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Mehrere Studien belegen, dass Dialektsprecher durchschnittlich weniger Gehalt bekommen. Quelle: Arne Dedert/dpa

Liaba Hochdütsch snacken: Wer Dialekte spricht, bekommt weniger Gehalt

Mehr als die Hälfte der Deutschen spricht nach eigenen Angaben einen Dialekt. Dabei können sich Mundarten negativ auf das Gehalt auswirken, wie amerikanische Ökonomen in einer neuen Studie herausfanden. Denn Dialektsprecher verdienen rund 20 Prozent weniger als Kollegen ohne Dialekt.

Massachusetts. Ob Fränkisch, Platt, Sächsisch oder Bairisch – wer einen Dialekt spricht, verdient rund 20 Prozent weniger als Kollegen, die Hochdeutsch sprechen. Zu dieser Erkenntnis sind die Ökonomen Jeffrey Grogger, Andreas Steinmayr und Joachim Winter in ihrer Studie „The Wage Penalty of Regional Accents“ gekommen. Veröffentlicht wurde die Untersuchung vom National Bureau of Economic Research in den USA.

12 Prozent der Befragten sind Dialektsprecher

Für ihre Studie nutzten die drei Wirtschaftswissenschaftler Daten des sogenannten Sozio-ökonomischen Panels (SOEP), einer repräsentativen Befragung von Privathaushalten in Deutschland. Bei den 950 Teilnehmern zeigten 45 Prozent eine leichte, 2 Prozent keine und 12 Prozent eine mittlere bis starke sprachliche Färbung. Letztere wurden schließlich als Dialektsprecher definiert, schreibt die „Welt“-Zeitung, die zuvor über die Untersuchungen berichtete.

„Alle unsere Schätzungen zeigen, dass das Sprechen mit einem ausgeprägten regionalen Akzent die Löhne um einen Betrag reduziert, der mit dem geschlechtsspezifischen Lohngefälle vergleichbar ist“, schreiben die Ökonomen in ihrer Untersuchung. Berücksichtigt wurden auch andere Ursachen für ein geringeres Einkommen wie geringere kognitive Fähigkeiten und eine geringere Bildung. Mithilfe von ökonomischen Modellen bereinigten die Wirtschaftswissenschaftler die gesammelten Daten der Befragung um weitere, mögliche Einflussfaktoren.

Mehr als die Hälfte der Deutschen spricht Dialekt

Doch können die Ergebnisse der Studie auf die Gesamtbevölkerung angewendet werden? Die relativ geringe Teilnehmerquote macht das eher schwierig. Schließlich lassen sich von den 950 Befragten nur rund 12 Prozent, also 114 Teilnehmer, in die Kategorie der Dialektsprecher einordnen.

Trotzdem gab es bereits ähnliche Untersuchungen, die zum Vergleich herangezogen werden können. Zum Beispiel die Studie von Yuxin Yao und Jan C. van Ours. Sie fanden heraus, dass in den Niederlanden Dialektsprecher durchschnittlich 6 Prozent weniger verdienen. Auch der an der jetzt veröffentlichten Studie beteiligte Jeffrey Grogger hatte sich schon zuvor mit dem Einfluss von Dialekten auf das Einkommen beschäftigt. Sein Ergebnis: US-Amerikaner, die Englisch mit dem für Afroamerikaner typischen Akzent sprechen, bekommen weniger Gehalt.

 

Nach früheren Schätzungen des Instituts der deutschen Sprache (IDS) hatte mehr als die Hälfte der befragten Deutschen angegeben, einen Dialekt zu sprechen. Die meisten Dialektsprecher würden im Süden beziehungsweise Südwesten Deutschlands und im Ostteil Berlins leben. Übrigens: „Am sympathischsten wird der norddeutsche Dialekt empfunden, gefolgt von Bairisch und Alemannisch“, so das IDS.

Von Laura Beigel/RND