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Nur selten gab es in diesem Winter Minusgrade. Quelle: imago images/Rene Traut

Winter mit Nebenwirkungen: Was die milden Temperaturen für uns bedeuten

Ein strenger Winter lässt weiter auf sich warten. Eigentlich eine gute Nachricht für Bauindustrie und Stadtreinigung. Das mag auf den ersten Blick so erscheinen, ist aber nur bedingt der Fall. Wer sich über den milden Winter freuen kann und wer nicht.

Dresden. Januartage ohne Schnee und Frost: Manchen Städten kommt das milde Winterwetter entgegen. Mit Sorgen wird allerdings die anhaltende Trockenheit beobachtet. Wer profitiert also vom bisher milden Winter?

Arbeitsmarkt: Hier macht sich die Witterung kaum bemerkbar. Ein Grund, wie die Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit in Chemnitz mitteilte: Auch bei saisonabhängigen Berufen hielten die Unternehmen immer öfter an ihren Fachkräften fest und vermieden es, sie über den Winter freizusetzen. Bauindustrie: Sie profitiert kaum von den milden Temperaturen. Die Winterpause ist in der Branche meist fest eingeplant. Beim Straßenbau werde auf fast allen über den Jahreswechsel laufenden Baustellen gearbeitet, berichtete die Sprecherin des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr, Isabel Pfeiffer. Kleinere Bauverzüge würden aufgeholt oder ein wenig Vorsprung erarbeitet. Generell gelte jedoch: Bei den Fertigstellungsterminen sei ein Puffer für die Winterpause einkalkuliert. In den Baubetrieben hätten die Mitarbeiter zudem unter anderem die Betriebsruhe im Dezember und Januar für ihre Ferien eingeplant oder sie bauten aufgelaufene Arbeitszeitkonten ab. So liegen die Baustellen brach – egal, bei welchem Wetter. Die Baubranche sei seit jeher auf neun Monate eingestellt, erläutert Robert Momberg, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverband Ost. Die Winterpause werde zudem traditionell auch zur Weiterbildung der Mitarbeiter genutzt. Falle die weg, müsse diese möglicherweise in den laufenden Betrieb eingetaktet werden. Die milde Witterung führe nicht zu mehr Aufträgen oder höheren Umsätzen. Das Bauvolumen verteile sich innerhalb des Jahres nur anders. Einzelhandel: Für den Handel ist der warme Winter nicht sonderlich gut. Ihre Lager sind voll mit dicken Pullovern, kuscheligen Mützen und warmen Jacken. Freuen können sich hingegen die Schnäppchenjäger auf den Winterschlussverkauf ab nächster Woche. Dieser startet am Montag. Vor allem die Lager der Textilhändler sind noch gut gefüllt und müssen geräumt werden. „Bei dem am Montag beginnenden Winterschlussverkauf (WSV) können Schnäppchenjäger auf eine große Auswahl hoffen“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Sachsen, René Glaser. Vor allem die Modehäuser müssten die Lager räumen, um Platz für die Frühjahrsmode zu schaffen. Am freiwilligen Schlussverkauf beteiligen nach Schätzungen des Verbandes etwa drei Viertel der Einzelhändler. Der WSV dauert in der Regel zwei Wochen. Stadtverwaltung: Statt sich auf den Winterdienst zu konzentrieren, können die Städte weiter am Gehölzschnitt und der Begrünung und Pflanzung arbeiten. Allerdings ist der fehlende Bodenfrost bei der Baumpflege auch problematisch, weil etwa die Wiesen beim Befahren durch Fahrzeuge Schäden erlitten. Die städtischen Gärtner in Dresden nutzen die Gelegenheit, die im Oktober und November angelieferten Bäume im Stadtgebiet zu pflanzen. Zudem werden laut Stadt die durch Hitze und Trockenheit der vergangenen Sommer abgestorbenen Bäume noch vor Beginn der Naturschutzzeit am 1. März gefällt. Stadtreinigung: „Der fehlende Schnee macht uns zusätzliche Arbeit“, sagte die Sprecherin der Stadtreinigung in Leipzig, Susanne Zohl. „Wenn es schneit, dann ist die Laubsaison zu Ende und wir können uns auf den Gehölzschnitt konzentrieren. Solange aber das Laub noch vom Wind verblasen wird, haben wir damit Dauerbeschäftigung bis ins Frühjahr.“ Zudem müssten Flächen auch ohne Schnee gegen überfrierende Nässe abgestumpft werden.

Sorgen bereiten schon jetzt die weiter fehlenden Niederschläge – und das im Winter. Die Grundwasserstände der Elbe zum Beispiel lägen an den städtischen Messstellen im Schnitt um einen Dreiviertelmeter unter dem Monatsmittelwert der vergangenen elf Jahre.

RND/dpa