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Der Eisberg A68 löste sich 2017 vom Larsen-C-Schelfeis. Demnächst wollen Wissenschaftler die Folgen des Abbruchs für die Umwelt erforschen.

Antarktis-Expedition: Welche Folgen hat der Abbruch des Riesen-Eisbergs?

Nach dem Abbruch eines gigantischen Eisbergs vom Larsen-C-Schelfeis wollen Wissenschaftler die Folgen in der Antarktis erforschen. Dazu bricht am Wochenende das deutsche Forschungsschiff Polarstern auf. Die Zeit drängt, sagen die Experten.

Wie sieht es unter dem Riesen-Eisberg A68 aus? Eine Expedition in das Larsen-C-Schelfeisgebiet an der Antarktischen Halbinsel will das erkunden. Im Juli 2017 war A68 vom Eisschelf abgebrochen. Mit einer Fläche von 5800 Quadratkilometern – fast sieben Mal so groß wie Berlin – gilt er als einer der größten Eisberge, der in den vergangenen Jahrzehnten registriert wurde.

Mehr als 50 Experten aus fünf Ländern wollen nun die Meeresboden-Landschaften und Lebewesen untersuchen, die sich unter dem abgebrochenen Eis befinden. Sie erhoffen sich dadurch neue Erkenntnisse, denn bis zu 120.000 Jahre war dieser Lebensraum von der Atmosphäre und dem Sonnenlicht unter dem Eis abgetrennt.

Durch den Abbruch des Eises und den Rückgang der Schelfeisdecke werde dieses Ökosystem gezwungen, sehr schnell zu reagieren und sich anzupassen, teilte das Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) mit. Daher sei es notwendig, jetzt möglichst schnell den Zustand der Umwelt zu erfassen.

Die Wissenschaftler gelangen mit dem Forschungsschiff Polarstern in die Region. Das Schiff legt am Sonntag in seinem Heimathafen in Bremerhaven ab. Zunächst nimmt es Kurs auf Kapstadt und fährt dann weiter bis nach Chile. Anfang Februar 2019 steuert die Polarstern von Punta Arenas an der Südspitze Chiles dann in Richtung Antarktis.

Besonders gespannt seien die Wissenschaftler, ob die Meereisbedingungen es zulassen, bis zum Larsen-C-Schelfeis im Weddell-Meer vorzudringen. Im Südsommer 2018 (Februar/ März) hatte das britische Forschungsschiff James Clark Ross vergeblich versucht, so weit nach Süden kommen.

Die Antarktische Halbinsel ist laut AWI eine der Regionen der Welt, die sich am schnellsten erwärmen. Auf Grund der Abgeschiedenheit – über 1500 Kilometer Entfernung zum nächsten Hafen – gebe es derzeit nur begrenzt wissenschaftliche Daten aus dem Gebiet von Larsen A und B. Larsen C sei fast vollständig unerforscht.

Wissenschaftler befürchten, dass durch Abbrüche wie von A68 langfristig das gesamte Larsen-C-Schelfeis in der Westantarktis zerfallen könnte. Die Schelfeiskante verlagert sich auch hier immer mehr landeinwärts. Schelfeise sind auf dem Meer schwimmende Eisplatten, die von Gletschern gespeist werden. In den Jahren 1995 und 2002 waren erst das Larsen-A-Schelfeis und später das Larsen-B-Schelfeis fast vollständig zerfallen.

Die Polarstern wird am 29. Juni 2019 in Bremerhaven zurückerwartet. Neben der Expedition in das Larsen-C-Schelfeisgebiet wird sie auch die Neumayer-Station III versorgen und die Südlichen Shetlandinseln erkunden.

Von RND/nie/dpa