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Politik und Wirtschaft wollen mit einem “Schienenpakt” mehr Güter mit der Bahn transportieren und die Zahl der Fahrgäste im Personenverkehr bis 2030 verdoppeln. Quelle: imago images/photothek

“Schienenpakt”: Der wirkliche Masterplan fehlt

Mehr Güter auf der Schiene, mehr Fahrgäste: Die Bundesregierung steckt Milliarden in die Bahn. Die Ziele des “Schienenpakts” sind wünschenswert. Das Problem ist nur: Andreas Scheuer und die Bundesregierung kündigen gern Dinge groß an – ohne sie schnell umzusetzen, meint Frank-Thomas Wenzel.

Wer in einer Schweizer Eisenbahn den Zugbegleiter fragt, ob der Anschlusszug erreicht wird, erntet ein ironisches Lächeln. Natürlich wird er erreicht. So soll es auch eines fernen Tages hierzulande sein. Deshalb hat Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) den “Masterplan Schienenverkehr” präsentiert. Mit Fernzügen im Halbstundentakt und einem Regionalverkehr, der darauf abgestimmt ist. Für den sogenannten Deutschlandtakt müssen das Schienennetz ausgebaut und das Personal der Deutschen Bahn deutlich aufgestockt werden. Im Nachbarland funktioniert der nationale Takt schon seit Jahren – wie eines der sprichwörtlichen Schweizer Uhrwerke. Die Bundesregierung will für Vergleichbares Milliarden Euro in das klimafreundliche Verkehrssystem stecken und die Fahrgastzahlen bis 2030 verdoppeln.

Der Plan wirft viel mehr Fragen auf

Das ist alles schön und gut und wünschenswert. Der Haken ist nur: Der Plan kommt von Andreas Scheuer, den Spötter auch schon einmal als Bundesankündigungsminister tituliert haben. Angekündigt hat er den Masterplan schon vielfach. Und es wirkt so, als käme es ihm vor allem auf die Schlagzeilen mit dem vielen Geld und den vielen Passagieren an. Projekte möglichst groß anlegen, darin hat die Bundesregierung einige Erfahrung, um dann die konkrete Umsetzung vor sich herzuschieben.

Dass Zweifel angebracht sind, zeigt sich allein schon daran, dass der Masterplan merkwürdig isoliert dasteht. Vor allem über Wechselwirkungen auf den Straßenverkehr werden keine Aussagen gemacht. Weniger Lastwagen auf den Straßen und weniger Pkw in den Städten, das müsste in einem echten Masterplan komplementär hinzukommen. Und wie muss der Staatsbetrieb umgebaut werden, damit er so effizient wird, wie Scheuer sich das vorstellt? Sicher, der Masterplan beantwortet einige Fragen, doch er wirft noch viel mehr Fragen auf.

Von Frank-Thomas Wenzel/RND