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An Heiligabend im Büro hocken? Das sagt das Arbeitsrecht. Quelle: imago images/Panthermedia

Ist Heiligabend ein Feiertag? Weihnachten und Arbeitsrecht

An Heiligabend hat man frei, Arbeitnehmern steht Weihnachtsgeld zu und Eltern haben Recht auf Urlaub zwischen den Feiertagen – stimmt das? Rund um Weihnachten kursieren viele Mythen und Halbwahrheiten in Bezug auf das Arbeitsrecht. Ein Faktencheck.

Hannover. Zu Schulzeiten war alles noch ganz einfach. Die Weihnachtsferien begannen kurz vor Heiligabend und in der Schule musste man frühestens am 2. Januar wieder erscheinen. Doch für die Arbeitswelt gelten zum Teil andere Regeln. Oft herrscht jedoch Unklarheit darüber, welche Bestimmungen gelten. Das fängt bei der einfachen Frage an, ob Heiligabend und Silvester Feiertage sind. Wir klären auf.

Heiligabend ist ein Feiertag

Falsch. Sowohl Heiligabend als auch Silvester gelten in Deutschland nicht als gesetzliche Feiertage. Sofern sie nicht auf einen Sonntag fallen, müssen Arbeitnehmer am 24. und 31. Dezember regulär arbeiten. Zwar gilt Heiligabend in einigen Bundesländern als „stiller Feiertag“. Das bedeutet aber lediglich, dass öffentliche Veranstaltungen ab Nachmittag nur eingeschränkt erlaubt sind.

Wer an Heiligabend oder Silvester freihaben möchte, muss dafür also prinzipiell Urlaub beantragen. Trotzdem ist es in einigen Betrieben üblich, dass am 24. und 31. Dezember gar nicht oder nur ein halber Tag gearbeitet werden muss. Geregelt ist das im Arbeits- oder Tarifvertrag beziehungsweise in der Betriebsvereinbarung.

Die Arbeits- und Feiertage im Überblick:

24. Dezember 2019 (Heiligabend) – Arbeitstag 25. Dezember 2019 (erster Weihnachtstag) – Feiertag 26. Dezember 2019 (zweiter Weihnachtstag) – Feiertag 27. Dezember 2019 – Arbeitstag 28. Dezember 2019 – Arbeitstag (Samstag) 29. Dezember 2019 – Sonntag 30. Dezember 2019 – Arbeitstag 31. Dezember 2019 (Silvester) – Arbeitstag 1. Januar 2020 (Neujahr) – Feiertag 2. Januar 2020 – Arbeitstag

Wer von Heiligabend bis Neujahr freihaben möchte, muss dafür also vier beziehungsweise fünf Urlaubstage beantragen, je nachdem, welche Vereinbarungen im Betrieb gelten.

Für Arbeit an Weihnachten gibt es Zuschläge

Falsch. Auch hier gelten wieder die vertraglichen Regelungen des jeweiligen Arbeitgebers. Grundsätzlich haben Arbeitnehmer nämlich keinen Anspruch auf Lohnzuschläge, wenn sie an Sonn- oder Feiertagen arbeiten. Das hat das Bundesarbeitsgericht 2006 entschieden.

Anspruch besteht lediglich auf einen Ausgleichstag. Für Feiertage gilt eine gesetzliche Frist von acht Wochen, innerhalb derer der Ersatzruhetag zu gewähren ist. Viele Arbeitgeber zahlen ihren Beschäftigten dennoch Zuschläge aus, wenn sie an den Weihnachtsfeiertagen arbeiten.

Eltern haben Vorrecht auf Weihnachtsurlaub

Falsch. Eltern haben kein Vorrecht auf Urlaub „zwischen den Jahren“, nur weil ihre Kinder in dieser Zeit Schulferien haben. Sofern Arbeitnehmer nicht in einem Unternehmen mit Betriebsferien beschäftigt sind, gilt die vertraglich vereinbarte Arbeitspflicht – auch für Eltern. Allerdings sollten Arbeitgeber die Urlaubswünsche ihrer Mitarbeiter in Hinblick auf soziale Aspekte wie Alter, Dauer des Arbeitsverhältnisses oder eben Kinder berücksichtigen.

Arbeitnehmern steht Weihnachtsgeld zu

Falsch. Beim Weihnachtsgeld handelt es sich um eine freiwillige Sonderzahlung, es besteht kein automatischer Anspruch – es sei denn, es ist im Tarifvertrag einer Branche oder eines Unternehmens festgelegt. Ob Arbeitnehmer den auch als Weihnachtsgratifikation bezeichneten Lohnzuschuss erhalten, hängt also vom konkreten Arbeitsplatz ab.

Resturlaub darf ins neue Jahr mitgenommen werden

Richtig. Allerdings liegt der Teufel auch hier wieder im Detail. Prinzipiell verfallen Urlaubsansprüche zum Jahresende. Es sei denn, es liegen gewichtige Gründe seitens des Betriebs oder des Arbeitnehmers vor. In der Praxis ist es deshalb oft möglich, Urlaubstage in das kommende Kalenderjahr zu übertragen. Diese Urlaubsansprüche müssen aber bis Ende März genommen und gewährt werden.

Möglich macht das eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) von November 2018, wonach Resturlaub nicht automatisch zum Jahresende verfällt. Zwar ist diese Norm noch nicht in deutsches Recht übernommen worden. Es ist aber davon auszugehen, dass sich Arbeitsgerichte in der Regel an der EuGH-Entscheidung orientieren.

Von Patrick Fam/RND