Aktuell
Home | Nachrichten | Wirtschaft | Bayer vor Einigung mit Großteil der Glyphosat-Kläger
Der Bayer-Konzern ist bei seinem Rechtsstreit mit den fast 125.000 Glyphosat-Klägern ein großes Stück weiter. Quelle: imago images/ZUMA Press/AP/dpa/Montage RND

Bayer vor Einigung mit Großteil der Glyphosat-Kläger

Mit der milliardenschweren Übernahme des US-Saatgutriesen Monsanto hat sich Bayer einst massive Rechtsrisiken aufgehalst. Nun scheint es bei der größten juristischen Baustelle des Dax-Konzerns große Fortschritte zu geben. An der Börse kommen die Neuigkeiten gut an.

Der Bayer-Konzern ist bei den Vergleichsverhandlungen im US-Schadenersatzstreit um den Unkrautvernichter Glyphosat vorangekommen. “Wir haben in den Mediationsgesprächen zu Roundup unter der Aufsicht von Ken Feinberg Fortschritte erzielt”, teilte ein Sprecher des Pharma- und Agrarchemiekonzerns am Montag in Leverkusen mit. Der Prozess bleibe aber auch weiter vertraulich. Daher werde Bayer “nicht über Ergebnisse oder den Zeitpunkt eines Vergleichs spekulieren”.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte zuvor berichtet, Bayer habe in bis zu 85.000 von geschätzt 125.000 Klagen zumindest eine mündliche Einigung erzielt. Die Leverkusener hatten zuletzt mitgeteilt, dass im US-Rechtsstreit um angebliche Krebsrisiken von Glyphosat bis zum 14. April etwa 52.500 Klagen zugestellt worden seien. Hinter den Kulissen laufen seit Monaten Vergleichsgespräche unter der Aufsicht des Staranwalts Ken Feinberg, der als Vermittler zwischen Bayer und Klägern verpflichtet wurde.

Konzern geht von steigenden Zahlen aus

Angesichts intensiver Werbeaktivitäten von Anwälten und den Spekulationen über einen Vergleich „gehen wir davon aus, dass die Anzahl der Klagen weiter steigen wird“, sagte der Bayer-Sprecher. Die von Bloomberg genannten Klagezahl umfasse eine beträchtliche Anzahl potenzieller Kläger, deren Klagen noch nicht eingereicht oder zugestellt worden seien.

Zahlreiche von Anwälten geltend gemachte Ansprüche “werden im Rahmen eines Vergleichsprogramms aus verschiedenen Gründen nicht für Vergleichszahlungen zu berücksichtigen sein”, teilte der Sprecher weiter mit. Bayer werde eine Lösung nur dann in Betracht ziehen, “wenn diese wirtschaftlich sinnvoll und so strukturiert ist, dass zukünftige Rechtsstreitigkeiten zu einem Abschluss gebracht werden”.

Auf der Hauptversammlung Ende April hatte der Konzern noch mitgeteilt, dass “im Rechtskomplex Glyphosat sich Bayer weiterhin konstruktiv an den Mediationsgesprächen” beteilige. “Wir haben dabei einige Fortschritte erzielt, bevor der Ausbruch von COVID-19 auch dieses Thema überlagert und den Verhandlungsfortschritt damit erheblich verlangsamt hat”, sagte Vorstandschef Baumann damals beim Aktionärstreffen.

Bayer hatte sich bereits Ende März mit US-Sammelklägern auf einen Vergleich im Rechtsstreit um angeblich irreführende Vermarktung von Unkrautvernichtern mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat geeinigt. Der deutsche Agrarchemie- und Pharmakonzern erklärte sich da bereit, 39,6 Millionen Dollar (35,8 Millionen Euro) zu zahlen.

An der Börse hat die Nachricht mit der angeblichen Einigung für Impulse gesorgt. Der Aktienkurs von Bayer gewinnt am Montagvormittag mehr als 4,7 Prozent auf 60,60 Euro hinzu. Die Experten der Baader Bank sehen derweil das Kursziel für die Pharma-Aktie weiterhin bei 105 Euro. Sie haben die Einstufung für Bayer nach dem Bloomberg-Bericht auf “Buy” belassen.

Dass der Pharma- und Agrochemiekonzern mit einem Großteil der Kläger zumindest eine mündliche Einigung erzielt haben soll, sei eine gute Nachricht, hieß es. Da auch das operative Geschäft von Bayer relativ immun gegen die Corona-Krise sei, bleibe die Bayer-Aktie ein “Top Pick”, so die Einschätzung der Baader Bank.

RND/casc/dpa