Donnerstag , 24. Oktober 2019
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IG-Metall-Chef Jörg Hofmann befürchtet die Rückkehr der "Klassenfrage".

IG-Metall-Chef: Keine Lohnzurückhaltung in der Tarifrunde 2020

Die Konjunktur schwächelt – doch die IG Metall will davon nichts wissen. In der kommenden Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie werde man sich bei den Forderungen nicht zurückhalten, kündigte Gewerkschaftschef Hofmann an. In einer Grundsatzrede äußerte sich der Metaller noch radikaler.

Nürnberg. Die IG Metall will sich in der kommenden Tarifrunde für die Metall- und Elektroindustrie trotz konjunktureller Schwächen mit Lohnforderungen nicht zurückhalten. Man werde zu Jahresbeginn eine Forderung beschließen, die wie in der Vergangenheit in die Zeit passe, erklärte der Erste Vorsitzende Jörg Hofmann am Mittwoch beim Ordentlichen Gewerkschaftstag seiner Organisation in Nürnberg.

Für die besonders gefährdeten Gruppen in den Stammbelegschaften müssten die Arbeitgeber Qualifizierungen finanzieren, die zu einer nachhaltigen Beschäftigung führten, forderte Hofmann. Auch an den 2018 eingeführten Wahlmöglichkeiten zur Arbeitszeit will die IG Metall festhalten. Insbesondere sollten auch Teilzeitbeschäftigte, Monteure und Projektarbeiter mit einbezogen werden. Flexible Arbeitszeiten und die Vereinbarkeit von Leben und Beruf dürften nicht mit entgrenzter Arbeit und ständiger Erreichbarkeit erkauft werden.

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Hofmann kritisierte Arbeitgeber, die in zunehmender Zahl aus der Tarifbindung ausstiegen. Die Öffentliche Hand solle die Vergabe ihrer Aufträge daher an die Auflage koppeln, dass die Betriebe tatsächlich tarifgebunden seien, verlangte Hofmann.

Angesichts tiefgreifender Umbrüche in den industriellen Kernbranchen wie Auto, Maschinenbau oder Stahl sieht sich Deutschlands größte Gewerkschaft vor einer Vielzahl an Herausforderungen. Hofmann forderte klare Vorgaben der Politik. „Wir wollen, dass in Deutschland und in Europa das Politische den Ton angibt und nicht der Markt“, sagte er. Die Transformation in eine digitale und CO2-freie Wirtschaft lasse sich nur solidarisch und demokratisch meistern. „Die Gewerkschaft versteht sich als Gegenmacht gegen das blinde Wirken der Marktgesetze.“

„Rückkehr der Klassenfrage“

Er kritisierte auch den zunehmenden Einfluss „renditegetriebenen Finanzkapitals“ und die zunehmende Spaltung der Gesellschaft in arm und reich. Das gelte weltweit, „es ist die Rückkehr der Klassenfrage“, so Hofmann in seiner Grundsatzrede.

Vor der Grundsatzrede hatte Hofmann noch persönliche Worte an die Delegierten des Gewerkschaftstages gerichtet, die ihm am Vortag ein schwaches Ergebnis zur Wiederwahl beschert hatten. Hofmann hatte am mit 71 Prozent Zustimmung das zweitschlechteste Ergebnis eines Vorsitzenden der IG Metall eingefahren. Der „Denkzettel“ habe ihn schon getroffen, sagte der 63-Jährige und forderte dann eine offene Diskussion innerhalb der Gewerkschaft. Niemand solle nun aber denken, dass sich die IG Metall in internen Debatten verliere. „Wir werden klare Kante zeigen.“

RND/hö/dpa