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Ein alterndes Publikum und der Handelsstreit mit China und der EU setzen Harley-Davidson zu. Quelle: epa

Führungswechsel bei Harley-Davidson: Matt Levatich übergibt Vorsitz an Ex-Puma-Chef

Die über 116 Jahre alte Kult-Motorradschmiede Harley-Davidson hat sich vom US-Vorzeigekonzern zum Problemfall entwickelt. Nun wirft Chef Matt Levatich das Handtuch. Seine Nachfolge tritt der deutsche Wirtschaftsmanager Jochen Zeitz an – allerdings nur vorübergehend.

Milwaukee. Der Chef der US-Motorrad-Ikone Harley-Davidson, Matt Levatich, nimmt seinen Hut. Als Nachfolger ernannte das Unternehmen am Freitag nach US-Börsenschluss zunächst den früheren Chef des deutschen Sportartikelherstellers Puma, Jochen Zeitz.

Zeitz gehört zu deutschen Top-Managern

Zeitz sitzt schon seit 2007 im Aufsichtsrat von Harley-Davidson. Er soll den Spitzenjob aber nur vorübergehend übernehmen, bis eine dauerhafte Lösung gefunden ist. “Der Verwaltungsrat und das Führungsteam von Harley-Davidson werden bei der Suche nach einem neuen Vorstandschef eng zusammenarbeiten”, kündigte Zeitz an.

Der 56-jährige deutsche Top-Manager hatte 1993 im Alter von nur 30 Jahren als damals jüngster Vorstandsvorsitzender einer deutschen Aktiengesellschaft den Chefposten bei Puma übernommen und den Adidas-Rivalen in seiner 18-jährigen Amtszeit von einem maroden Unternehmen zu einem Konzern mit Milliardenumsatz aufgebaut.

Handelsstreit mit China und der EU setzt Unternehmen zu

Levatich war 1994 zu Harley-Davidson gekommen und im Mai 2015 zum Vorstandschef befördert worden. Seine Amtszeit war von einer tiefen Krise geprägt, die Verkäufe auf dem US-Heimatmarkt sanken 2019 das fünfte Jahr in Folge.

Auch international laufen die Geschäfte schon länger nicht mehr rund. Harley-Davidson ächzt unter dem von der US-Regierung angezettelten Handelsstreit mit China und der EU, der zu hohen Einfuhrzöllen auf die Produkte des Herstellers geführt hat.

Führungswechsel steigert Aktienkurs

Das Unternehmen leidet zudem unter einer alternden Kundschaft und Konflikten mit Anhängern von US-Präsident Donald Trump. Dieser hatte Harley-Davidson zeitweise heftig wegen Produktionsverlagerungen ins Ausland attackiert, was zu Boykottaufrufen führte. Das Unternehmen will etwa mit E-Motorrädern die Kurve kriegen, die jüngere Käufergruppen ansprechen sollen – tut sich aber auch damit schwer.

„Wir betrachten 2020 als entscheidendes Jahr“, sagte Levatich bei der Vorlage der Jahreszahlen Ende Januar angesichts der großen Herausforderungen. Bei Anlegern kam die Nachricht von seinem Rücktritt gut an, die Aktien von Harley-Davidson legten nachbörslich um über fünf Prozent zu.

An der Wall Street hat das 1903 in Milwaukee gegründete US-Traditionsunternehmen einen schweren Stand. Im bisherigen Jahresverlauf fiel der Aktienkurs um 18 Prozent.

RND/dpa