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Die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus drückt auf die Kurse an den Börsen. Immer mehr Unternehmen treten bei Prognosen für künftige Geschäfte auf die Bremse. Quelle: Frank Rumpenhorst/dpa/dpa-tmn

BDI: Mehr als 5000 deutsche Unternehmen stark vom Coronavirus betroffen

Das Coronavirus trifft auch die Wirtschaft – und zwar heftig, wie Industrieverbände betonen. Der BDI hat nun erneut die Bundesregierung um Unterstützung gebeten. Mehr als 5000 Unternehmen hätten mittlerweile immer größere Probleme.

Die deutsche Industrie fordert angesichts des Coronavirus Hilfen der Bundesregierung. Die ohnehin angekündigten wirtschaftspolitischen Impulse zur Belebung des Wachstums müssten jetzt auch kommen, sagte Joachim Lang, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Immer mehr Unternehmen müssen wegen der Virusepidemie ihre Abläufe umstellen und Ziele kappen. Mehrere Messen wie die nächste Woche beginnende Internationale Tourismus-Börse (ITB) Berlin und eine gerade gestartete Reifenmesse in Hannover schlossen Besucher aus, die zuletzt in China waren. Die Lufthansa besetzt freie Stellen vorerst nicht, auch die niederländische Airline KLM kündigte Sparmaßnahmen an. Mehrere Häfen rechnen mit negativen Auswirkungen.

Ein Stresstest für die Wirtschaft

Die Corona-Epidemie sei ein “Stresstest für die Wirtschaft”, den einige Lieferketten derzeit nicht bestünden, beklagte Lang. Vor allem in der exportorientierten Industrie seien die Auswirkungen spürbar. “Die mehr als 5000 deutschen Unternehmen in China sind derzeit in Beschaffung, Produktion und Absatz stark eingeschränkt.”

Die Unternehmen hätten sich zwar auf die Situation in China eingestellt und versuchten, Lieferketten neu zu organisieren und Abhängigkeiten von einzelnen Lieferanten zu verringern. Doch das helfe nur bedingt: “Trotz der Stützungsmaßnahmen Pekings wird die wirtschaftliche Aktivität durch teils widersprüchliche Sicherheitsmaßnahmen der Behörden behindert”, sagt Lang. “Der Konjunktur drohen spürbar negative Effekte.” Auf China entfielen 8,5 Prozent des deutschen Außenhandels.

Wachstumsprognose abgesenkt

Von vielen Unsicherheiten sprach zuletzt auch der Internationale Währungsfonds (IWF). Konkrete Prognosen zu den Folgen der Epidemie seien derzeit kaum möglich. Auch wegen des Virus hatte der IWF die globale Wachstumsprognose am Dienstag leicht abgesenkt.

Wie die Bundesregierung der Wirtschaft konkret unter die Arme greifen könnte, führte Lang nicht aus. Er sprach von “wirtschaftlichem Krisenmanagement” und “koordiniertem wirtschaftspolitischen Vorgehen der Bundesregierung”. Zuletzt hatte Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) angekündigt, mit “wirtschaftspolitischen Impulsen” das Wachstum zu beleben, und dabei explizit Entlastungen für Unternehmen ins Spiel gebracht.

Siemens bereitet sich auf Pandemie vor

Indes ist unklar, wie sich ein größerer Corona-Ausbruch in Deutschland auf die hiesige Wirtschaft auswirken würde. Der BDI wollte sich dazu nicht äußern. Recherchen des RND sowie anderer Medien hatten zuletzt gezeigt, dass sich größere Unternehmen auf entsprechende Situationen einstellen. Siemens erklärte etwa gegenüber der “Welt”, dass es Vorbereitungen für eine Pandemie gebe. Details dazu würden aber nicht veröffentlicht.

Zumindest für die Beschäftigten schaffte das Bundesarbeitsministerium zuletzt Klarheit: Aus Sicht des Hauses von Hubertus Heil (SPD) besteht auch bei behördlich angeordneten Schließungen von Betrieben ein Anspruch auf Entgeltfortzahlung, wie ein Sprecher dem RND sagte.

Hygiene- und Medizinartikelhersteller fahren derweil Sonderschichten: Die Nachfrage nach Masken oder Produkten zum Desinfizieren sei gestiegen, hieß es beim Hersteller Paul Hartmann. Bei der Tochter Bode, die Desinfektionsmittel herstellt, werde nun auch am Wochenende gearbeitet. Beim Hersteller von Sagrotan, der RB Hygiene Home Deutschland, spricht man von exponentieller Zunahme der Nachfrage. Und der Apothekerverband berichtet von einem regelrechten Ansturm auf Schutzmasken, bei denen es mittlerweile erhebliche Lieferengpässe gebe.