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Dürfen sich Arbeitnehmer freinehmen, um den Hund oder ein anderes Haustier zum Tierarzt zu bringen?

Dürfen Arbeitnehmer zu Hause bleiben, wenn der Hund krank ist?

Der Hund ist krank und er muss dringend zum Tierarzt. Was nun? Dürfen Arbeitnehmer dann daheim bleiben und sich um den Vierbeiner kümmern?

Wer aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage ist, seine Arbeit auszuführen, kann sich krankmelden. Auch wenn das Kind krank ist, gibt es entsprechende Regelungen – Eltern haben Anspruch auf bezahlte Freistellung. Doch was ist, wenn der Hund oder ein anderes Haustier krank ist? Müssen Angestellte dann trotzdem zur Arbeit gehen? Oder haben sie sogar Anspruch auf eine bezahlte Freistellung?

Was sagt das Arbeitsrecht zum kranken Haustier?

„In diesen Fällen gibt es keinen Sonderurlaubsanspruch“, sagt Barbara Reinhard, Fachanwältin für Arbeitsrecht und Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein. Ein Hund ist nach ihrer Einschätzung nicht gleichzusetzen mit einem Familienmitglied. Einen Anspruch auf bezahlte Freistellung habe der Arbeitnehmer in keinem Fall, erklärt die Arbeitsrechtlerin.

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Tierschutz vor Arbeitsrecht?

Doch ob Arbeitnehmer entschuldigt der Arbeit fernbleiben dürfen, sei eine andere Frage: Wenn der Hund wirklich sehr krank ist und es niemanden gibt, der sich um ihn kümmern kann, dann könne Arbeitnehmern aus Tierschutzgründen der Weg zur Arbeit „unmöglich“ sein, erklärt Reinhard.

„Die Interessenabwägung zwischen den Tierbelangen und den Interessen des Arbeitgebers kann dazu führen, dass ich zu Hause bleiben darf“, so die Anwältin. Wer sich in diesen Ausnahmefällen bei dem Arbeitgeber unverzüglich abmeldet und den Hund zum Tierarzt bringt, riskiere keine Abmahnung.

In Deutschland gelten strenge Vorschriften zum Schutz von Tieren. In der Regel werden Arbeitsgerichte eine Situation deshalb immer an ihrer Notlage bemessen beurteilen. Es wird also ein Kompromiss gesucht, der sowohl die Interessen des Arbeitgebers und das Wohl des Tieres berücksichtigt.

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Fazit: Krankes Haustier zum Tierarzt bringen: ja, Bezahlung: nein

Wer wegen eines kranken Haustiers rechtzeitig den Arbeitgeber informiert, ist auf der sicheren Seite. In der Regel werden Arbeitnehmer für die Zeit, die es braucht, um das kranke Tier zum Arzt zu bringen, von der Arbeit freigestellt. Allerdings besteht kein Anspruch auf Bezahlung.

Muss das Tier nach der Behandlung oder einer Operation zu Hause überwacht und gepflegt werden, besteht die Möglichkeit, dem Arbeitgeber anzubieten, die verlorene Arbeit nachträglich zu erledigen.

Von RND/dpa/pf