Dienstag , 18. September 2018
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: Industrieanlage in Moskau: Auch die Wirtschaft soll für die Klimafolgen aufkommen.

Klimakonferenz: Delegierte ringen um Kompromisse

Mit einer zusätzlichen Tagung wollen Delegierte Spielregeln für die nächste Welt-Klimakonferenz im polnischen Kattowitz aufstellen. Streit gibt es auch darüber, wer die Kosten für Entwicklungsländer übernimmt, die am stärksten von den Klimafolgen gebeutelt sind.

Die Zeit drängt: Im Dezember wollen die Vereinten Nationen beim diesjährigen Klimagipfel (COP24) im polnischen Kattowitz ein Regelwerk verabschieden, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens umzusetzen. Bisher gibt es allerdings nur eine Ideensammlung auf 165 Seiten. Nachdem eine Verhandlungsrunde im Mai in Bonn nicht zielführend war, hat am Dienstag in Thailands Hauptstadt Bangkok erstmalig eine weitere Vorbereitungskonferenz begonnen. 2000 Delegierte aus über 190 Ländern sollen bis Sonntag nach Lösungen und Kompromissen ringen.

Paris-Abkommen von Worten zu Taten machen

Die Bundesregierung ist durch Experten aus dem Umweltministerium vertreten. Der amtierende Vorsitzende der Konferenz, Fidschis Ministerpräsident Frank Bainimarama, forderte, die bisherigen Beschlüsse endlich auch umzusetzen. „Wir müssen das Paris-Abkommen von Worten zu Taten machen.“

In Paris hatte die Weltgemeinschaft 2015 vereinbart, die globale Erwärmung bei maximal 2 Grad – möglichst sogar bei nur 1,5 Grad – zu stoppen. Gemeint ist die mittlere Temperatur im Vergleich zu vorindustriellen Zeiten. Die Ziele erfordern bis 2050 eine Abkehr von Kohle, Öl und Gas sowie einen Umbau der Weltwirtschaft. Jetzt geht es unter anderem darum, wie die nationalen Beiträge dazu konkret aussehen und wie Fortschritte bei der Reduzierung von Emissionen gemessen werden.

Hitzesommer hat Sorgen verstärkt

Viele Experten kritisieren jedoch, dass der Kampf gegen den Klimawandel seit einiger Zeit kaum noch vorankommt. Der Klimaschutz steckt in der Krise, seit US-Präsident Donald Trump das Pariser Abkommen aufgekündigt hat. Die anderen Staaten wollen aber daran festhalten. Der jüngste Hitzesommer in Europa hat zudem die Sorge geschürt, dass die Temperaturen noch schneller steigen als befürchtet.

„Wir hoffen, dass im Kontext des extremen Wetters der Druck auf die Politik gestiegen ist und jetzt konkrete Lösungen gefunden werden“, sagte Klimaschutzexpertin Kristin Reißig vom Umweltverband WWF dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. „Was an Maßnahmen zur Umsetzung von Paris auf dem Tisch liegt, reicht bei Weitem nicht aus.“ Die Bundesregierung müsse nun schnellstmöglich den Kohleausstieg vorantreiben und eine Zielerhöhung der EU ermöglichen. „Das Problem ist nicht, dass man das nicht schaffen kann. Man muss nur die nötigen Weichen stellen“, konstatierte Reißig.

Industriestaaten wollen Wirtschaft zur Kasse bitten

Ein weiterer Streitpunkt der Klimaverhandlungen dreht sich ums Geld. Von 2020 an sollen die am stärksten von den Klimafolgen betroffenen Entwicklungsländer jährlich 100 Milliarden Dollar (86 Milliarden Euro) erhalten. Die Industrieländer treffen jedoch keine konkreten Zusagen – und drängen auf eine höhere Beteiligung der Privatwirtschaft.

Fidschis Regierungschef, der sich als Sprecher der besonders betroffenen Inselstaaten im Pazifik sieht, beklagte: „Wir kommen nicht schnell genug voran.“ Bainimarama forderte deshalb, das Treffen in Bangkok zu einer „Dringlichkeitssitzung“ zu machen. Befürchtet wird, dass die Zeit bis zum COP24-Gipfel in Polen ansonsten zu knapp werden könnte. Konkrete Beschlüsse wird es bei dem sechstägigen Treffen in Bangkok vermutlich aber noch nicht geben.

Berlin erwartet „entscheidungsfähige Basis“

Die deutsche Delegationsleiterin Nicole Wilke aus dem Umweltministerium sagte: „Die eigentlichen Entscheidungen werden erst in Kattowitz getroffen.“ Deutschland und die EU erwarteten jedoch, dass es nach den Gesprächen in Bangkok eine „entscheidungsfähige Basis“ für die Schlussverhandlungen gebe. „Damit erhalten die Staaten Klarheit darüber, wie sie das Abkommen umsetzen sollen“, so Wilke. Bis Sonntag haben die Unterhändler Zeit, die Spielregeln für den Klimagipfel aufzustellen.

Der Gipfel in Polen soll vom 3. bis 14. Dezember stattfinden.

Von Sonja Fröhlich/RND/dpa