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Markus Duesmann, früheres Mitglied des Vorstandes der BMW AG Quelle: Peter Kneffel/dpa

Auf Schot folgt Duesmann: Schon wieder ein neuer Audi-Chef

Markus Duesmann folgt demnächst auf Bram Schot, der vor kurzem erst auf Rupert Stadler gefolgt ist. Der neueste Audi-Chef ist Techniker und kein Manager von der Stange. Gerüchte um Duesmann gab es schon länger, jetzt bestätigte Volkswagen die Personalie.

München. Er ist ein Kind der industriellen Revolution. „Children of the Industrial Revolution“ lautet jedenfalls der Name der Punkrock-Band, in der Markus Duesmann als Schüler einmal Schlagzeug gespielt hat. Ab Frühjahr gibt der heute 50-Jährige bei der VW-Premiumtochter Audi in Ingolstadt den Takt vor. 20 Monate wird es dann gedauert haben, bis der gebürtige Münsterländer auf dem für ihn schon länger reservierten Chefsessel Platz genommen hat. Bereits im Juli 2018 ist der damalige BMW-Einkaufschef bei seinem alten Arbeitgeber ausgeschieden. Weil sein Vertrag aber eine Sperrklausel beinhaltete, BMW den Aderlass in Richtung VW satt hatte und sich lange stur stellte, mussten Duesmann und VW es aussitzen. Nun bekommt Audi im April einen Chef, der anders ist als andere.

Ein Mann, der Theorie und Praxis, Gegenwart und Zukunft vereint

Ein Autonarr zu sein, gehört quasi zur Berufsbeschreibung derartiger Konzernbosse. Aber, im Gegensatz zu Duesmann, fährt nicht jeder von ihnen leidenschaftlich Motorrad. Und wie er ein solches Zweirad im heimischen Wohnzimmer aufbockt, ist auch in solchen Sphären eher ungewöhnlich. Der trotz imposanter Statur bisweilen jugendhaft wirkende Westfale liebt einfach, was röhrt. Erst für Mercedes, dann für BMW hat er Formel 1-Boliden mitentwickelt. Menschlich gilt der Vater einer Tochter als nahbar und locker. Man sieht ihn oft lachen, was dann nicht gekünstelt wirkt, sondern echt. Audi wollte Duesmann unbedingt haben. Genau genommen war es VW-Chef Herbert Diess, der das wollte. Er kennt den Audi-Chef in spe von gemeinsamen Zeiten bei BMW und lernte ihn dort auch als Fachmann schätzen. Maschinenbau-Ingenieur Duesmann versteht nicht nur etwas von Einkauf, Formel 1 und Motorrädern. Seit seinen beruflichen Anfangsjahren bei Mercedes kennt er sich auch mit Motorenentwicklung für Premiumautos aus. Für BMW hat er unter anderem den Bereich Antrieb geleitet und zuletzt als Einkaufschef eine Kooperation mit dem chinesischen Batteriehersteller CATL ausgehandelt, der jetzt eine Fabrik für Batteriezellen in Erfurt baut. Von seiner technologischen Expertise her deckt der von BMW abgeworbene Manager also Gegenwart und elektrische Zukunft der Autoindustrie ab.

Das sind keine schlechten Voraussetzungen, um Audi wieder zum dem Zugpferd im VW-Stall zu machen, das es einmal war. Dazu hat Vertriebsexperte Schot, der nach der Inhaftierung seines Vorgängers Rupert Stadler Mitte 2018 zum kommissarischen und vorigen Dezember zum regulären Audi-Chef, eigentlich bis 2021, berufen worden war, schon wichtige Vorarbeiten geleistet. In der jetzigen Lage brauche Audi aber wieder einen Techniker an der Spitze, heißt es unisono in Wolfsburg und Ingolstadt. Denn bis einmal möglichst wieder der Werbeslogan „Vorsprung durch Technik“ eingelöst werden kann – und diesmal ohne kriminelles Zutun – ist vor allem im neuen, auch bei Audi ausgerufenen elektromobilen Zeitalter noch einiges zu tun.

Ein geborener Anführer

Wie man sich durchsetzt, weiß Duesmann seit seiner Kindheit. Der Vater ist früh verstorben. Als Halbwaise musste der Münsterländer schneller erwachsen werden als andere. Auch bei BMW galt er wegen seines Naturells und Fachwissens bis zuletzt als Hoffnungsträger und war im Haus sehr beliebt. Im Juli 2018 sah es aber so aus, als könnte er im VW-Reich schneller Chef einer Autofirma werden. Nach dem jüngsten Abgang von Harald Krüger als BMW-Boss ist in München vor kurzem unverhofft ein Spitzenjob frei geworden, für den Duesmann wohl nicht chancenlos gewesen wäre.

Auch der Audi-Chefsessel ist für den Diess-Wunschkandidaten aber fraglos ein weiterer Schritt auf der Karriereleiter. Bewährt sich der Manager, der privat zu Fuß oder mit dem Rad gern lange Strecken zurücklegt, demnächst in Ingolstadt, muss es nicht der letzte sein. Immerhin ist der Audi-Chef in spe gut zehn Jahre jünger als VW-Boss Diess.

Von Thomas Magenheim-Hörmann/RND