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Am Flughafen herrscht Leere: Um die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus einzudämmen, verhängen einige Fluglinien Reisebeschränkungen. Quelle: Hin255/Getty Images/iStockphoto

Coronavirus: Schaden Reiseverbote und Schließungen der Weltwirtschaft?

Um die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus einzudämmen, verhängen einige Fluglinien Reisebeschränkungen. Außerdem fahren Unternehmen wie Apple oder Amazon ihr Geschäft zurück. Nun warnen Experten davor, dass der Aktionismus der Weltwirtschaft schaden könnte.

Wisconsin. Auf eine Eindämmung des neuen Coronavirus zielende Reisebeschränkungen und vorübergehende Schließungen von Unternehmen könnten nach Ansicht von Experten der Weltwirtschaft schaden. Wenn Flugzeuge, Schiffe, Züge und Autos nicht mehr unterwegs sein dürften, lege das allmählich die Wirtschaft lahm, sagte Eric Toner, Forscher am Johns-Hopkins-Zentrum für Gesundheitssicherheit, am Samstag.

Zuvor hatten zahlreiche Fluglinien angekündigt, Flüge von und nach China auszusetzen oder deren Zahl zu verringern. Mehrere Länder, darunter die USA, verhängten Reisebeschränkungen. Dadurch würden nicht nur die Piloten von Fluglinien arbeitslos, sondern es betreffe alle, die vom Reiseverkehr abhängen, sagte Toner.

Coronavirus: Unternehmen wie Apple und Amazon fahren ihr Geschäft zurück

Und es sind nicht nur Fluggesellschaften, die ihr Geschäft in China zurückgefahren haben. Apple gab am Samstag bekannt, alle seine Büros und seine 42 Läden im Kernland Chinas vorübergehend zu schließen. Die Vorsichtsmaßnahme gelte bis zum 9. Februar, erklärte das Unternehmen. Google, Amazon und Microsoft hatten zuvor Pläne verkündet, Büros zeitweise zu dichtzumachen, Starbucks und McDonald’s schlossen einige Filialen.

Experte Toner sagte, die Entscheidung von Apple könnte der Wirtschaft und dem Unternehmen selbst schaden. Zugleich betonte er, dass viele Firmen, darunter Fluggesellschaften, ihre Beschäftigten schützen wollten.

Negative Auswirkungen von Handels- und Reisebeschränkungen

Toner leitete im Oktober mit dem Weltwirtschaftsforum und der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung einen Gipfel, um über negative Auswirkungen von Handels- und Reisebeschränkungen während einer Pandemie zu diskutieren. In einer Abhandlung, die aus dem Treffen hervorging, schloss das Johns-Hopkins-Zentrum, dass „Angst und Ungewissheit während früherer Ausbrüche, selbst solcher, die auf nationale oder regionale Ebene beschränkt waren, manchmal zu ungerechtfertigten Grenzmaßnahmen geführt haben“.

Zu den Staaten, die Reisebeschränkungen verhängt haben, zählen die USA, Australien, Singapur, Japan und Südkorea. Eine wachsende Zahl von Fluglinien fliegt das chinesische Kernland nicht mehr an. Mindestens 25 Länder weltweit haben Fälle des neuen Coronavirus gemeldet, das zuerst in China entdeckt wurde „Reisebeschränkungen können mehr Schaden anrichten, als dass sie nützen, indem sie den Austausch von Informationen, medizinische Versorgungsketten behindern und die Wirtschaft schädigen“, mahnte der Generalsekretär der Weltgesundheitsorganisation, Tedros Adhanom Ghebreyesus.

Statt Reiseverboten: Experte fordert mehr Aufklärung bezüglich des Coronavirus

Experte Toner sagte, die Regierungen versuchten letzlich, „etwas zu tun, das sehr wenig Nutzen“ habe, aber „sehr realen Schaden“ anrichte. Es habe sich immer wieder gezeigt, dass das Errichten von Reisehindernissen die Verbreitung von ansteckenden Krankheiten nicht verhindere. Toner verwies auf Ausbrüche von Ebola, Zika und sogar Grippe in der Vergangenheit. Stattdessen müssten Regierungen die Menschen über das Virus aufklären und Personen, die möglicherweise einer Ansteckungsgefahr ausgesetzt waren, dazu drängen, sich in Quarantäne zu begeben, forderte er.

RND/AP