Donnerstag , 14. November 2019
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Jetzt ist es auch bei der Commerzbank soweit: Das Geldinstitut erwägt, Negativzinsen an die Kunden weiter zu geben Quelle: imago/Christian Ohde

Weitere Banken setzen auf Minuszinsen für Sparer

Jetzt ist es auch bei der Commerzbank so weit: Das Geldinstitut erwägt, Negativzinsen an die Kunden weiterzugeben – und so Sparer zu bestrafen, die zu viel Geld auf ihrem Konto bunkern. Allerdings trifft der Schritt nur wenige und sehr wohlhabende Kunden.

Ein Gespenst geht um in Deutschland. Die Angst vor Strafzinsen. Die Meldungen häufen sich. Gerade erst hat der Finanzchef der Commerzbank, Stephan Engels, erklärt, man wolle wohlhabende Privatkunden davon überzeugen, ihr Geld alternativ anzulegen. Es geht um Zeitgenossen, die über „deutlich mehr als eine Million Euro“ an Einlagen verfügen. Doch es werde auch erwogen, wo es „nötig und gerechtfertigt“ sei, Minuszinsen zu verlangen. Die Commerzbank ist nicht allein.

Setzt sich der aktuelle Trend fort, „dann drohen auf breiter Front Negativzinsen auch für durchschnittliche Sparer“, sagte Oliver Maier vom Vergleichsportal Verivox dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Lange hatten Banken und Sparkassen gezögert. Keiner wollte der Erste sein, der an den Pranger gestellt wird. Das Draufzahlen fürs Geld auf der Bank war einst ein Tabu. Schließlich wurde den Bundesbürgern jahrzehntelang eingehämmert, wie gut und richtig das Sparen ist – mit dem Weltspartag als höchstem Feiertag, an dem schon Kinder damit begannen, etwas auf die hohe Kante zu legen. Es war noch ein ausgewachsener Skandal, als die Skatbank in der Spielkartenstadt Altenburg als erste Bank in Deutschland im Jahr 2014 Negativzinsen aufs beliebte Tagesgeld einführte.

Kleinere Vermögen bleiben vorerst verschont

Mittlerweile vergeht kaum ein Tag, da aus der Finanzbranche keine Ansagen kommen, die zwischen freundlichen Hinweisen und offenen Drohungen changieren, wenn’s um Geld auf dem Tagesgeld- oder dem Girokonto geht. Engels gehört ins Lager der Vorsichtigen. Bei privaten Kunden der Commerzbank werde „die Treppe von oben gekehrt“. Man sei noch weit weg von einer Annäherung an die Grenze von 100.000 Euro. Und es werde auch analysiert, wie die Kunden auf die Empfehlungen reagieren würden.

Nach den Daten von Verivox haben mittlerweile mindestens 40 Banken die Negativzinsen eingeführt. Auf anderen Websites werden teilweise mehr als 130 Geldhäuser aufgelistet. Allein seit der Zinssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) im September hätten mindestens zwölf Banken und Sparkassen neue Negativzinsen eingeführt oder bestehende tiefer in den Minusbereich abgesenkt, betont Verivox-Experte Maier. Einen Strafzins von 0,5 Prozent müssen Geschäftsbanken seither zahlen, wenn sie kurzfristig Liquidität bei der Zentralbank parken wollen – zuvor waren es minus 0,4 Prozent gewesen. Die EZB will damit die Kreditinstitute ermuntern, das Geld nicht zu horten, sondern mehr Kredite zu vergeben, zum Wohle der konjunkturellen Entwicklung.

Negativzinsen kosten Banken Milliarden

0,5 Prozent – das hört sich nach wenig an. Doch nach den Worten von Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing bringt das für sein Haus aber eine Belastung in Höhe eines dreistelligen Millionenbetrags. Auf vier Jahre hochgerechnet seien das 2 Milliarden Euro. Und um genau diese Einbußen abzufedern, soll auch Deutschlands größte Privatbank bereits erwägen, alsbald reichen Privatkunden mit Minuszinsen zu drohen.

Doch nicht nur die Millionäre könnte es treffen. Kürzlich wurde bekannt, dass der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) in einem Rundschreiben Empfehlungen gegeben hat, wie mit Kunden über die Möglichkeit von Strafzinsen kommuniziert werden sollte. Mindestens fünf BVR-Mitglieder haben danach nach Verivox-Recherchen an der Negativschraube gedreht. Darunter die VR Bayreuth, die mit minus 0,6 Prozent für Tagesgeld ab 300.000 Euro sogar noch den EZB-Einlagezins unterschreitet.

Andere Banken setzen auf höhere Gebühren

Um den Begriff mit der negativen Konnotation zu vermeiden, haben zahlreiche andere Banken bei den üblicherweise kostenlosen Tagesgeldkonten Gebühren eingeführt, die bis zu 5 Euro pro Monat reichen, was letztlich Minuszinsen durch die Hintertür bedeutet.

Und es gab jüngst einen Dammbruch. Guthaben von weniger als 100.000 Euro wurden bislang nicht angetastet. Doch nun hat die Volksbank Magdeburg beim Tagesgeld schon von 75.000 Euro an 0,5 Prozent „Verwahrungsentgelt“ eingeführt. Das wird dann fällig, wenn im Sparvertrag die Möglichkeit von Minuszinsen festgelegt wurde. Die Bank will nun alle betroffenen Kunden zu einem Beratungsgespräch einladen, um individuelle Vereinbarungen zu treffen.

Verivox empfiehlt den Anbietervergleich

Wie weit die Kreditinstitute gehen, wird in den nächsten Monaten auch vom Verhalten der Kundschaft abhängen. Verbraucherschützer raten, sich nach Instituten mit günstigen Konditionen umzuschauen. Die durchschnittlichen Zinsen liegen beim Tagesgeld laut Verivox aktuell bei bis zu 0,8 Prozent. Festgeld mit zweijähriger Laufzeit kann bis zu 1,4 Prozent bringen und damit sogar über der Inflationsrate liegen. Und dann gibt es natürlich als Alternative zum Sparen jede Menge Geldanlagen, etwa Exchange Traded Fonds (ETF) für langfristig orientierte Anleger, die bei niedrigen Gebühren wichtige Aktienindizes abbilden.

Von Frank-Thomas Wenzel/RND

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