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Die Schlussfolgerung der Bundesbank ist gefährlich. Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Rente mit 69 – bitte nicht!

Die Bundesbank spricht sich für ein höheres Renteneintrittsalter aus. Sie begründet den Vorstoß mit der demografischen Entwicklung. Der Vorschlag gefährdet die Akzeptanz der gesetzlichen Rente, kommentiert Rasmus Buchsteiner.

Berlin. In der Analyse ist der Bundesbank und ihren Experten ja zuzustimmen. Aufgrund der demografischen Entwicklung wird die aus Beiträgen der Arbeitnehmer von heute finanzierte Rente der Arbeitnehmer von gestern Mitte des kommenden Jahrzehnts in Schwierigkeiten geraten.

Aber die Schlussfolgerung der Bundesbank, wonach dem Rentenalter die entscheidende Bedeutung zukomme und die Einführung der Rente mit 69 notwendig wäre, ist gefährlich.

Sie verkennt, was los ist auf dem Arbeitsmarkt. Und sie geht darüber hinweg, wie schnell die Akzeptanz der gesetzlichen Rente verspielt sein kann.

Es gibt Alternativen

Fakt ist: Die Deutschen gehen zurzeit im Schnitt mit 64,0 Jahren in Rente. Beim tatsächlichen Renteneintrittsalter ist sicherlich noch Luft nach oben. Aber viel Luft ist es nicht. Und vor allem nicht für jeden.

Eine Rentenreform, die einzig und allein auf die Rente mit 69, 70 oder noch später setzt, wäre Gift für die gesellschaftliche Stimmung im Land.

Sie würde für Millionen Arbeitnehmer massive dauerhafte Abschläge bedeuten. Und zwar für Beschäftigte in Branchen mit Belastungen, die ein Arbeiten bis 69 kaum erlauben.

Verlässlichkeit sieht anders aus. Und Verhältnismäßigkeit auch.

Die Lösung für die Zukunft nach der Rente kann nur ein Mix von Maßnahmen sein. Unbestritten gibt es Potenziale für längeres Arbeiten. Anreize dafür müssen gesetzt werden, unter anderem durch Prävention in den Betrieben. Und wer länger arbeitet, soll dafür auch einen Aufschlag bekommen.

Es ist durchaus möglich, dass die starken Schultern künftig ein Stück der Rentenausgaben tragen. Zum Beispiel durch eine maßvolle Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze. Oder durch gezielte Steuererhöhungen bei Topverdienern zugunsten der Rentenkasse. Es gibt also Alternativen.

Von Rasmus Buchsteiner/RND