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Das bargeldlose Zahlen mit Debit oder Kreditkarte ist für viele Menschen Alltag – sofern die Karte auch funktioniert. Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Hunderttausende betroffen: Wirecard-Pleite hat massive Folgen für Verbraucher

An der Börse hat der Bilanzskandal des Dax-Konzerns Wirecard ein gewaltiges Beben ausgelöst. Nun bekommen auch Kunden des Zahlungsabwicklers und Verbraucher die Folgen der Pleite unmittelbar zu spüren. Es geht dabei oft auch um steuerbegünstigte Bonuszahlungen an Mitarbeiter.

Stuttgart. Sie sind in den vergangenen Jahren für viele Unternehmen und Verbraucher immer beliebter geworden, weil Bankgeschäfte so einfach wurden: Fintech-Banken. Man genoss die Vorzüge dieser digitalen Banken mit all ihren Innovationen. Per App von überall und zu jeder Tageszeit auf das eigene Konto zurückgreifen, Einkäufe bezahlen und Transaktionen durchführen. Alles ganz unkompliziert.

Diese Freiheit könnte nun für viele Verbraucher und auch Unternehmen erst einmal eingeschränkt sein. Denn das laufende Insolvenzverfahren des Dax-Konzerns Wirecard hat Folgen im Banken-Alltag, die schon viele Kunden von Fintechs zu spüren bekommen haben.

Was im Hintergrund geschieht, weiß der Kunde nicht

Viele Fintechs arbeiten nämlich (noch) mit dem Skandalunternehmen Wirecard zusammen, was aber der einzelne Bankkunde nicht zwingend mitbekommen musste. Er interessiert sich nicht unbedingt für die Prozesse im Hintergrund seiner Bank, bekommt lediglich seine Debit-Kreditkarte von dieser und will sie nutzen. Doch durch die Wirecard-Pleite zeigt sich ein anderes Bild: Tausende deutsche Verbraucher und Kleinunternehmer sind unmittelbar von dieser betroffen, obwohl sie völlig unbeteiligt am Geschehen sind.

Am vergangenen Freitag hat bereits die britische Finanzaufsichtsbehörde FCA einen Stopp sämtlicher Zahlungsdienste der britischen Wirecard-Tochter Wirecard Card Solutions Ltd. (WDCS) angeordnet. Von dieser Maßnahme betroffen sind über 500.000 sogenannter Sachbezugskarten, die Unternehmen in Deutschland an ihre Mitarbeiter ausgegeben haben. Mit einer solchen Sachbezugskarte können Unternehmen ihren Mitarbeitern Zuwendungen und Prämien (sogenannte “Sachbezüge”) wie beispielsweise Tankgutscheine steuerbegünstigt zukommen lassen.

Nutzen der Kreditkarte (zeitweise) nicht möglich

Am späten Montagabend hat zwar die FCA die Beschränkungen für WDCS wieder aufgehoben und versichert, dass Kunden schon sehr bald wieder ihre Karten nutzen könnten – die Unsicherheit vieler Kunden und Verbraucher aber bleibt.

In Internetforen meldeten sich Kunden von Fintech-Banken und schrieben, dass man die eigene Kreditkarte nicht mehr benutzen könne. Betroffen war unter anderem am vergangenen Wochenende das finnisch-deutsche Fintech Holvi, das vor allem den Fokus auf Selbstständige hat. Laut Angaben des Unternehmens gibt es 90.000 Kunden hierzulande.

Kein Zahlen mit Sachbezugskarten

Aber auch Unternehmen sind in Schwierigkeiten geraten, die eigentlich ihren Mitarbeitern etwas Gutes tun wollten. Betriebe haben dazu ihren Mitarbeitern eine sogenannte Sachbezugskarte ausgestellt und leisteten mithilfe dieser den Mitarbeitern steuerbegünstigte Bonuszahlungen.

Viele Inhaber einer solchen 44-Euro-Debitcard, die über Dienstleister wie beispielsweise Spendit oder Givve gemanagt werden, konnten zuletzt weder auf vorhandene Guthaben zugreifen, noch konnten Unternehmen weitere Sachbezüge auf die Karte aufladen. Sie standen beim Bezahlen und nichts passierte.

Es könnte noch schlimmer kommen. Laut dem Handelsblatt müssen Karteninhaber auch um die gesammelten Guthaben fürchten. Allein beim Anbieter Givve gehe es laut der Zeitung um eine Summe von rund 59 Millionen Euro.

Wechseln auf andere Zahlungsmöglichkeiten

Verbraucher, die in den vergangenen Tagen ihre Debit/Kreditkarte nicht nutzen konnten, sollten sich bei ihrer Bank wegen der genauen Gründe informieren. Ebenso ist es sicherlich sinnvoll, beim Geldinstitut zu hinterfragen, wie schnell das Geld auf ein anderes (sicheres) Konto übertragen werden kann.

Zudem kann es nicht schaden, falls vorhanden, sein “altes” Paypal-Konto in den kommenden Wochen wieder mehr zu nutzen, bis sich die Situation rund um Wirecard und den daraus entstandenen Zahlungsunsicherheiten gelegt hat. Den Zahlungsklassiker nutzen mehr als 25 Millionen Menschen hierzulande als Onlinezahlungsmittel.

Laut dem Handelsblatt sind aber bereits viele Wirecard-Kunden auf dem Sprung zu Mitbewerbern, um eben einen funktionierenden Zahlungsverkehr für die eigenen Kunden (wieder) zu gewährleisten.

RND

Von Christoph Scherbaum/RND