Donnerstag , 14. November 2019
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Dieses Foto, des «U.S. Attorneys Office for Utah» zeigt gefälschte, mit Fentanyl gestreckte Oxycodon-Pillen. In den USA sind besonders West Virginia, Ohio und Kentucky von der Opioidkrise betroffen. Allein in den vergangenen fünf Jahren gab es mehr als 200.000 Todesfälle durch Überdosen. Quelle: U.S. Attorneys Office for Utah/A

Opioid-Krise: Pharmariesen wenden Prozess durch Vergleich ab

Sie sollen für den Tod von 400.000 Menschen mitverantwortlich sein. Pharmakonzerne werden in den USA beschuldigt, die Opioid-Krise ausgelöst zu haben. Mit einer Vergleichszahlung haben vier Pharmariesen nun einen Mammutprozess abwenden können.

Cleveland. Vier große Pharmakonzerne haben in letzter Minute einen richtungsweisenden Schmerzmittel-Prozess in den USA durch einen Vergleich abgewendet. Die Arzneimittelhändler McKesson, AmerisourceBergen und Cardinal Health zahlen dabei nach Angaben eines Klägeranwalts vom Montag zusammen 215 Millionen Dollar. Zudem zahlt der israelische Pharmahersteller Teva 20 Millionen Dollar in bar und stellt Medikamente zur Behandlung von Schmerzmittelabhängigkeit im Wert von weiteren 25 Millionen Dollar bereit. Insgesamt ergibt sich somit eine Vergleichssumme von 260 Millionen Dollar (233 Mio Euro).

Eigentlich hatte an diesem Montag in Cleveland der erste wegweisende US-Prozess gegen Firmen beginnen sollen, die beschuldigt werden, mit Schmerzmitteln zur grassierenden Medikamentenabhängigkeit und Drogen-Epidemie beigetragen zu haben. Bundesstaaten, Städte und Landkreise fordern von der Pharma-Industrie Milliarden von Dollar zurück, die sie für den Kampf gegen Opiat-Abhängigkeit und Überdosierungen ausgegeben haben.

Bei dem nun erzielten Vergleich ging es zunächst nur um Klagen zweier Bezirke im US-Bundesstaat Ohio. Die Konzerne sind mit zahlreichen weiteren Klagen konfrontiert.

400.000 Tote seit 1999

Den Pharmafirmen wird vorgeworfen, aggressiv mit den Schmerzmitteln geworben zu haben. Experten meinen, dass die übermäßige Verschreibung der Opioide essenziell zur aktuellen Krise beigetragen habe. Bis Mitte der 1990er-Jahre waren diese Mittel in den USA nur Schwerkranken vorbehalten. Später wurden die Schmerzmittel inflationär verschrieben. Etwa nach Sportunfällen oder Zahnarztbesuchen.

Zwischen 1999 und 2017 sollen nach Behördenangaben etwa 400.000 Menschen der Opioid-Krise zum Opfer gefallen sein. Die Epidemie zieht auch heute noch große Kreise. Noch immer sterben täglich 130 Menschen an einer Opioid-Überdosis.

RND/ka/dpa