protokoll geändert habe, sein Auftritt nicht mehr eingeplant sei. Die Frankfurter Rundschau (FR) hatte zuerst darüber berichtet.

Feldmann wollte für Bus und Bahn werben – und vor SUVs warnen

Der VDA erklärte, die Stadt Frankfurt werde bereits durch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) vertreten. Bereits bei der IAA-Eröffnung vor zwei Jahren hatte sich Feldmann kritisch mit der Autoindustrie auseinandergesetzt. Auch diesmal wollte er der Branche ins Gewissen reden: Er wünsche sich eine Industrie, die „sich gesetzeskonform verhält“, heißt es im Text, den Feldmann auf seinem Facebook-Profil geteilt hat. Der SPD-Politiker hatte geplant, sich für mehr Busse und Bahnen auszusprechen – und vor schweren SUVs zu warnen.

„Wir brauchen eine Mobilitätswende, um den Klimawandel aufzuhalten“, heißt es im Manuskript. Lob hatte der OB für die Teilnehmer an den IAA-kritischen Demonstrationen: „Als Oberbürgermeister bin ich allen, die sich an Demonstrationen beteiligen dankbar, weil es ihnen nicht vorrangig um das eigene Wohl, sondern um eine gute Zukunft für uns alle und den Kampf gegen den Klimawandel geht“.

VDA bestreitet Vorwurf

Der VDA bestritt, dass die Kritik an der Autoindustrie ein Grund für die Ausladung gewesen sei. Gegenüber der Hessenschau sagte ein Sprecher: „Die Vorstellung, dass der VDA einen Redner wegen einer kritischen Rede auslädt, ist völlig abwegig.“

Die Internationale Automobilausstellung, die alle zwei Jahre in Frankfurt stattfindet, steht dieses Mal unter besonderem Druck: Zahlreiche Hersteller haben ihre Teilnahme schon im Vorfeld abgesagt. Von den laut Kraftfahrtbundesamt in Deutschland 34 relevanten Marken sind nur 15 dabei. Außerdem sind rund um die IAA zahlreiche Demonstrationen von Umweltaktivisten angekündigt. So werden am Samstag, dem ersten Publikumstag, rund 20.000 Demonstranten in Frankfurt erwartet. „Eine solche Messe im Sinne der Autoindustrie wird es nach den Protestwochen sicher nicht mehr geben“, sagte ein Sprecher des Bündnisses „Sand im Getriebe“.

Ob die IAA künftig nochmal in Frankfurt stattfindet, ist derweil ohnehin unklar. Der VDA erwägt offenbar einen Umzug nach Berlin oder Köln – und verknüpft damit auch einen Imagewandel.

RND/fh