Donnerstag , 12. Dezember 2019
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Ein Tesla Model 3. Quelle: dpa

Ein Tesla als Sondermüll: Wer entsorgt das ausgebrannte Auto?

In Österreich ist ein Tesla ausgebrannt, doch kein Recyclingunternehmen will das Wrack samt 600 Kilo schwerer Batterie haben. Denn die stark beschädigte Batterie gilt als gefährlicher Sondermüll. Der Fall wirft Fragen über die Entsorgung von E-Autos auf.

Als Dominik F. aus Tirol mit seinem Tesla gegen einen Baum fuhr, ging sein Wagen in Flammen auf. Übrig blieb nur ein Wrack und eine stark beschädigte, 600 Kilogramm schwere Lithium-Ionen-Batterie. Die Entsorgung wollte kein österreichisches Recyclingunternehmen übernehmen, wie das „Handelsblatt“ berichtet.

Tesla kümmert sich erst nach Wochen um Entsorgung von Batterie

Der Abschleppunternehmer Georg Greiderer aus Tirol sagte dem „Handelsblatt“, dass er nie gedacht hätte, „dass eine solche ausgebrannte Batterie eines E-Autos so ein großes Problem ist“. Seit fünf Wochen steht der Tesla am Rande seines Firmengeländes. Greiderer habe Angst, dass der Wagen wieder in Flammen aufgehe. Selbst für die Feuerwehr stellte die Batterie eine Herausforderung dar: Sie musste das Wrack unter Wasser setzen und drei Tage lang kühlen, damit der Wagen nicht wieder Feuer fängt.

Tesla wollte erst auf Druck der Medien die Batteriereste zurücknehmen, sagte Greiderer. Der amerikanische Autohersteller werde somit erst Wochen nach dem Unfall im Oktober die Entsorgung übernehmen, obwohl Tesla ursprünglich eine reibungslose Entsorgung zugesagt hatte. Ein Tesla-Experte aus den Niederlanden wolle sich mit Greiderer um die Batterie kümmern.

Beschädigte E-Auto-Batterien: Gefährliche Entsorgung und unklare Rechtslage

Wie wird aber langfristig mit solchen Fällen umgegangen? Recyclingunternehmen in Europa seien nur auf unbeschädigte Batterien ausgerichtet und wüssten nicht, wie sie mit ausgebrannten Batterien umgehen sollen, sagt Roland Pomberger, Professor für Abfallverwertungstechnik an der Montanuniversität Leoben dem „Handelsblatt“. Er beschäftigt sich mit der Wiederverwertung von Lithium-Ionen-Batterien. Die Hersteller von E-Autos müssten etwas gegen dieses Problem unternehmen, forderte Pomberger. „Eine solche Batterie ist nicht nur gefährlich, sondern auch die Rechtslage ist unklar“, betont Walter Kletzmayr, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Shredder in Österreich, dem „Handelsblatt“. Da es sich bei der Batterie um ein Gefahrgut handele, sei auch der Transport zu einer Recyclingfirma ins Ausland schwierig.

Nur wenige Recyclingunternehmen entsorgen beschädigte Batterien von E-Autos

Die technischen und rechtlichen Unklarheiten führten dazu, dass kein Recyclingunternehmen die Entsorgung der Batterie unternehmen wollte. Selbst eine unbeschädigte Batterie sei eine große Aufgabe, so Pomberger. Laut „Handelsblatt“ gibt es nur wenige Entsorgungsfirmen, die beschädigte E-Autos zerlegen und wiederverwerten. Beispielsweise übernimmt das deutsche Unternehmen Redux Recycling solche Entsorgungen und Wiederverwertungen. Dadurch wird versucht, wertvolle Rohstoffe wie Kobalt, Nickel, Kupfer und Aluminium wiederzugewinnen. Lithium geht dabei aber verloren. Aufgrund des hohen Energiegehalts erweist sich das Recycling von Lithium-Ionen-Batterien als schwierig und gefährlich.

RND/bk