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Grünen-Chef Habeck auf der Bundesdelegiertenkonferenz der Grünen in Bielefeld. (Archivfoto) Quelle: imago images/Sven Simon

Habecks Trump-Kritik: Der Grünen-Chef darf so reden – noch

Nach der Rede von Donald Trump in Davos greift Grünen-Chef Robert Habeck den US-Präsidenten verbal scharf an. Und das darf er auch, kommentiert Markus Decker. Denn noch ist er so frei – noch.

Berlin. Dürfen Politiker so reden? Darf der Vorsitzende der Grünen, Robert Habeck, über den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Donald Trump, sagen, er sei „der Gegner“ und stehe „für all die Probleme, die wir haben“? Darf er fordern, ihm „nicht auch noch Honig ums Maul zu schmieren für so ’ne Rede“? Darf er gar despektierlich ausstoßen: „Und dann kommt so einer?“ Sprich: der letzte Hanswurst. Die Antwort ist: Ja, Habeck darf das.

Sicherlich ist es etwas seltsam für den Chef der nach Umfragen beliebtesten Oppositionspartei, wenn er in Davos eher zufällig vor der Linse einer ZDF-Reporterin landet und aus der Situation heraus sowie unter dem Eindruck der Trump-Rede einfach mal losledert. Was auf die einen erfrischend unkonventionell und authentisch wirkt, wirkt auf andere aus ebenso nachvollziehbaren Gründen unbedarft und unprofessionell.

Nur hat Trump die Kritik genauso verdient. Denn er agiert bekanntlich immer so ignorant wie beim Weltwirtschaftsforum. Und er tut es auch im Angesicht einer globalen Bedrohung wie dem Klimawandel. Überdies ist Habeck nicht der erste, der so über Trump spricht. Der damalige Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) nannte den Präsidentschaftskandidaten Trump im Jahr 2016 einen „Hassprediger“. 2019 schreckte sein Parteifreund Rolf Mützenich als Vorsitzender einer Regierungsfraktion vor dem Wort „Rassist“ nicht zurück. Der grüne Außenminister Joschka Fischer stritt sich mit seinem amerikanischen Amtskollegen Donald Rumsfeld bei der Münchner Sicherheitskonferenz im Vorfeld des Irak-Krieges auf offener Bühne. „I am not convinced“, rief er 2003 aus. „Ich bin nicht überzeugt.“

Schimpfworte wie „Hassprediger“ oder „Rassist“ nahm Habeck nicht in den Mund. Doch selbst wenn er es getan hätte: Was hätte es eigentlich verändert? Trump nimmt ja so oder so keine Rücksicht auf niemanden. Er sät den Hass, nicht seine Gegner. Vielleicht ist es deshalb sogar notwendig, dass ab und zu mal ein hochrangiger Politiker klarstellt, was in der von Populisten systematisch verdrehten Welt richtig und was falsch ist. Das diplomatische Getue glaubt ohnehin kein Mensch mehr, wenn hinter den Kulissen die Messer gewetzt werden.

Habeck, der übrigens gerade zu einer Reise in die USA aufbricht, darf so reden, wie er es getan hat. Noch ist er so frei. Die Betonung liegt auf: noch. Denn es ist ja durchaus möglich, dass er nächster Außenminister der Bundesrepublik Deutschland wird; mit einiger Wahrscheinlichkeit wird er Mitglied der nächsten Bundesregierung. Wenn es so weit ist, wird Habeck diese Freiheit ablegen müssen.

Von Markus Decker/RND