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Völlig zu Unrecht in Verruf: Die heimischen Fledermausarten sind allesamt harmlos.

Was wir für die Fledermaus tun können

Batman, Graf Dracula, blutsaugende Ungeheuer – zahlreiche Schauergeschichten ranken sich um sie: die Fledermaus. Dabei sorgt der nachtaktive Jäger dafür, die Zahl von Quälgeistern wie Mücken und Co. im Garten gering zu halten. Hierzulande gibt es allerdings nur noch wenige Arten, viele davon sind gefährdet.

Zugegeben: Wenn einem die fliegenden Flattermänner im Hochsommer bei anbrechender Dunkelheit in Höchstgeschwindigkeit und völlig lautlos um den Kopf schwirren, ist das durchaus ein bisschen gruselig. Doch die gute Nachricht: Die kleinen Säugetiere, die sich durch ausgefeilte Echoortung orientieren und zur Ordnung der Fledertiere gehören, sind absolut harmlos. Sie werden – zumindest in Europa – nicht größer als acht Zentimeter und passen in jede Handfläche. Mit ihren überproportional großen Ohren, der rosabraunen Nase und den schwarzen Knopfaugen im graubraunen Fell sehen sie zudem äußerst putzig aus. Rund 1200 Fledermausarten gibt es weltweit, in Europa sind es 40, in Deutschland nur noch 25, davon ein Großteil gefährdet oder sogar stark gefährdet – obwohl sie bereits seit 1936 unter strengem gesetzlichem Schutz stehen. Die Tiere finden schlichtweg kaum noch Unterschlupf und Nahrung.

Am Abend geht es auf Beutefang

Tagsüber suchen sich Fledermäuse ein ruhiges, warmes und trockenes Plätzchen in Baumhöhlen, Gebäudespalten oder auf geräumigen Dachböden. Dort werden auch die Jungen aufgezogen. Haben sich die nachtaktiven Flatterer einmal für ein Versteck und damit für ein Sommerquartier entschieden, bleiben sie diesem treu. Von hier aus gehen sie in der Abenddämmerung auf Beutefang. Und müssen dann eine ganze Menge verputzen. Die Experten vom Naturschutzbund (Nabu) betonen: „Um zu überleben, muss eine Fledermaus täglich bis zu ein Drittel ihres eigenen Körpergewichts fressen. Das entspricht bis zu zehn Gramm. Allein in den Sommermonaten kommt so rund ein Kilogramm Insektennahrung zusammen.“ Während des Sommers fressen sich die fliegenden Säugetiere eine dicke Speckschicht an, die sie durch die kalte Jahreszeit bringen soll. Diese verbringen Fledermäuse meist eng aneinander gekuschelt, kopfüber schlafend in einem Winterquartier. Das liegt oft mehrere 100 Kilometer von ihren Sommerbehausungen entfernt. Bevorzugt werden zugluftfreie, trockene und vor allem ruhige Orte wie Kirchtürme, Ruinen oder Berghöhlen.

Insekten als Leibgericht

Bei allen in Europa vorkommenden Mini-Jägern stehen Insekten auf dem Speiseplan: Fleißig werden Pflaumen- und Apfelwickler dezimiert, Eulenfalter, Stechmücken und Motten verputzt, Schmeißfliegen der Garaus gemacht. Dank ihres hoch entwickelten Systems der Echoortung, bei dem Ultraschallwellen ausgestoßen und anschließend von den umgebenden Objekten reflektiert werden, können sie selbst winzig kleine Mücken aus der Luft schnappen. Dabei fliegen sie „quasi mit den Händen“, beschreiben die Experten der Deutschen Wildtierstiftung den besonderen Flugstil der nächtlichen Jäger: „Zwischen den verlängerten Fingerknochen spannt sich die sogenannte Flughaut bis zum Hals und zu den Hinterbeinen und darüber hinaus bis zum Schwanz. Nur der Daumen, den die Fledermäuse zum Festhalten an unebenen Oberflächen benutzt, ist nicht in die Flughaut eingespannt. Bei der Nahrungsaufnahme nutzen sie die Flügel auch als Kescher, so ist die Fangquote deutlich höher, als wenn sie ihre Nahrung direkt mit dem Maul fangen müssten.“ Das Klischee des angriffslustigen, eckzahnigen Blutsaugers erfüllen übrigens nur die drei Arten der Vampirfledermaus, die in Amerika heimisch ist. In Europa dienen die ausgeprägten Eckzähne den Tieren lediglich zum Aufbrechen der Panzer ihrer Beute.

Nachtblüher als „Feinschmeckerlokal“

Gartenbesitzer sollten sich also freuen und – um die putzigen Flugakrobaten anzulocken – auf chemische Schädlingsbekämpfung gänzlich verzichten sowie ihnen rund um Haus oder Schuppen Unterschlupfmöglichkeiten bieten. So rät der Nabu Hausbesitzern dazu, bereits bei Bau- und Umbaumaßnahmen vor allem im Dachbereich Einflugmöglichkeiten zu erhalten oder zu schaffen.

Auch sogenannte Fledermausbretter oder Flachkästen an der Giebelwand und an Bäumen würden von den Tieren als Quartier gern angenommen. Zudem sollten Gärten artenreich mit nachtblühenden Stauden und Sträuchern wie Gewöhnlichem Leimkraut, Seifenkraut, Geißblatt oder Wegwarte angelegt werden. Die zögen durch ihren intensiven Duft Nachtfalter an und seien somit ein wahres „Feinschmeckerlokal“ für die Flugkünstler. Zu fledermausfreundlichen Gehölzen gehörten neben Weißdorn, Schlehe, Wildrose, Schneeball, Hasel und Holunder, auch Weiden, Pappeln und Birken. Wer den zierlichen Nachtschwärmern zusätzlich etwas Gutes tun will, sollte einen Teich anlegen, so der Nabu. Schließlich ziehe auch Wasser viele Insekten an.

Von Julia-Marie Meisenburg