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Ein Landwirt grubbert ein Feld bei rotem Abendhimmel. Quelle: Philipp Schulze/dpa

Europas Agrarminister versprechen: Es wird genug Lebensmittel geben

Die Viruskrise trifft auch Europas Landwirte. Manche haben Schwierigkeiten mit der Ernte, und frische Ware kommt nicht mehr so schnell zu den Kunden. Die Agrarminister diskutieren deshalb die Frage, ob noch ausreichend Essen in die Läden kommt.

Brüssel. Europas Lebensmittelproduktion stößt in der Coronavirus-Krise auf eine Reihe kritischer Hindernisse. Dennoch werde weiterhin genügend Essen produziert, erklärte die kroatische EU-Ratspräsidentschaft nach einer mehrstündigen Videokonferenz der europäischen Agrarminister am Mittwoch. “Die Minister betonten, dass ausreichend Lebensmittel für europäische Verbraucher vorhanden waren und sein werden”, hieß es in der Mitteilung.

Klöckner: EU-Kommission muss sich auf Marktstörungen vorbereiten

Die meisten Mitgliedstaaten hätten in der Konferenz auf Einschränkungen im Warenverkehr, Veränderungen in den Konsummustern und im Ablauf der Nahrungsmittelproduktion sowie Arbeitskräftemangel als Folge der Grenzschließungen, der Regeln für sozialen Abstand und Quarantänevorschriften hingewiesen. Die Auswirkungen reichen so weit, dass mehrere EU-Staaten nach Angaben von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) regulierende Eingriffe in den europäischen Markt für Agrarprodukte verlangten.

Deutschland halte derzeit keine Marktmaßnahmen nötig, sagte Klöckner. Die Ministerin drang angesichts der Viruskrise jedoch auf einen Erhalt der Agrarmärkte. „Wichtig ist, dass die üblichen Bezugs- und Absatzwege weitgehend erhalten bleiben“, sagte sie. Eine „wesentliche Voraussetzung“ dafür sei, dass der freie Warenverkehr im Binnenmarkt weiter funktioniere. Die EU-Kommission müsse sich aber auch auf schlimmere Störungen des Marktes als bisher vorbereiten.

“Sollte es aufgrund des weltweiten Corona-Geschehens (…) zu außergewöhnlichen Marktstörungen kommen, sollten die Instrumente der Gemeinsamen Marktorganisation einsatzfähig sein”, verlangte Klöckner. Die EU-Kommission darf beispielsweise in den Markt eingreifen, wenn es erhebliche Preisschwankungen gibt oder schwere Ungleichgewichte auf dem Markt für landwirtschaftliche Produkte entstehen.

In den vergangenen Wochen hatten etliche EU-Staaten versucht, die Ausbreitung des Coronavirus mit Kontrollen an den sonst offenen Binnengrenzen der EU zu bremsen. Das führte zu langen Wartezeiten für grenzüberschreitende Transporte mit verderblichen Lebensmitteln oder Schlachtvieh. Klöckner betonte, dass viel Lebensmittelhersteller ihre Rohstoffe und Zutaten aus dem EU-Ausland bezögen – beispielsweise Rohmilch für Molkereien. „Hierbei darf es zu keinen Verzögerungen an der Grenze kommen“, sagte die Ministerin.

Grenzüberschreitende Transporte sprachen die Minister auf ihrer Konferenz ebenso an wie Probleme beim Einsatz von Saisonarbeitern und Hilfen für Unternehmen in Schwierigkeiten. In Deutschland fehlen Erntehelfer, weil Saisonkräfte wegen geschlossener Grenzen nicht mehr anreisen können. Manche Betriebe könnten wegen der Ernte- und Absatzprobleme in wirtschaftliche Not geraten.

Landwirte können nicht mehr auf Saisonarbeiter hoffen

Das Bundesinnenministerium hat am Mittwoch bis auf weiteres ein Einreiseverbot für Saisonarbeiter angeordnet. Die Regelung gelte für die Einreise aus Drittstaaten, aus Großbritannien, für EU-Staaten wie Bulgarien und Rumänien, die nicht alle Schengen-Regeln vollumfänglich anwenden, sowie für Staaten wie Polen oder Österreich, „zu denen Binnengrenzkontrollen vorübergehend wieder eingeführt worden sind“.

Die EU-Kommission hatte am Dienstag darauf hingewiesen, dass neue Beihilferegeln eine finanzielle Unterstützung von bis zu 120.000 Euro pro Betrieb in Landbau und Fischerei zulassen. Ministerin Klöckner begrüßte diese Möglichkeiten. Die größeren Hilfsmöglichkeiten entsprächen auch einem deutschen Wunsch.

RND/dpa