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In ihrem Stabilitätsbericht geht die deutsche Bundesbank erneut erneut hart mit der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank ins Gericht.

Bundesbank warnt: Klimawandel und Niedrigzinsen bedrohen das Finanzsystem

In ihrem Stabilitätsbericht geht die deutsche Bundesbank erneut hart mit der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank ins Gericht. Allerdings sehen die Finanzexperten ein weiteres Risiko für die hiesige Bankenlandschaft: den Klimawandel.

Frankfurt/Main. Alljährlich veröffentlicht die deutsche Bundesbank ihren sogenannten Finanzstabilitätsbericht – und warnt darin vor Risiken für das deutsche Finanzsystem. Wie in den Vorjahren sehen die Notenbanker die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) auch 2019 als große Bedrohung für die Finanzstabilität. Doch auch der Klimawandel ist der Bundesbank zufolge ein Risiko, dass hiesige Geldinstitute unterschätzen.

Insgesamt sieht die Bundesbank das Finanzsystem in einer riskanten Lage – auch wegen Unwägbarkeiten der Weltpolitik wie etwa dem Brexit oder Handelsstreitigkeiten. „Ein unerwarteter Konjunktureinbruch und abrupt steigende Risikoprämien könnten das deutsche Finanzsystem empfindlich treffen“, erklärte Bundesbank-Vizepräsidentin Claudia Buch bei der Vorstellung des Finanzstabilitätsberichts der Notenbank am Donnerstag in Frankfurt.

1) Die Niedrigzinsen belasten die Banken

Die EZB hatte zuletzt ihre Zinsen erneut gesenkt, mittlerweile werden für Einlagen bei der Zentralbank zum Teil Negativzinsen fällig. Das drückt auf die Gewinne der Banken. „Die niedrigen Zinsen setzen die Zinsmarge der Institute zunehmend unter Druck, belasten deren Profitabilität und stellen so auch ein Risiko für die Finanzstabilität dar“, sagte Joachim Wuermeling, das für Bankenaufsicht zuständige Vorstandsmitglied der Bundesbank.

Sorge bereitet den Experten der Bundesbank auch, dass Banken angesichts niedriger Zinsen zunehmend riskantere Kredite vergeben. Im Falle eines Konjunktureinbruchs könnten die Institute daher in höherem Maße von Wertberichtigungen und Kreditausfällen belastet werden.

2) Der Run auf Immobilien hält an

Die seit längerer Zeit steigenden Preise auf dem deutschen Immobilienmarkt beobachtet die Bundesbank weiterhin aufmerksam. Es bestehe die Gefahr, „dass Marktteilnehmer die vergangene Entwicklung zu optimistisch in die Zukunft fortschreiben und dabei die Werthaltigkeit von Sicherheiten überschätzen“, sagte Buch.

Im Klartext: Es könnte sein, dass Immobilien in der Hoffnung auf weiter steigende Preise gekauft werden – und als Sicherheit Immobilien dienen, deren Wert überschätzt wurde. Die Bundesbank spricht allerdings nicht von einer Immobilienblase.

3) Die Banken sind unzureichend auf den Klimawandel vorbereitet

Auch der Klimawandel birgt aus Sicht der Bundesbank Risiken für die deutsche Bankenlandschaft: Einerseits weil der Klimawandel selbst Risiken – etwa durch wirtschaftliche Schäden nach Unwettern – mit sich bringt. Und anderseits, weil die Klimapolitik „Anpassungen der wirtschaftlichen Strukturen“ erfordere, wie die Zentralbanker in einem Sonderbericht schreiben. Bedeuten kann das laut Bundesbank etwa Wertverluste bei Unternehmen, die auf Fossile Brennstoffe setzen. Auch ein Anstieg der Energiepreise sowie Verschiebungen bei der Produktionsstruktur könnten einzelne Unternehmen belasten – und somit etwa zu Kreditausfällen oder sinkenden Aktienkursen führen.

Deshalb sei es „entscheidend“, dass das Finanzsystem sich gegen entsprechende Risiken wappne, schreiben die Bundesbanker weiter. Allerdings scheinen das nicht alle Geldinstitute zu tun: „Aktuell plant nur ein geringer Anteil der Institute, ihr Risikomanagement um Klimarisiken zu erweitern. Hier besteht Nachholbedarf“, sagt Wuermeling angesichts einer Sonderumfrage, die die Bundesbank unter Geldinstituten durchgeführt hat.

Mit dpa

Von Christoph Höland/RND